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Pilze sammeln im Ruhrgebiet: Das solltest du beachten

Foto: Sandis Helvigs

Alle Jahre wieder entfacht im Herbst die Sammelleidenschaft. Nicht für Schuhe oder für Pokémons, nein, alles dreht sich um Pilze. Getreu dem Motto: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“, geht es darum, die richtige Wahl zu treffen, wenn man in der Natur Pilze sammelt. Supermarkt kann ja jeder! Damit du später kulinarisch auftrumpfen kannst, gibt es hier Tipps rund um das Thema Pilze sammeln.

Die Witterungsverhältnisse sind entscheidend für ein Pilzjahr. Durch den diesjährigen trockenen und heißen Sommer ist das Pilzwachstum gehemmt. Der Herbst als Hauptsaison sieht daher nicht gut aus, aber es ist noch nichts verloren. Andreas Kunze von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sagt: “Der Pilzaspekt ist verhalten, insbesondere im Vergleich zum sehr guten Vorjahr. An feuchteren Stellen kann derzeit noch mit Frischpilzen gerechnet werden. “Für die nächste Zeit ist Regen angesagt und die Temperaturen sollen in der Nacht über dem Gefrierpunkt liegen. Daher kann man mit gutem Gespür jetzt in der Spätsaison noch fündig werden. Zudem erzählt Kunze, finden sich selbst bei Frost die drei Winterpilze, Austern-Seitling, Judasohr und der Samtfußrübling. Hat man Erfolg beim Suchen, darf man es mit dem Sammeln aber auch nicht übertreiben. Denn in Nordrhein-Westfalen gibt es eine Freimenge, die sich je nach Region unterscheidet. Du solltest deinen Korb mit maximal einem Kilo Pilze befüllen. Stichwort Korb: Für Pilze ist er die perfekte Aufbewahrung. Gibt es nämlich keine Luftzufuhr, wie etwa in einer geschlossenen Plastiktüte, wird die Zersetzung gefördert.

Frische Pilze sollten sich knackig anfühlen und keine verfärbten oder schimmeligen Stellen haben. Außerdem werden sie kurz über dem Boden abgeschnitten. Bist du dir bei einem Pilz unsicher, drehe ihn vorsichtig zur Bestimmung aus dem Boden.

Du möchtest dir lieber eine Hilfestellung hinzuziehen? Hier wirst du beraten:

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Hier kannst du sammeln

Generell gibt es im deutschen Regelwald das klare Verbot, im Naturschutzgebiet Pilze zu sammeln – auch weil die Wege dort nicht verlassen werden dürfen. Dasselbe Verbot gilt für öffentliche Parks, Nationalparks und Flächen, die eingezäunt sind oder auf denen Holz geschlagen wird. Übrig bleiben demnach folgende Gebiete im Ruhrpott und der Umgebung, wo du fündig werden kannst.

  • Oberhausen: Sterkrader Wald
  • Bottrop: Kirchheller Heide
  • Dortmund: Aplerbecker Wald und das Gebiet um die Syburg
  • Bochum: Weitmarer Holz, Berghofer Holz, Lottental beziehungsweise Kalwes
  • Castrop-Rauxel: Grutholz
  • Schwerte: Ergster Wald und die Wälder im Wannebachtal
  • Duisburg: Waldgebiete in Großenbaum oder an der Sechs-Seen-Platte, Rahmer Wald, Baerler Busch
  • Kreis Recklinghausen: Hohe Mark
  • Herten: Katzenbusch, Halde Hoppenbruch
  • Haltern: Haardt, Lippetal
  • Schermbeck: Dämmerwald
  • Krefeld: Hülser Berg
  • Wuppertal: Marscheider Wald
  • Kreis Recklinghausen: Waldgebiet bei Bergkamen-Heil
  • Südholz bei Bönen
  • Hohe Mark im nördlichen Ruhrgebiet

Beliebte Pilzarten

Für Anfänger ist es nicht gerade leicht, den Überblick über alle Pilzarten zu wahren. Daher hier ein paar, die dir ins Auge springen könnten:

Steinpilz

Foto: Stefan Schweihofer

Ein Klassiker, der zwischen Spätsommer und Frühherbst Saison hat. Er wächst vorzugsweise in der Nähe von Eichen,  Kiefern und Fichten. Achtung: Der Gallenröhrling ist ein ungenießbarer Verwandter, der nicht giftig, aber gallenbitter schmeckt. Er kann heftige Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

Pfifferling

Foto: Gundula Vogel

Ebenfalls beliebt, kommt er in Laub- und Nadelwäldern vor. Er wird auch Eierschwamm oder Rehling genannt und ist an seiner markant gelben Farbe zu erkennen.

Austern-Seitling

Foto: H. Krisp

Erscheint nach den ersten kalten Tagen, ist daher häufig ab Mitte November an abgestorbenen oder noch lebenden Laubbäumen zu finden.

Judasohr

Foto: Thomas Pruß

Ist an seiner Form, einer Ohrmuschel ähnlich, leicht zu erkennen und das ganze Jahr hindurch zu haben. Frostfreie, feuchte Winter fördern ihn besonders zu Tage. Die Außenseite ist braun und gallertartig.

