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Liebe, Leib und Politik: Funny van Dannen im Interview

Foto: Jaro Suffner

Ursprünglich wollte Funny van Dannen Maler werden. Dass der große Erfolg ausblieb und er seither seine Lieder durch die Lande trägt, freut zahlreiche Zuhörer – und Musiker. Udo Lindenberg coverte seinen Song „Nana Mouskouri“ und den Toten Hosen schrieb er Hits. Mit „Alles gut Motherfucker“ veröffentlichte der Musiker und vierfache Famlilienvater im vergangenen Jahr seine 16. CD. Worum es darauf geht, wieso Menschen gehuldigt werden sollten statt Religionen und welche Rolle Poesiealben für die Entstehung seiner Songs spielen, hat uns der 60-Jährige im Interview verraten.

Auf deiner neuen CD „Alles gut Motherfucker“ singst du „Ich bin am liebsten superglücklich“. Hast du ein Geheimrezept?

Na ja, das Geheimrezept ist wahrscheinlich Gesundheit. Das ist nicht so geheim. Wenn man gesund und munter ist, ist das schon mal eine gute Voraussetzung glücklich zu sein.

Lässt sich der Wahnsinn unserer Zeit eigentlich nur mit einer Portion Ignoranz ertragen?

Ja, eine gewisse Dosis Ignoranz ist sicherlich hilfreich. Wenn man sich alles Mögliche reinzieht, ist das nicht zu verkraften. Man sollte dosieren, was man so an Wirklichkeit reinlässt.

Du lebst konsequenterweise ohne Handy und Computer und deine Familie vermittelt. Das hilft?

Da habe ich natürlich Glück. Wenn es nicht die Familie gäbe, wäre ich ja gezwungen. Mittlerweile ist es ganz schwierig, mit der Außenwelt ohne Internet zu kommunizieren. Ich habe Festnetz, ich bin nicht ganz von der Welt abgeschnitten.

Du hast vor dem Abi die Schule geschmissen, nie in deinem Beruf als Grafikdesigner gearbeitet und beschreibst dich als „widerwilligen Prominenten“. Wie zuträglich ist es dem Glück, sein eigenes Ding zu machen?

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man nicht allzu viele Sachen macht, die man eigentlich nicht machen möchte. Und Sachen sein zu lassen, die einem nicht gut tun. Ich hab mich nie so in die Öffentlichkeit gedrängt, weil das nicht in meinem Naturell liegt. Ich stehe ab und zu gerne auf der Bühne und singe meine Lieder. Aber das hätte ich nicht so oft machen sollen, glaube ich. Ich bin eigentlich ein schüchterner Mensch und es kostet mich schon immer Energie, so einen Auftritt zu schaffen.

Wie ist es für dich, wenn Menschen deine Lieder mitsingen?

Es kann anstrengend, aber auch schön sein. Es gibt manchmal richtig magische Momente. In Innsbruck gab es mal einen Moment, da hatte ich immer so eine zweite Stimme im Ohr. Ich habe gedacht, vielleicht ist das Mikro kaputt. Dann habe ich nach zwei, drei Songs mitgekriegt: Da war eine Gruppe von sieben, acht Frauen, die sangen wirklich alle Lieder und Texte mit. Das war total toll. Als hätte ich einen Chor dabei. Es ist generell toll, wenn Leute die Lieder singen. Deshalb habe ich auch alles ins Netz gestellt mit Akkord-Angaben.

Welche Themen beschäftigen dich am meisten?

Eigentlich alles. Aber Liebe, Leib und Politik natürlich immer. (lacht) Im Prinzip Gott und die Welt. Auf der neuen Platte gibt es ja das Lied „Immer diese Religionen“, in dem ich mich gegen diesen religiösen Fanatismus wende. Andererseits bin ich aber katholisch erzogen, ich habe einen religiösen Hintergrund. Den nimmt man auch sein Leben lang mit.

Erstaunlich, dass der Papst noch lebt und dass sie ihn noch nicht vergiftet haben.

Du bist ausgetreten, richtig?

Ja. Wenn eine Kirche die Menschen verbindet und Frieden stiftet, das ist in Ordnung. Wenn es diktatorisch wird, wenn in das Leben von Menschen ungut eingegriffen wird, dann bin ich gegen Kirche. Nicht grundsätzlich. Der jetzige Papst zum Beispiel, finde ich, ist ein Segen. Er ist sicher nicht ohne Fehler, aber ich finde, was er macht, hat mit der ursprünglichen Idee des Christentums viel mehr zu tun als das, was viele seiner Vorläufer da auf die Beine gestellt haben.

