Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen

Ortskenntnisse: Mikrokosmos Unterbilk

Foto: Christof Wolff

Mit dem Bau des Rheinufertunnels begann der Aufstieg vom einstigen Arbeiterviertel zum prosperierenden Stadtteil. Dessen Versorgungszentrum sind die Bilker Allee und die Lorettostraße. Wir haben uns im Stadtteil umgeschaut und mit Ortskennern geplauscht.

Inhaltsverzeichnis [verbergen]

Ortskenner: Memo Torfilli von Modlord

Memo, kannst du dich noch erinnern, wie die Lorettostraße vor dem Umbau 2007 war

Nicht sehr attraktiv und das Publikum war ein völlig anderes, eher die Unterbilker Working Class. Da hat sich viel zum Positiven geändert. Unterbilk hat heute einen leicht dörflichen Charakter und ist sehr nachbarschaftlich. Das Gerede von der „kleinen Kö“ finde ich allerdings Blödsinn. Aber klar: Die Gentrifizierung kriegst du volle Möhre mit.

Was wäre verbesserungswürdig?
Die Parkplatzsituation ist eine absolute Katastrophe. Zeitweise sind die Jungs von der Verkehrswacht sofort zur Stelle, sobald jemand in zweiter Reihe anhält. Das ist für die Leute extrem unangenehm und alles andere als kundenfreundlich. An der Begrünung könnte man auch mehr machen. Und, das muss ausgerechnet ich als Vegetarier sagen, es fehlt ein Metzger.

Deine Prognose für die Lorettostraße in zehn Jahren?
Gastronomisch geht es in Richtung Moltkestraße, wo es keinen Einzelhandel mehr gibt, da muss man aufpassen, dass das nicht kippt. Tendenziell hebt es, glaube ich, weiter ab. Mit allen Vor- und Nachteilen – aber hier wird nie ein Nagelstudio oder ein Handyshop aufmachen!

Stadtrundgang

Nice to have

Das Wort „Statement-Schmuck“ war noch nicht erfunden, da fertigte Anke Plöger schon auffällig große Ringe und Ketten aus gelasertem Silber und offen gefassten Steinen. In ihrer Galerie Steinreich (Neusser Str. 125) trifft man die Schmuckdesignerin an der Werkbank. Gemäß der Devise „less is more“ sind die Arbeiten gradlinig und markant. Originell ist die Düsseldorf-Kollektion – Ohrschmuck mit dem Bergischen Löwen des Stadtwappens, Killepitsch-Manschettenknöpfe oder Ringe mit dem Umriss des Kö-Bogens.

Smilla heißt der Hund von Ina Schleisner und SmillaLOVE ihre kleine Boutique auf der Weiherstraße 13, wo außergewöhnliche Dinge Mädchenherzen höherschlagen lassen. Alte Stoffe oder Herrenhemden, Bett- und Tischwäsche, Spitzen- und Wollreste werden zu Ponchos, Schals, Nachtwäsche oder Kuscheltieren upgecycelt; „geliebtes Getragenes“ bezeichnet gut erhaltene Secondhand-Kleidung. Hinzu kommt Schmuck und eine Kollektion an Neuware, zumeist Basics und Strick, von lokalen Labels.

Die Kundin kann von Kopf bis Fuß inklusive Accessoires komplett einkleiden und/oder ihr Zuhause neu einrichten: Four Seasons Lifestyle (Lorettostr. 8) empfiehlt sich als geschmackvoller Concept Store für alle Lebenslage. Bis auf die Regale ist alles käuflich. Sarah Stiurins präsentiert ein sorgsam ausgewähltes Sortiment hochwertiger Labels aus den Bereichen Fashion und Homeware: Bekleidung von No Man’s Land, Più Più, oder Beaumont Amsterdam, Plaids und Kissen von Missoni Home, Kosmetik (Uslu Airlines), Sonnenbrillen (Le Specs), Nachtwäsche von Short Stories.

Damenwahl

Wozu in die City fahren, wenn man doch bei Margarethe Dawo ganz entschleunigt shoppen kann, persönliche Stilberatung inklusive? Im magasin.dawo (Weiherstr. 1) findet die modebewusste Kundin Premium-Fashion überwiegend europäischer Hersteller. Die Zielgruppe sind „erwachsene Frauen, die ihr eigenes Geld verdienen und Qualität zu schätzen wissen“. Unkonventionell ist die Warenpräsentation. das Ladenlokal ist eingerichtet wie eine Wohnung. So kommen auch die extravaganten französischen Wohnaccessoires besonders gut zur Geltung.

