Musical-Hit: Interview mit „Bat out of Hell“-Star Rob Fowler

Falco (Rob Fowler) und Sloane entfernen sich beizeiten - nähern sich aber auch immer wieder an. Foto: Chris Davis Studio
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Jim Steinmans „Bat Out of Hell – The Musical“ kehrt nach Deutschland zurück – und ist erstmalig als englischsprachige Tournee-Produktion zu sehen. Vom 20.12.22 bis zum 4.1.23 schlüpft Rob Fowler im Capitol Theater Düsseldorf in die Rolle des tyrannischen, aber keinesfalls herzlosen Herrschers Falco, der seine Tochter vor dem Bösen schützen will – und vor dem Rebell, den sie liebt. Im Interview mit Sandra Heick spricht der Engländer über Frust, Tränen und seine große Liebe.

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„Bat out of Hell“ ist eine Achterbahn

Freust du dich auf Deutschland, Rob? Du hast ja viele Jahre deines Lebens hier verbracht, unter anderem in Berlin und Bochum.
Ich freue mich ja vor allem auf die Weihnachtsmärkte – die Deutschen geben schließlich 100 Prozent für Weihnachten. Und ich möchte auf jeden Fall immer einen Fuß in der Tür zur deutschen Musicalszene haben, weil Deutschland einfach einen Platz in meinem Herzen hat.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen der West End-Show und der Tourversion, die im Capitol Theater Düsseldorf zu sehen sein wird?
Die Tour-Version ist etwas gestrafft, sie ist schneller, eine Achterbahn mit einigen neuen Kurven drin. Im Grunde, das ist das Tolle, ist jede „Bat out of Hell“-Show anders als die vorige. Wir dürfen unsere eigene Version der Charaktere sein, die wir verkörpern und es macht großen Spaß, Abend für Abend auf die Ideen der anderen zu reagieren.

Der Bösewicht in „Bat out of Hell“ hat ein großes Herz

Wie gehst du eine Rolle wie die des Falco an?
Ganz am Anfang war da nur Papier – und niemand wusste, was draus wird. Die Macher erzählten uns, was sie sich von den Figuren vorgestellt haben: Sie sahen Falco vor allem als Diktator. Ich aber sah vor meinem inneren Auge auch seine liebende Seite. Ich wollte Wärme reinbringen, auch etwas von mir selbst als Vater, und ihn mehrdimensional darstellen. Falco sollte nicht schlicht der Bösewicht sein, vielmehr sollte das Publikum seine Motivation verstehen: Dass er seine Tochter vor einer Welt beschützen will, die für ihn voller Gefahr scheint. Der Falco, den das Publikum nun erlebt, ist zwar manchmal ein Arschloch – aber er hat ein großes Herz.

Falco und Sloane durchleben gute und schlechte Zeiten. Foto: Chris Davis Studio

War es schwer, den wahren Falco zu finden?
Oh ja. Wir haben drei Monate Workshop- und Probe- und Previewzeit gehabt und mit vielen Händen dran gefeilt. Während den Previews habe ich Falco dann wirklich kennengelernt. Und nun: Nun sehe ich in dem Buch, das andere Darsteller bekommen, viel von mir Kreiertes. Es ist toll: Ich weiß an vielen Stellen, warum dort steht, was dort steht. Die roten Tücher, die Falco am Ende trägt – die wollte ich zum Beispiel gerne als Hommage an Meat Loaf drin haben, dessen Markenzeichen ein rotes Tuch war.

Du spielst Falco seit 2017 – und bist der Figur treu.
Im Grunde ist es wie bei Harry Potter: Wenn du eine Rolle ausarbeitest, bist du ein bisschen wie Voldemort, der Teile seiner Seele in Horkruxe steckt, um dem Tod zu entfliehen. Du steckst einen Teil deiner Seele in die Figur. Und dann willst du ihren Weg natürlich begleiten, solange du kannst. Wie bei einem Kind. Ich habe wegen Falco ja auch viel Schweiß und Blut verloren. Und Tränen – viele Tränen.

Warum Tränen?
Mal war ich frustriert, wenn ich Erwartungen nicht erfüllen konnte, und mal total überwältigt – zum Beispiel, wenn ich mit den kreativen Köpfen hinter dem Werk zusammensaß und Magie schier greifbar war.

Ein großes Duett, das zu Tränen rührt

Besonders der Song „What Part of my Body hurts the most“ rührt viele Fans zu Tränen…
Ich habe meinen Freund Alex Melcher in Oberhausen zugeschaut, als er dort im einstigen Metronom Theater Falco verkörpert und den Song auf Deutsch gesungen hat. Die Emotionen von Falco und seiner Frau Sloane zu verfolgen, wie sie Leid und Liebe betrachten – das macht viel mit einem. Es zerfetzt einen immer wieder. Eine Ehre, dass Sharon und ich den Song damals mit Jim Steinman im Raum ausgearbeitet haben. Es war eigentlich ein männliches Solo, aber dann ist es zum großen Duett geworden. Wir waren „in the room where it happened“, wie es in „Hamilton“ so schön heißt.

Es ist aber nicht dein Lieblingssong des Musicals, oder?
Das ist definitiv „Out of the frying Pan“, der zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht.

Bei „Bat out of Hell“ die große Liebe gefunden

Sharon und du, ihr habt euch bei „Bat out of Hell“ kennen gelernt, und nicht nur auf der Bühne war da Liebe…
Wir haben uns bei den Proben kennengelernt – und dann ineinander verliebt. Das haben wir monatelang für uns behalten, weil wir kein Klischee sein und uns auf die Arbeit konzentrieren wollten – aber dann dachten wir uns: Das Leben ist zu kurz, um nicht zur Liebe zu stehen. Und nun haben wir uns und einen Sohn.

Wie ist das, die Familie immer dabei zu haben?
Es ist super. Es ist nicht für jeden was, aber für mich ist es perfekt, mit der Liebe meines Lebens auf der Bühne stehen zu dürfen mit der Arbeit, die ich liebe. Wir genießen den Auftritt zusammen – und dann gehen wir zusammen nach Hause.

Spielt das Musical zu Hause dann noch eine Rolle?
Nur eine kleine. Wir reden eigentlich immer sofort im Theater darüber, wenn es was zum Auftritt zu bereden gibt, und nach dem Abschminken ist anderes wichtiger. Das läuft dann eher „The Real Housewives of Beverly Hills“.

„Man fokussiert Gemeinsamkeiten. Das ist die Macht der Musik“

Und zwischen Abschminken und Fläschchengeben: Was für Rückmeldungen zum Musical bekommst du an der Stage Door?
Da war zum Beispiel ein Fan, der mir erzählt hat, wie nostalgisch ihn „Bat out of Hell“ gemacht hat. Zu Hause angekommen wollte er direkt etwas essen, das er als Kind gegessen hat. Und dann brachte er bei einem erneuten Musicalbesuch sein Kind mit und sagte ihm: „Schau auf die Bühne, so missverstanden habe ich mich in jungen Jahren gefühlt!“ Man fokussiert Gemeinsamkeiten. Das ist die Macht der Musik.

Wie schön es ist, dass mehrere Generationen mit ihren ganz eigenen Erfahrungen zusammenkommen – und einfach mal die Handys wegstecken, um voll und ganz in eine andere Welt einzutauchen. Das Musical hat die Kraft, sie von Alltag und Sorgen wegzubeamen. Ein Teil davon zu sein – das ist ein gutes Gefühl.

Tickets gibt es unter www.tickets-direkt.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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