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Bücherempfehlungen 2020: Über diese Schmöker freuen wir uns

Foto: Thought Catalog
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Was ist das Lesen eine Lust! Klar, es gibt Klassiker, die gehen immer. Aber das Tolle an der Literaturwelt ist doch, dass da ständig Nachschub kommt. Wir haben unsere (bisherigen) Bücherempfehlungen für das Jahr 2020 kompakt zusammengetragen, ob nun Krimi, Liebesroman oder Sachbuch.

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Kriminalromane und Thriller 2020

Hideo Yokoyama | 50 | Mai

Ist es nun Mord, Selbstmord oder aktive Sterbehilfe? An diese mitunter heikle Thematik wagt sich der japanische Star-Krimiautor Hideo Yokoyama in seinem neusten Werk „50“. Darin sieht sich der Kriminalkommissar Kazumasa Shiki mit seinem Polizeikollegen Sochiro Kaji konfrontiert, der frei heraus gesteht, seine Frau ermordet zu haben. Nach anfänglichem Unverständnis wird schnell klar, dass die Gattin, an Alzheimer erkrankt, ihren Mann darum gebeten hatte. Der Fall scheint geklärt, doch Kommissar Shiki ist nicht so recht zufrieden und buddelt weiter im Leben des Paares, das sich mit der Willkür des Todes nicht zufrieden geben wollte.
Hideo Yokoyama, 50*, Gebundene Ausgabe, Atrium, 368 Seiten, VÖ: 22.5.2020

Zoë Beck | Paradise City | Juni

„Thriller“ prangt unter dem Titel von „Paradise City“, dem neusten Werk von Zoë Beck. Und Thrill dürfte man hier auch bekommen, allerdings eingebettet in einen dystopisch anmutenden Gesellschaftsrahmen. Journalistin Liina wird in einem Deutschland der nahen Zukunft, das von Küstenüberschwemmungen und massiver Landflucht geprägt ist, für eine Recherche in die Uckermark geschickt. Was anfangs nach Routine klingt, entwickelt sich schnell zu einer brisanten Angelegenheit, deren Ausmaße weit über die Uckermark hinausgehen. Ob Beck das Konzept Polit-Thrille mit „Paradise City“ neu erfinden wird, bleibt abzuwarten. Das Panorama, vor dem sich diese Handlung entwickelt, klingt allerdings schon jetzt ziemlich spannend.
Zoë Beck, Paradise City*, Taschenbuch, Suhrkamp, 281 Seiten, VÖ: 22.6.2020

James Ellroy | Jener Sturm | September

Irgendwie Krimi, irgendwie historischer Roman, irgendwie Milieustudie – all das dürfte auf den nächsten Roman von James Ellroy, „Jener Sturm“, zutreffen. Schauplatz und Zeit der Erzählung ist das Los Angeles der 1940er Jahre, in dem der Pathologe Hideo Ashida einen alten Fall wieder aufrollt. Gleichzeitig sieht er sich aufgrund seiner japanischen Wurzeln seit dem Angriff auf Pearl Harbor mit zunehmenden Ressentiments konfrontiert. Als wenn die Arbeit nicht schon kompliziert genug wäre. James Ellroy dürfte hier auf knapp 1000 Seiten wie gewohnt ein umfangreiches Panorama, oder besser gesagt Krankheitsbild der Vereinigten Staaten skizzieren, das sicher nicht nur auf die Zeit der 40er zutrifft.
James Ellroy, Jener Sturm*, Gebunde Ausgabe, Ullstein, 976 Seiten, VÖ: 14.9.2020

Sebastian Fitzek | Der Heimweg | Oktober

In der Welt des geschriebenen Thrillers führt seit Jahren kein Weg an Sebastian Fitzek vorbei. Seit seinem Debut „Die Therapie“ 2006 heimst der Autor links und rechts Preise ein und lässt keine Bestenliste unerobert. 2020 dürfen sich Fitzek-Freunde (und nicht nur die) auf sein neustes Werk „Der Heimweg“ freuen. Protagonist ist der Telefonbegleiter – ein ehrenamtlicher Service für Frauen, die nachts alleine nach Hause laufen – Jules Tannberg. Bisher war nie etwas passiert, doch nun hat er Klara am Apparat und die wird anscheinend tatsächlich von jemandem verfolgt. Jemandem, der ihr zuvor bereits ihr eigenes Todesdatum an die Schlafzimmerwand gemalt hat. Das verspricht spannend, aber auch ziemlich unheimlich zu werden.
Sebastian Fitzek, Der Heimweg*, Gebundene Ausgabe, Droemer HC, 368 Seiten, VÖ: 21.10.2020

