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Straßenmusik: Eine unterschätzte Kunst

Foto: privat
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Oft übersehen, schnell übergangen und viel zu wenig wertgeschätzt: Dabei besitzt Straßenmusik die Kraft, aus einer schnöden Fußgängerzone ein lebendiges Stück Stadt zu machen. Das findet zumindest Musiker Danny Menges. Im Gespräch mit Lukas Vering erklärt er, warum Straßenmusik eine Bereicherung für jedes Viertel ist, warum sie genauso kulturell wertvoll ist, wie Schauspielhaus und Musikforum und wieso seiner Kunstform momentan von politischer Seite die Spontanität gestohlen wird.
Seit guten acht Jahren ist Danny Menges mit Gitarre, Stimme und Leidenschaft als Musiker auf den Straßen Bochums, der Umgebung und der Welt unterwegs. „Ich hab schon immer gerne Musik gemacht und irgendwann, als ich die Leute auf der Straße spielen sah, wollte ich das einfach mal ausprobieren.“ Seitdem spielt er hauptsächlich Reggae, teils eigene Songs, teils Cover, wenn es passt, unterstützt er sich selbst dabei mit der Darbuka, einer orientalischen Bechertrommel. „Für die Trommel muss ich sitzen, deswegen ist mein Lieblingsspot in Bochum die Bank auf der Kortumstraße bei Saturn.“ Bei schlechtem Wetter geht es in die überdachte Passage zwischen Citypoint und Drehscheibe und auch im Bermuda3eck spielt Danny des Öfteren. „Im Bermuda ist das Publikum natürlich etwas anders, vor allem, wenn man Freitagabend spielt. Da wollen die Leute auch mal mitsingen. Das ist okay, so lange sie sich nicht zum hundertsten Mal ‚Wonderwall‘ wünschen…“
Die Straße als Bühne zu nutzen, ist für Danny eine absolut bewusste Entscheidung. Er spielt zwar auch auf Konzertbühnen, findet aber in der Straßenmusik ganz andere Möglichkeiten, Menschen zu berühren. „Die schönsten Momente sind die, in denen man merkt, dass die Musik jemandem nah geht. Momente, in denen die Leute nicht nur vorbeigehen, sondern stehen bleiben, zusehen, auf mich zukommen und einfach was Nettes sagen. Das ist besser als Geld!“ Der Straßenmusik rechnet Danny zudem einen hohen kulturellen Stellenwert zu. „Straßenmusik ist genauso Kunst und Kultur, wie Schauspielhaus und Musikforum. Es ist halt nur eine andere Form – und zudem eine, die für alle zugängig ist. Auch für die, die es sich nicht leisten können.“ Für den Musiker belebt die ungebundene Kunstform das Straßenbild. „Wenn man durch die Stadt läuft, ist es einfach schön, wenn gut gemachte Musik in der Luft liegt. Oder schlechte, Hauptsache sie ist live und leidenschaftlich. Das ist tausendmal besser als zum tausendsten Mal mit Charthits aus dem nächsten Pieper zugedröhnt zu werden.“
Kein leichter Stand
Dass seiner Kunst von politischer Seite aus nun in Form einer Gebührenanhebung die Spontanität genommen wird, kann Danny nicht verstehen. „Als Straßenmusiker muss man sich anmelden, letztes Jahr kostete das noch 5 Euro pro Tag, jetzt wurde der Rahmen auf 25 bis 200 Euro angehoben.“ Die Stadt Bochum hat nun ein Modell, bei dem Musiker sich für 25 Euro an fünf Tagen im Monat auf die Straße stellen dürfen. „Es macht überhaupt keinen Sinn, vorab schon fünf Daten im Monat festzulegen – wer weiß denn, wie da das Wetter wird? Oder ob man krank wird? Straßenmusik lebt doch von Spontanität!“ Woher die neue Verordnung kommt, konnte er bisher nicht herausfinden. Die Stadt Bochum verwies auf seine Nachfrage hin auf eine Verordnung der Landesregierung. Deren Pressestelle wiederum wies auf Anfrage der Redaktion darauf hin, dass solche Regelungen unter die kommunale Selbstverwaltung fielen. Eine finale Auflösung konnte bis Redaktionsschluss (13.4.) nicht gefunden werden. Danny ärgert sich darüber: „Pro Tag werden in Bochum sowieso nur drei Genehmigungen ausgestellt und man darf nur eine halbe Stunde an einem Fleck spielen und muss dann weiterziehen. Für mich klingt es so, als wolle man hier eine Hürde bauen, um Straßenmusik zu verhindern…“
Bei seinen Reisen als Straßenmusiker ins Ausland erlebte er andere Reaktionen. „Ich war zwei Jahre lang unterwegs, von Osteuropa über den Balkan bis England, und habe da nur von der Musik gelebt. Je weiter man nach Osten kommt, desto offener sind die Leute für Straßenmusik. Da bleibt öfter jemand stehen, tanzt, macht mit. Auch die Gastfreundlichkeit ist überwältigend. Meistens kümmert sich offiziell niemand um Regelungen, es gibt aber auch viel korrupte Polizei.“ Trotz politisch installierter Barrieren will Danny auch in Bochums Zentrum weiter für musikalischen Sonnenschein sorgen.

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