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Zero Waste: Diese Bochumer leben müllfrei

Foto: Shia Su
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Seit September 2014 haben sich Shia Su und ihr Mann dazu entschlossen, Zero Waste zu leben. Das bedeutet unter anderem: verpackungsfrei einkaufen, Reinigungs- und Pflegeprodukte selbst herstellen, lieber mal Second-Hand-Kleidung als Neuware sowie die regelmäßige Frage: Wie groß ist für mich der Nutzen eines Produkts im Verhältnis zu dem angerichteten Schaden?

Wie viel Müll hast du heute schon produziert?
Wahrscheinlich gar keinen. Hoffentlich. Ich erinnere mich an nichts.

Wie groß war die Menge, bevor du nachhaltig gelebt hast?
Ziemlich normal. Vielleicht ein bisschen weniger, weil wir versucht haben darauf zu achten.

Kannst du Zahlen nennen?
Durchschnittlich, also die letzten Zahlen sind von 2012, waren es 611 Kilo pro Bundesbürger im Jahr. Das sind etwa 1,7 Kilo pro Tag. Schon eine ganze Menge!

Was war der Auslöser, ein „Wasteland Rebel“ zu werden?
Man lässt sich ja schnell einlullen, mit dem, was einem geboten wird und denkt, das ist das Ökologischste. Aber dann zu sehen, man kann tatsächlich noch weiter gehen wie „Ich muss das nicht kaufen“. Wenn die Gurke eingeschweißt ist, zwingt mich keiner, eine zu kaufen. Dann mache ich den Salat ohne Gurke, oder kaufe die Gurke woanders. Darauf bin ich durch einen Beitrag auf Facebook gekommen. In einer veganen Gruppe wurde ein Video von Béa Johnson aus Kalifornien geteilt, die Zero Waste begonnen hatte.

Musst du verzichten?
Gar nicht. Wir haben auch nie mit diesem Gedanken angefangen. Wir haben hier und da geschaut, wie weit wir kommen. Wir dachten auch, irgendwo sind Grenzen und sind überrascht, dass wir diese Grenzen immer noch nicht erreicht haben. Das ist das Spannende dabei.

Was bedeutet dein Lebensstil für dich?
Ich finde, wir Leben luxuriöser als vorher. Luxus, weil wir nur noch bio kaufen. Wir müssen weniger arbeiten, denn man braucht weniger Geld. Was auch, finde ich, Luxus ist, also Zeit zu haben. Und es ist Luxus in dem Sinne, weil sich bei mir körperlich einiges getan hat. Ich habe Neurodermitis und allergisches Asthma – und das ist alles weg. Das finde ich befreiend.

Heute muss alles flexibel, immer verfügbar sein. Wie gehst du damit um?
Ich habe immer meinen Rucksack oder meine Tasche dabei und da ist alles drin. Das heißt, ich habe einen sauberen Beutel, womit ich mir unterwegs problemlos Essen kaufen kann. Manchmal habe ich noch eine Edelstahlbrotdose dabei, damit könnte ich mir unterwegs auch eine Pommes kaufen, was ich aber seltsamerweise gar nicht mehr mache. Unterwegs Kaffee zu kaufen, mache ich eigentlich nicht mehr. Ich nehme mir inzwischen echt gerne die kleine Auszeit, mich hinzusetzen und den Kaffee vor Ort zu trinken. Und wenn ich weiß, ich komme in typische Situationen, in denen ich einen Kaffee kaufe, dann nehme ich mir einen Bescher mit.

Wie sehen die Reaktionen aus?
Coffee-to-go-Becher kennt jeder. Da gibt es keine Probleme. Wenn die Leute das überhaupt kommentieren, dann sehr, sehr positiv. Gerade in kleineren Geschäften, wo der Chef noch selbst hinter dem Tresen steht. Denn der weiß, was all die Becher kosten. Und das Brot lassen wir uns rüberreichen und packen es in unseren Brotbeutel. Es wird erstaunlich wenig darauf reagiert.

Gibt es im Alltag immer noch Herausforderungen?
Ja. Über Make-up habe ich mir lange Gedanken gemacht. Ich habe aber viele Rezepte zum Selbermachen gefunden, die ich ausprobieren möchte. Grenzen sind: Haare färben. Ich färbe so selten wie möglich nach und bespreche auch mit den Frisören, wie man das am müllärmsten machen kann. Oder medizinische Sachen: Ich habe mir Neujahr fast die Fingerkuppe abgeschnitten. Ich war in einer überfüllten Notaufnahme und wurde dort verarztet, da ich einen Verband gebraucht habe. Es gibt Sachen, bei denen man Müll nicht vermeiden kann. Aber das finde ich auch in Ordnung, es geht ja schließlich nicht um Selbstgeißelung.

Warum Zero Waste und nicht freegan, also unabhängig vom Konsum?
Wir wollen Nachfrage generieren. Wenn man sich zurückzieht, ist man für das System nicht mehr interessant. Man ist kein Konsument und man hat nichts mehr, womit man abstimmen kann. Mit dem Zero-Waste-Ansatz können wir auch die ökologische Landwirtschaft unterstützen. Damit ein Weg frei gemacht wird.

Ein Einsteiger-Tipp für alle, die an ihrem Verhalten etwas ändern möchten.
Anfangen! Es ist viel getan, hier und da zu reduzieren und dort anzufangen, wo es einem nicht wehtut. Wenn man darauf achtet, gibt es so viele Stellen. Man hat für viele Sachen nicht mehr gelernt, dass es ein Maß gibt. Und wenn im Bad weniger rumsteht, wird man das sehr angenehm finden.

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