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Der perfekte Ruhrlaubstag: Unterwegs im hohen Norden

Foto: Nils Hofmann
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Urlaub ist im Corona-Sommer 2020 so eine Sache. Statt sich lange mit den Beschränkungen und Vorschriften für Reisen ins Ausland rumzuschlagen, empfehlen wir den Urlaub in der Region. Denn in allen vier Himmelsrichtungen des Ruhrgebiets finden sich fantastische Ziele zwischen hinreißender Natur und charaktervoller Industriekultur. Lukas Vering ist immer entlang des Wassers in den Norden des Ruhrpotts gereist. Lest hier von seinen Erlebnissen.

Für Menschen aus dem Kern des Potts, damit soll der Städtegürtel entlang der A40 von Dortmund bis Duisburg gemeint sein, ist alles nördlich von Gelsenkirchen nicht selten fremdes Land. Doch: „Fremde Erde ist nur fremd, wenn der Fremde sie nicht kennt“, sang ja schon Disneys Pocahontas einst in weisen Versen. Darum führt mich mein Ruhrlaubstag vom Schiffshebewerk Waltrop über den weltweit größten Kanalknotenpunkt Datteln bis zum Halterner Stausee. Mit so viel nördlichem Gewässer dürfte auch jede Lust nach Nordsee gestillt werden.

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Start am Schiffshebewerk Henrichenburg

Das alte Schiffshebewerk | Foto: Nils Hofmann

Auftakt meiner Route ist das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop. Die folgende Strecke ist übrigens perfekt für eine locker machbare Radtour ausgelegt, vom Start- bis Zielpunkt sind es etwa 28 Kilometer, für die man knapp zwei Stunden braucht. Rechnet man dazu all die spannenden Zwischenstopps und die Rundreise zurück zum Ausgangspunkt (oder die Rückreise per Bahn von Haltern aus) füllt sich der Ruhrlaubstag wie von selbst. Aber jetzt erst mal ab aufs Schiff. In den Gewässern rund ums Schiffshebewerk liegen nämlich historische Boote, die auch besucht werden können. Unter Deck von „Franz-Christian“ etwa erfährt man Überraschendes aus dem Leben einer Binnenschiffer-Familie. Im Hafengebäude sind aktuell noch bis zum 4.10. beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotografien von Josef Koudelka zu sehen, die die Brutalität von Industrielandschaften illustrieren. Insgesamt kann man auf dem Gelände rund um das Schiffshebewerk gut und gerne zwei, drei Stunden verbringen. Und dabei einiges an nautischem Wissen abgreifen, das im Verlauf des Tages sicher noch mal ausgepackt werden kann. Den schönsten Ausblick hat man übrigens vom Leitstand, auf den man über eine enge Wendeltreppe gelangt.

Aktuell gehört zu jedem Urlaubstag auch die Gesichtsmaske | Foto: Nils Hofmann
Unter Deck | Foto: Nils Hofmann

Anschließend bietet sich eine Mittagspause an. Direkt am Schiffshebewerk finden sich ein Café und ein Gastrobus. Wer es uriger mag, kann wenige Kilometer weiter in die Bauernstube von Hof Niermann einkehren und für die ganz breite Auswahl lässt sich auch ein Abstecher in die Waltroper Innenstadt einplanen. Auf meiner Tour gab es hier ein kleines Picknick im Moselbachpark. Der beherbergt dieses Jahr zwar nicht das beliebte Waltroper Parkfest, bietet aber schöne Spazierwege und Picknickwiesen.

Ausflug zum Dattelner Meer

Am Dattelner Meer | Foto: Nils Hofmann

Nach der Mittagspause ruft das Meer. Das Dattelner Meer, um genau zu sein. Die Stadt rühmt sich mit dem Titel „Größter Kanalknotenpunkt der Welt“, der mehr oder weniger selbst verliehen wurde. Aber mal ehrlich: Laufen irgendwo mehr Kanäle zusammen? Eben. Am Dattelner Meer können Sportbegeisterte sich ins Kanu schwingen oder sich im Stand-up-Paddling üben, Kurse dazu findet sich hier. Oder man verweilt einfach, schaut den großen Schiffen und kleinen Booten bei der Durchreise zu, erquickt sich an Enten und Schwänen, erinnert sich an sein just erworbenes nautisches Fachwissen oder fotografiert die Dattelner Schleuse in der Ferne.

Besser als Selfies: Schwanenfamilien fotografieren | Foto: Nils Hofmann

Apropos Schleuse: Auf der nächsten Etappe, bei der man immer wassernah entlang des Kanals und durch idyllisches Land radelt, passiert man gleich mehrere davon: die Dattelner, die Ahsener und die Flaesheimer Schleuse. Kurz ranfahren und schauen, ob vielleicht gerade ein Schiff den Lift benutzt, muss drin sein – sieht man ja auch nicht alle Tage.

An der Schleuse in Flaesheim | Foto: Nils Hofmann

Zwischenstopp in der Westruper Heide

Foto: Nils Hofmann

Auch nicht alltäglich ist die Landschaft der Westruper Heide. Auf dem Parkplatz duftet es schon nach Kiefern und ihren harzigen Zapfen – ein Hauch Toskana, wenn man so will. Das größte Zwergstrauchheidegebiet Westfalens kurz vor Haltern lädt zum Zwischenstopp samt ausgiebigem Spaziergang ein. Denn in der fast unwirklichen Dünenlandschaft, die man hier zwischen Kanälen und Stauseen nicht erwarten würde, gibt es einiges zu entdecken. Bizarre Bäume, hügelige Ebenen, andersweltliche Flora und Fauna. Vom Ameisenlöwen bis zur Schlingnatter. Tipp: Im August (und September) blüht die Heide, dann überzieht das Terrain ein herrlicher, violetter Schimmer. Wer Glück hat, erwischt sogar eine rare Heidschnucke beim Grasen.

Ein bisschen lila lässt sich schon erahnen | Foto: Nils Hofmann
Foto: Nils Hofmann

Abschluss in Haltern am See

Beim Bootsverleih | Foto: Nils Hofmann

Der Tag neigt sich dem Ende zu und nach viel Radeln, Spazieren und Entdecken bieten sich im nun mehr unweiten Haltern mehrere Möglichkeiten. Wer noch Reserven hat, sollte unbedingt beim Bootsverleih Wigbert Meilenbrock ein Tret- oder Ruderboot leihen und sich in die sanften Wogen des Halterner Stausees wagen. Chilliger ist es natürlich, sich einfach mit nem Eis vom Kiosk ans Ufer zu chillen und anderen beim Wasseraufschlagen zuzusehen. Wenn da die Seele nicht zu baumeln beginnt…

See + Boot = Urlaub | Foto: Nils Hofmann

Zum Tagesabschluss geht es in eine der vielen Gastronomien rund um den Stausee. Auf dieser Route erreicht man am ehesten das Lake Side Inn. Im Ambiente einer amerikanischen Westernkneipe werden hier großzügige Portionen serviert, mit denen man jeden Bärenhunger zähmt. Und klar: Von der Terrasse sieht man natürlich ein Stück Halterner Stausee. Mit diesem letzten Blick aufs Wasser endet mein Ruhrlaubstag im Norden des Ruhrgebietes.

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Foto: Nils Hofmann
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