Liebesromane 2020

Sayaka Murata | Das Seidenraupenzimmer | Juni

„Das Seidenraupenzimmer“ der japanischen Autorin Sayaka Murata ist die Geschichte zweier Liebenden, die sich selbst als Außenseiter in der Gesellschaft verorten können. Natsuki und Yu suchen Zuflucht in einem alten Farmhaus und im jeweils anderen. 20 Jahre nach dieser Episode kehrt Natsuki noch einmal an den Ort ihres jugendlichen Glücks zurück. Nach „Die Ladenhüterin“, mit dem Murata bereits international großen Erfolg hatte, darf man auch auf „Das Seidenraupenzimmer“ sehr gespannt sein.
Sakaya Murata, Das Seidenraupenzimmer*, Gebundene Ausgabe, Aufbau, 256 Seiten, VÖ: 15.6.2020

Nick Hornby | Just Like You | November

Auch Nick Hornby lässt sich 2020 wieder mal bitten. „Just Like You“ erzählt die Geschichte einer Liebe während des Brexit im Jahr 2016 und ist damit ziemlich aktuell. Zwei Verliebte aus unterschiedlichen Lagern, da kommen unvermeidbar Shakespeare-Assoziationen auf. Ob die Erzählung von Lucy – 46, vom Mann getrennt, zwei Kinder, Lehrerin, linksliberal – und Joseph – 21, Metzger, Fußballtrainer, an Politik eigentlich nicht interessiert – nun aber belangloser Kitsch oder erbauliche Liebesgeschichte mit unterschwelliger Gesellschaftsanalyse wird, das bleibt abzuwarten. Tendenziell ist Hornby aber ja eine sichere Bank.
Nick Hornby, Just Like You*, Gebundene Ausgabe, KiWi, 320 Seiten, VÖ: 5.11.2020

Gesellschaftsromane 2020

Christian Baron | Ein Mann seiner Klasse | Januar

Der quasi-autobiografische Debütroman „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron wird gerne mal als deutsches „Rückkehr nach Reims“ gehandelt. Die Parallelen sind offensichtlich: Der Erzähler wächst in prekären Verhältnissen im Kaiserslautern der 80er-Jahre auf, der Vater gewalttätig und alkoholabhängig, die Mutter depressiv. Dem Protagonisten gelingt der Ausbruch, dennoch bleibt er mit der Vergangenheit verbunden. „Ein Mann seiner Klasse“ wirft einen schonungslosen und wichtigen Blick auf jene Schichten, die sich abseits der wie auch immer gearteten bürgerlichen Mitte befinden. Die Stärke des Romans ist dabei die Authentizität, die der Autor durch seine eigene Lebensgeschichte in das Werk einfließen lässt.
Christian Baron, Ein Mann seiner Klasse*, Gebundene Ausgabe, Ullstein, 288 Seiten, VÖ: 31.1.2020

Khaled Khalifa | Keine Messer in den Küchen dieser Stadt | April

Der syrische Autor Khaled Khalifa zeichnet mit „Keine Messer in den Küchen dieser Stadt“ ein Porträt Aleppos und der Kontrast zwischen damals und heute könnte krasser nicht ausfallen. (Der Roman wurde noch vor der Zerstörung der Stadt im syrischen Bürgerkrieg geschrieben.) Über drei Generationen spannt sich die Erzählung über eine Familie in Aleppo, deren Mitglieder sich in der sich ständig wandelnden syrischen Gesellschaft zurechtfinden müssen, immer in der Gefahr, an der eigenen Angst zu ersticken. In Syrien durfte das Buch nicht erscheinen, der Autor selbst wohnt bis heute dort.
Khaled Khalifa, Keine Messer in den Küchen dieser Stadt*, Gebundene Ausgabe, rowohlt, 288 Seiten, VÖ: 21.4.2020

Thorsten Nagelschmidt | Arbeit | April

Thorsten Nagelschmidt ist nicht nur Sänger der Punkband Muff Potter, sondern auch noch Buchautor. Das Beispiel Sven Regener zeigt ja, dass das durchaus möglich ist in der deutschen Kulturlandschaft. Mit „Arbeit“ legt Nagelschmidt jedenfalls eine Berliner Milieustudie vor, die in einer erzählten Zeit von zwölf Stunden ein Schlaglicht auf all diejenigen wirft, die sich oft ungesehen an den äußersten Rändern der hippen Berliner Szene bewegen: Drogendealer, Taxifahrer, Pfandsammler, Spätiverkäufer und weitere, sind die Helden oder zumindest Protagonisten in diesem Werk, das gerade für junge, urbane Leser nicht immer bequeme Fragen aufwirft.
Thorsten Nagelschmidt, Arbeit*, Gebundene Ausgabe, S. Fischer, 336 Seiten, VÖ: 29.4.2020

