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Diese Speisepilze bringt der Herbst ins Revier

Fotos (4): Hans-Jürgen Schäfer
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Hans-Jürgen Schäfer vom Arbeitskreis Pilzkunde Ruhr ist Experte für heimische Arten und ausgewiesener Pilzsachverständiger. Wenn jemand mit Magenkrämpfen im Krankenhaus liegt, hilft er bei der Artbestimmung. Doch keine Panik, meint der Essener: Mit der richtigen Vorbereitung können auch Anfänger unfallfrei auf Sammeltour gehen

Wo kann ich im Ruhrgebiet Pilze sammeln?“ Auf diese Frage antwortet Hans-Jürgen Schäfer vom Arbeitskreis Pilzkunde Ruhr am liebsten: „Bleiben Sie erst mal zu Hause!“ Denn wer sich vorher nicht informiert, meint er, werde in der Natur schnell Schiffbruch erleiden. Die Masse an wilden Pilzarten sei für Anfänger schlicht überfordernd. Heißt: Nur wer sich ein bisschen auskennt, hat auch Spaß am Suchen und Sammeln. Mit etwas Vorbereitung ist es aber gar nicht so schwer, Speisepilze und ihre giftigen Verwandten auseinanderzuhalten. (Nützlich: auf der Internetseite der Giftzentrale Bonn, gizbonn.de, sind Speisepilze und Doppelgänger gelistet. Unter 0228/19240 kann man hier auch im Vergiftungs-Notfall anrufen und sich zu einem Pilzsachverständigen weiterleiten lassen.)

Damit die erste Pilztour unfallfrei vonstattengeht, hat Schäfer ein paar Tipps für Anfänger. Zunächst einige Regeln: In ausgewiesenen Naturschutzgebieten ist es verboten, die Wege zu verlassen. Das ist insbesondere in Pilzgebieten wichtig: „Denn das Betreten des Waldbodens kann dazu führen, dass bestimmte Arten gar nicht erst erscheinen.“ Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz ist es erlaubt, Beeren und Pilze in frei zugänglichen Wäldern zu sammeln – aber nur in haushaltsüblichen Mengen. Schäfer rät, sich zunächst auf einige wenige Arten zu spezialisieren (siehe Beispiele im Infokasten), daraus einen kleinen Katalog anzulegen und nach genau diesen Ausschau zu halten. „So findet man durchaus gute Speisepilze in der Region.“ Pilze, die nicht eindeutig als essbar zu identifizieren sind, sollte man stehen lassen, um die Natur nicht unnötig zu beschädigen.

Essbare Fundstücke schmecken am besten, wenn man sie mit etwas Butter und Zwiebeln in der Pfanne gut durchbrät und mit Beilagen wie Salat oder Gemüse oder einfach mit einer Scheibe Brot und Petersilie serviert – so kommt der feine Pilzgeschmack am besten zur Geltung. Manche Pilze sind roh giftig, werden durch das Braten aber bekömmlich. Gesammelte Pilze sollte man kühl lagern und zügig verarbeiten. Vom Waschen rät Schäfer ab, da sich die Pilze dann mit Wasser vollsaugen. Schmutzige Stellen sollte man lieber abschneiden.

Der Arbeitskreis Pilzkunde Ruhr, zu dem Schäfer seit vielen Jahren gehört, hat sich vor 36 Jahren in Herne gegründet. Die Mitglieder gehen regelmäßig auf Exkursion – hier kann sich übrigens jeder anschließen – und veröffentlichen Fundlisten auf ihrer Internetseite. Über essbare Arten sind die Experten jedoch lange hinaus. Schäfer gibt schon lange keine VHS-Kurse zur Speisepilzbestimmung mehr, sondern interessiert sich heute am meisten für unbekannte und mikroskopisch kleine Arten, die mit einem Champignon nur noch wenig gemeinsam haben. Um einen seltenen Pilz zu sehen, fährt er mit seiner Frau auch gerne bis in die Eifel. Mit Botanik hatte er beruflich übrigens nie zu tun. Über Pilze kann man ihn trotzdem fast alles fragen.

Pilzausstellung in Herne
Einmal im Jahr lädt der Verein in Herne zur Pilzausstellung ein – bei der Gelegenheit können Hobbysammler auch ihre noch zu bestimmenden Fundstücke mitbringen. Infos und Termine unter:

Vorweg: Für viele Pilze gibt es mehrere deutsche Namen, allerdings immer nur einen botanischen. Im Zweifelsfall hilft Google.

Mai-Ritterling 
Wächst bei günstigen Bedingungen im Frühjahr. Er hat einen giftigen Doppelgänger: den ziegelroten Ristpilz. Unterscheidbar durch die Farbe ihres Sporenpulvers, das beim Mai-Ritterling schneeweiß ist, beim Ristpilz bräunlich. Auch verströmt das Original einen deutlichen Mehlgeruch.

Schopftintling
Auch Spargelpilz genannt, wächst auf Wiesen, an Wald- und Wegrändern. Nur essbar, solange das Fleisch noch weiß ist. Kein Doppelgänger.

Birkenpilze 
Hier gibt es mehrere, sehr ähnliche Arten, die in Gärten, Parks und im Wald vorkommen – überall da, wo Birken wachsen. Je nach Witterung von Sommer bis Herbst, Verwechslungen sind aufgrund der eindeutigen Röhrlings-Form und dem Standort in Birkennähe unwahrscheinlich.

Marone
Ein guter, häufiger Speisepilz, der im Herbst in Nadelwäldern vorkommt. Identifizierungshilfe: Verfärbt sich bei Berührung blau!

Parasol
Typischer Herbstpilz und hervorragender Speisepilz. Zu finden in Wäldern und auf Lichtungen, der markante Hut kann suppentellergroß werden.

Riesenbovist
Ein Exot: Die leuchtend weißen, oft mehr als fußballgroßen Exemplare wachsen vor allem auf ländlichen Wiesen. Aufgrund der Größe unverwechselbar, im Volksmund „Beamtenkotelett“: Kann in Scheiben geschnitten zubereitet werden wie ein Schnitzel.
Das Ruhrgebiet ist im Vergleich zu süddeutschen Gebieten zwar eher pilzarm, mit ein bisschen Fachkenntnis kann man aber trotzdem fündig werden. Gute Aussichten auf Erfolg hat man zum Beispiel in der Hohe Mark im nördlichen Ruhrgebiet und in den stark bewaldeten Ruhrhöhen in Duisburg, Mülheim, Essen und Bochum.

Pilze brauchen bestimmte Witterungsverhältnisse, Winter und Frühjahr bestimmen das Pilzjahr. Trockenheit hemmt das Pilzwachstum, viel Schnee im Winter begünstigt dagegen das Erscheinen einiger Pilze schon im Frühjahr. Hauptsaison fürs Pilzesammeln ist allerdings der Herbst.

Schäfer empfiehlt das „BLV-Handbuch Pilze“ von Ewald Gerhardt mit etwa 600 Arten, guten Abbildungen und Beschreibungen. Grundsätzlich gilt: unbedingt aktuelle Bücher verwenden! Ältere Auflagen enthalten schlimmstenfalls Arten, die sich inzwischen als giftig herausgestellt haben. Eine zuverlässige Pilz-Bestimmung-App gibt es bisher leider nicht.

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