Dinner for Two

„K wie Kiez“, sagen die Stammgäste, und von denen hat das K Restaurant (Wilhelm-Tell-Str. 1a) reichlich. Lässig, relaxed, chichifrei, das kommt bei jeder Altersgruppe gut an. Bis 16 Uhr gibt es Mittagstisch (immer auch vegetarisch), abends wird international gekocht und die gut sortierte Bar aktiviert, die allein 20 Sorten Gin bereithält.

Kaffeepause

Wo einst eine Bonbonfabrik stand, hat Uli Mack Ende 2015 ein reizendes nostalgisches Café mit französischem Flair eröffnet. Wie im Himmel (Bilker Allee 35) verwöhnt mit Kaffee- und Teespezialitäten, heißer Schokolade und süßen wie herzhaften selbst gebackenen Köstlichkeiten: Kuchen, Tartes und Quiches, Crêpes und bretonische Galettes, zu denen man traditionell Cidre aus der Tasse trinkt. Handverlesen ist das Sortiment an Edelschokoladen aus aller Welt. Die schmecken auch zu einem guten Glas Wein oder Crémant.

Bei den Kaffeepiraten (Neusser Str. 121). Hier gibt es die ganze Palette an Heißgetränken, ergänzt um saisonale Extras, Softdrinks und frisch gepresste Säfte. In puncto fester Nahrung lässt sich aus dem Vollen schöpfen: Kuchen, mediterran belegte Sandwiches und Bagels, (Obst-)Salate, Bircher Müsli – alles hausgemacht, frisch und gesund. Was auch für den wechselnden Mittagstisch gilt – Asia-Suppen plus eine Schale Reis und Currys, immer mit je einer veganen und vegetarischen Option.

Männersache

Selbst die Garderobe von James Bond in „Spectre“ fand in Astrid Werles strengen Augen keine Gnade. Die Maßschneiderin und Modedesignerin sieht sofort, wenn ein Anzug nicht richtig sitzt oder schlampig verarbeitet ist. In ihrem Atelier Nadel-Streifen (Wilhelm-Tell-Str. 1) schneidert sie Männern passgenau Anzüge, Sakkos, Hemden und Mäntel auf den Leib. Die Möglichkeiten sind schier unendlich: über 5 000 Stoffe, Kragenform, Futter, Knöpfe, Garne – alles individuell wählbar. Unabdingbare Extras wie Krawatten, Taschentücher, Socken und Gürtel gibt es als „Mitnahmeware“.

Very british: Auf der Lorettostraße 6 betreiben Memo Torfilli und Tanja Göttler seit mehreren Jahren Modlord – our favourite Shop für den stilbewussten Gentleman. Das Sortiment umfasst Herrenbekleidung britischer Labels wie Fred Perry, Ben Sherman, Smart Turnout, Baracuta, eng verbunden mit der Subkultur der Mods und ähnlicher Jugendbewegungen. Das passende Beiwerk ist ebenfalls am Start: Taschen, Schuhe, Tweedkappen, Vintage Toys, Bücher, Zeitschriften, Platten … (Psst, Ladies, es gibt auch eine kleine, stylische Auswahl an Womenswear!)

Von weit her kommen die Kunden, um sich mit den Delikatessen einzudecken, die Nadia Challah und Giorgos Pachiadakis direkt aus Griechenland importieren. Taste Greece (Volmerswerther Str. 21) ist ein Großhandel, aber dreimal wöchentlich – ab März auch donnerstags – öffnet die Halle auf dem Gelände der Liesegang-Fabrik auch für Privatleute. Extra native Olivenöle, Weine, Kapern, Oliven, Gewürze, Kräuter und Feinkost sind von bester Qualität und stammen von kleinen Produzenten. Man wird sehr nett beraten und darf alles probieren – nomen est omen.

Dem Dichter Ferdinand Freiligrath, der Mitte des 19. Jahrhunderts hier lebte, verdankt das Haus Freiligrath an der Bilker Kirche seinen Namen (Neusser Str. 133). Gaststätte ist es seit über 30 Jahren und über das Stadtviertel hinaus berühmt für seinen Sonntags-Brunch (11–15 Uhr): Ein wirklich mehr als reichhaltiges Buffet mit kalten und warmen Speisen zum zivilen Pauschalpreis von 11,90 Euro. Reservierung – nur telefonisch – unbedingt empfohlen!

Anzeige
Anzeige

Beste Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region

Inhaltsverzeichnis
Home