Entwicklungsromane 2020

Jasmin Schreiber | Marianengraben | Februar

„Marianengraben“ ist ein Buch über den Tod. Beziehungsweise den Umgang damit. Beziehungsweise den ungesunden Umgang damit. Paulas Welt zerbricht, als ihr kleiner Bruder Tim bei einem Unfall stirbt und sie in eine Depression fällt. Erst die Begegnung mit einem älteren Herrn namens Helmut bewegt etwas in ihr. Und ganz real bewegen die beiden sich dann, indem sie sich auf eine Reise begeben – im tatsächlichen und im übergeordneten Sinne. Jasmin Schreiber, die sich selbst ehrenamtlich in der Sterbebegleitung engagiert, nähert sich der Thematik Sterben und Depression ohne Kitsch oder Verklärung. Das Romandebüt 2020.
Jasmin Schreiber, Marianengraben*, Gebundene Ausgabe, Eichborn, 254 Seiten, VÖ: 28.2.2020

Meena Kandasamy | Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau | März

Schon der Titel von Meena Kandasamys Roman „Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau“ lässt erahnen, dass es sich dabei nicht um leichte Kost handelt. Die indische Autorin verarbeitet in dem Roman eine von Gewalt geprägte Beziehung. Dabei wandert die Erzählung von außen nach innen. Wird zunächst noch aus Sicht der Eltern geschildert, eignet sich die Ich-Erzählerin schließlich die Erzählung selbst an und gewinnt damit die Hoheit über sich selbst, über ihren Körper zurück. Kein einfacher, aber ein wichtiger Roman, der bereits mit Auszeichnungen (Guardian, Daily Telegraph, Observer) überhäuft wurde.
Meena Kandasamy, Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau*, Gebundene Ausgabe, Culture Books, 264 Seiten, VÖ: 23.3.2020

Karosh Taha | Im Bauch der Königin | April

Nach ihrem eindrucksvollen Debüt „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ legt Karosh Taha mit „Im Bauch der Königin“ nach. Darin erzählt die Autorin die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Shahira, die mit ihrem eigenwilligen Wesen, dem offenen Umgang mit ihrer Sexualität und ihrer Kompromisslosigkeit ihre kurdische Community gleichzeitig fasziniert und verstört. Taha legt dabei keine stringente Erzählung vor, sondern die jeweiligen Perspektiven der Freunde ihres Sohnes Younes, Amal und Raffiq. Der zweigleisigen Erzählweise entsprechend ist der Roman als Wendebuch entworfen, das von beiden Seiten gelesen werden kann (Nimm das, E-Book!). Eine eindeutige Lesart, die eine Wahrheit, gibt es nicht.
Karosh Taha, Im Bauch der Königin*, Gebundene Ausgabe, DuMont, 250 Seiten, VÖ: 29.4.2020

Sachbücher 2020

Sibylle Berg | Nerds retten die Welt | März

Die fantastische Sibylle Berg hat 2019 mit „GRM“ einen dystopischen Zukunftsentwurf vorgelegt, der angesichts einiger aktueller Entwicklungen gar nicht so weit hergeholt ist. Kein Wunder, hat die Autorin doch nicht einfach drauf losgeschrieben, sondern Gespräche mit allerlei Experten aus den Feldern Politik, IT, Soziologie, Psychologie, Biologie, Wirtschaft und dergleichen geführt, auf deren Basis sie den Roman verfasst hat. Diese Gespräche werden nun unter dem Titel „Nerds retten die Welt“ veröffentlicht. Ob das jetzt weniger Bauchschmerzen verursacht oder mehr, das müsst ihr wohl selbst beurteilen. Lesenswert ist diese Interview-Sammlung allemal.
Sibylle Berg, Nerds retten die Welt*, Gebundene Ausgabe, KiWi, 336 Seiten, VÖ: 5.3.2020

Thomas Piketty | Kapital und Ideologie | März

Mit „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ gelang dem französischen Ökonomen Thomas Piketty 2013 eine wuchtige Analyse der letzten 300 Jahre globaler Finanzgeschichte und ihren Auswirkungen auf die heutige globale Gemeinschaft. Sieben Jahre später folgt mit „Kapital und Ideologie“ der Nachfolger des Wälzers, der ebenfalls mit gut 1300 Seiten zu Buche schlägt und den Blick auf die Finanzwelt des Hier und Jetzt wirft, mit allen Problemen, Krisen und Ungerechtigkeiten. „Wirtschaftsanalyse“, mag man sich da denken, „ist sicher ein ziemlich trockenes Thema.“ Keine Frage, ganz ohne Zahlenliebe ist dieses Buch sicher nicht zu bewältigen. Gleichzeitig bekommt man eine derart umfassende Analyse wohl sonst kaum so „kurz“, ist das Thema doch wahnsinnig komplex. Und schließlich betrifft es einen jeden Einzelnen von uns.
Thomas Piketty, Kapital und Ideologie*, Gebundene Ausgabe, C. H. Beck, 1312 Seiten, VÖ: 11.3.2020

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