Ein angenehmer Querulant?

Ja. Erstaunlich, dass er noch lebt und dass sie ihn noch nicht vergiftet haben.

Du lobpreist also eher den Menschen als die Religion?

Ja. Man sollte sich an den Menschen orientieren und nicht an irgendeinem Gottesbild, das den Menschen einengt. Und, wie zum Beispiel bei der Homosexualität, seine Eigenschaften leugnet. Wenn man den Menschen als etwas Wertvolles begreift, leitet sich daraus natürlich auch eine politische Haltung ab. Zum Beispiel, dass man nicht sagt, die Leute, die nichts haben, sollen bleiben wo der Pfeffer wächst. Sondern, dass man ein Verständnis dafür hat, dass Menschen, denen es in ihren Ländern dreckig geht, den Drang haben, zu flüchten und woanders ein angenehmeres Leben zu finden. Dazu gehört, mit den Menschen vernünftig umzugehen und Lösungen zu finden, die nicht auf Abschottung abzielen. Es ist keinem geholfen, wenn alles unorganisiert passiert. Das sind Sachen, die die Politik versäumt hat. 2015 kamen ein bisschen viele Leute auf einmal rein und das gab Probleme. Es war aber abzusehen, dass mal Leute kommen würden. Da hat man dann die heftigen Reaktionen abgekriegt. Hauptsächlich, denke ich aber, von Leuten, die schon ausländerfeindlich eingestellt waren. Sonst kann man sich die Heftigkeit und Ablehnung ja nicht erklären, wenn Leute kommen, die zum großen Teil Bedürftige sind.

Da gibst du mit dem Song „Jemand blutet“ ja auch ein klares Statement auf der CD ab, sogar ein bisschen brutal…

Ja, das ist dann die Brutalität, die diese Leute haben. Das spiegle ich nur. Ich finde, das ist in dem Moment auch angebracht, weil man diese Leute sowieso nicht mehr durch Reden und Argumente erreicht, sondern da muss ganz klar dann Kante gezeigt werden und der Staat muss dann auch mit Gewalt antworten auf solche Vorgänge.

Neben der CD hast du ein Buch mit dem Titel „Die weitreichenden Folgen des Fleischkonsums“ veröffentlicht. Hast du es mal vegetarisch versucht?

Ne. Ich hab zu den Kindern gesagt, wenn ihr mir einen Koch bezahlt, der vegan kocht, werde ich auch Veganer. In meinem Alter kann ich mich echt nicht mehr umstellen. Aber ich kann es gut verstehen, wenn man sieht, wie die Tiere massakriert werden. Mit der Ferkelkastration, diese Schweinerei, die immer noch nicht aufhört und dann stellt sich die Landwirtschaftsministerin wieder hin und stellt ihre tolle Errungenschaft dar. Dabei läuft es einfach immer weiter. Ich kann gut verstehen, wenn Leute da nicht mitmachen. Aber so konsequent bin ich leider nicht.

Deine Texte werden oftmals als einfach beschrieben. Wie würdest du das sehen?

Das ist mein Anspruch. So einfach und so klar wie möglich. Aber auch so genau wie nötig. Ich möchte nicht, dass das auf Kosten der Wirklichkeitsnähe oder Wahrheitstreue geht. Ich möchte mich so einfach wie möglich ausdrücken, um so viele Leute wie möglich zu erreichen. Dass das in meinem Fall nicht die Massen sind, ist mir klar. Dazu ist mein Gehirn vielleicht ein bisschen zu verschwurbelt, aber ich finde, in der politischen Haltung ist das schon alles klar.

Du hältst deine Texte in Poesiealben mit Herzchen und Schlössern fest. Wieso?

Früher bei Woolworth kriegte man die für vier, fünf Mark. Die fand ich immer ganz lustig. Ich hab auch einen Faible für Trash. So fing das an. Da habe ich die mitgenommen und reingeschrieben und mittlerweile habe ich 200 bis 300 davon. Wahrscheinlich habe ich eine der umfangreichsten Poesiealben-Sammlungen von Deutschland. Im Grunde wollte ich das auch vor ein paar Jahren einstellen, aber seitdem kriege ich immer zu Weihnachten und zu Geburtstagen Poesiealben geschenkt. Ich kann gar nicht aufhören.

Funny van Dannen: 8.3., Gloria, Köln; 14.3., Bahnhof Langendreer, Bochum

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