Samtfußrübling

Foto: dgfm

Im Spätherbst und Winter wächst er an toten und lebenden Stämmen von Laubholz, wie Buchen und Weiden. Honiggelb kommt er daher.

Schopftintling

Foto: Hans Braxmeier

Auch Spargelpilz genannt, wächst auf Wiesen, an Wald- und Wegrändern. Nur essbar, solange das Fleisch noch weiß ist. Der klassische Doppelgänger des Schopf-Tintlings ist der Falten-Tintling, letzterer führt zusammen mit Alkoholgenuss (auch ein paar Tage zuvor oder danach) zu einer Vergiftung.

Birkenpilze

Foto: B. Schmidt

Hier gibt es mehrere, sehr ähnliche Arten, die in Gärten, Parks und im Wald vorkommen – überall dort, wo Birken wachsen. Je nach Witterung von Sommer bis Herbst zu finden. Verwechslungen sind aufgrund der eindeutigen Röhrlings-Form und dem Standort in Birkennähe unwahrscheinlich.

Marone

Foto: Jakob Strauß

Ein guter, häufiger Speisepilz, der im Herbst in Nadelwäldern vorkommt. Identifizierungshilfe: Verfärbt sich bei Berührung blau!

Parasol

Foto: H. Krisp

Typischer Herbstpilz und hervorragender Speisepilz. Zu finden in Wäldern und auf Lichtungen, der markante Hut kann suppentellergroß werden.

Riesenbovist

Foto: H. Krisp

Die leuchtend weißen, oft mehr als fußballgroßen Exemplare sind bei uns heimisch und wachsen vor allem auf ländlichen Wiesen. Aufgrund der Größe unverwechselbar, im Volksmund „Beamtenkotelett“: Kann in Scheiben geschnitten zubereitet werden wie ein Schnitzel.

Pilze zubereiten

Koch dir was Schönes! Am besten bereitest du deine Fundstücke frisch am Tag des Sammelns zu, denn roh sollten sie nicht gegessen werden. Hast du keine Zeit dafür, ist es ratsam die Pilze für den nächsten Tag zumindest kurz vorzugaren. Grundsätzlich sollten Pilze maximal einmal wieder aufgewärmt werden. Schaffst du auch das nicht, wäre einfrieren oder trocknen die Lösung. Vorher sind die Pilze gut abzubürsten, nur bei stark verschmutzten Härtefällen waschen. Empfehlenswert ist das nämlich nicht, weil Pilze sich mit Wasser vollsaugen und an Geschmack verlieren. Ganz puristisch schmecken sie meist am besten. Dazu einfach mit etwas Butter und Zwiebeln in der Pfanne anbraten. Beim Fett solltest du sparsam sein. Je mehr man zum Braten nutzt, desto schwerer verdaulich werden die Pilze für den Magen. Für eine Pilzsuppe könnte man stattdessen Speck mit anbraten, mit Brühe ablöschen und etwas Sahne dazu geben. Wie auch immer du es dir schmecken lässt, gut zu Kauen sollte nicht vergessen werden, denn die Zellwände der Pilze bestehen aus Chitin – dem Baustoff, aus dem Insektenpanzer bestehen. Kaust man dementsprechend nicht genug, liegt dir das Essen vermutlich schwer im Magen und die wertvollen Inhaltsstoffe werden dazu auch noch unverwertet ausgeschieden.

Hilfreiche Tipps & Links

Wer bei der Pilzsuche unsicher ist, kann Hilfsmittel wie Apps oder Bücher zur Bestimmung nutzen. Verlassen sollte man sich darauf besonders als Anfänger jedoch nicht. Experten aus örtlichen Pilz- und Naturvereinen vermitteln bei Führungen und auf Exkursionen ihr Wissen. Als Ausflugsziel eignet sich übrigens das Pilzkundemuseum in Bad Laasphe besonders, da es dir als wohl einziges Museum in NRW einen umfassenden Überblick über den heimischen Pilzbestand bietet. Oder schau alternativ bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. nach einem Pilzsachverständigen in deiner Nähe. Experten können dir dabei helfen, deinen Fund an Pilzen zu bestimmen und klären die Frage, ob diese zum Verzehr geeignet sind. Und keine Angst, hier hast du es mit Profis zu tun. Denn Pilzsachverständige sind von der DGfM geprüfte Pilzkenner und beraten sogar Kliniken in Fragen der Giftigkeit.

Weiter Informationen erhälst du hier:

Verhalten im Notfall

Wenn es zu einem Vergiftungs-Notfall kommt, sollte umgehend der Hausarzt oder, in einem besonders schweren Fall, ein Krankenhaus aufgesucht werden. Eine Giftnotrufzentrale ist 24 Stunden, kostenlos unter 0228/19240 erreichbar. Außerdem ist es wichtig, eventuelle Reste (Pilzabfall, zubereitete Pilze oder gar – klingt unangenehm aber so ist es – Erbrochenes) aufzubewahren, damit Experten diese untersuchen können.

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