Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen

Musik von hier: Newcomer und neue Alben aus NRW

Foto: Dana Sophie Schmidt

I love music! Und deshalb gehe ich jeden Monat auf die Suche nach Bands und Newcomern, die neue Musik, neue Songs und CDs herausbringen. Von Düsseldorf nach Köln, über das Ruhrgebiet und den Niederrhein – weil Musik aus Deutschland locker mithalten kann auf dem internationalen Markt. Und weil Musik hören einfach das allerschönste ist! Die Goldstücke, die ich dabei finde, möchte ich euch natürlich auf gar keinen Fall vorenthalten! Enjoy!

Inhaltsverzeichnis [verbergen]

Interview: Jason Pollux

Neosoul aus Witten – ja, das gibt‘s. Und wie! Jason Pollux haben im April ihr Debüt-Album“Escape“ veröffentlicht – satte Beats, eine Prise Elektro und ganz viel Seele klingen durch die Boxen, wenn das Duo in Aktion tritt. Wir haben mit Sängerin Sonja Trautmann und Michael Burger, dem Mann hinter dem Synthesizer, über ihre Musik, den ausgefallenen Bandnamen und den Pott als musikalische Heimat gesprochen.

Wie habt ihr zueinander gefunden?

Ins Ruhrgebiet, genauer nach Witten brachte uns das Studium. Sonja Medizin, Micha Philosophie und Cultural-Studies. Die kleine Stadt Witten hat eine recht lebendige Musikszene und über verschiedene Projekte haben wir uns 2011 kennengelernt. Nach ersten Konzerten, zunächst noch nah an unseren musikalischen Wurzeln mit Akustik-Gitarre und jazzigeren Sounds entstand die Idee für ein Bandprojekt. Gemeinsam mit der Schlagzeugerin Ruth Kania waren wir als „Utopian Orchestra“ von 2013-2016 aktiv und haben erstmals mit elektronischen Klängen und Synthesizern gearbeitet. Begeistert von Klängen und Möglichkeiten analoger Synthesizer und Drum-Computer haben wir uns mit Jason Pollux vor allem der elektronischen Musik verschrieben.

Wie ist euer musikalischer Background?

Wir kommen aus sehr unterschiedlichen Ecken Deutschlands. Sonja aus Hamburg, Micha aus Stuttgart. Sonja begann ihre musikalische Laufbahn als Sängerin und Songwriterin in der Hamburger Musikszene, damals in Jazz- und Funk Projekten. Micha hat angefangen als Gitarrist und Multiinstrumentalist in Blues- Rock- und Big-Bands Bühnenerfahrung zu sammeln. Von Sonjas Gesangsunterricht abgesehen, sind wir an unseren Instrumenten beide Autodidakten. Ich habe ich mich damals bewusst gegen ein Musikstudium entschieden, weil ich gemerkt habe, dass ich die größte Motivation und Entwicklung daraus schöpfen kann, mir selbst etwas zu erarbeiten.

Jason Pollux – gibt es eine Story hinter dem Bandnamen?

Der Ursprung war ein Zitat des amerikanischen Malers Jackson Pollock, welches uns über den Weg gelaufen ist. Auf die Frage warum er so abstrakt expressiv und nicht naturalistischer male, antwortete er wohl „I am Nature“. Anfangs wurden wir oft gefragt warum wir elektronische Klangerzeuger akustischen Instrumenten vorziehen. Da fanden wir die Antwort von Pollock irgendwie passend. Wir sind selber manchmal noch fasziniert davon wieviel emotionale Tiefe man diesen Geräten entlocken kann.  Mit einer Prise Proberaum-DaDa wurde aus Jackson Pollock Jason Pollux. Im Nachhinein ist uns noch alles mögliche zu dem Namen über den Weg gelaufen: Analogien zur griechischen Mythologie (Kastor und Pollux, die Argonauten).

Was inspiriert euch? Haben alle Songs einen persönlichen / biographischen Hintergrund?

Das ist sehr unterschiedlich. Es kann ein geniales Konzert sein, das wir besuchen oder die geile neue Platte, die rauf und runter läuft. Besondere Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse. Aber natürlich auch unsere Instrumente, die oft ein Eigenleben führen, sowie Klänge oder Geräusche, die wir aufnehmen und als Samples in unsere Musik einbauen. Die meisten Songideen entstehen zunächst bei Sonja. Dann arrangieren und bearbeiten wir sie gemeinsam weiter. In den Songs geht es schon um ganz persönliche Erfahrungen. Besonders in dieser Platte steckt viel Erlebtes aus der letzten Zeit. Die Songs auf „Escape“ würde ich als Spannungsfeld beschreiben zwischen Davonlaufen oder die Dinge hinter sich lassen und der gleichzeitigen Sehnsucht anzukommen und sich einzurichten.

Habt ihr euch komplett der Musik verschrieben? Oder macht ihr auch noch etwas anderes?

Wir haben beide den Wunsch von der Musik leben zu können. Konkret heißt das aber bei Micha, dass er auch hin und wieder als Tontechniker arbeitet und zusätzlich einen 450€ Job hat. Sonja hat 2018 ihren Job als Ärztin pausiert und will sich zunächst ganz auf die Musik konzentrieren. Sie baut zudem gerade das Netzwerk musicNRWwomen mit auf, welches Musikerinnen* in NRW vernetzen soll und das Thema Frauen und der Musikindustrie sichtbar machen soll. Zu tun gibt es genug aber davon leben können ist bisher noch nicht drin.

Wieviel Ruhrpott steckt in eurer Musik?

Da wir seit über 10 Jahren im Ruhrgebiet leben, sind wir inzwischen doch stark verwurzelt mit der lokalen Kultur und ihrer Geschichte. Zudem haben wir ein größeres Netzwerk aus lokalen Musikern, Veranstaltern, Produzenten und weiteren Kulturschaffenden aufgebaut, mit den wir gemeinsame Projekte im Ruhrgebiet und Umgebung realisieren und uns gegenseitig unterstützen. Trotzdem sehen wir uns musikalisch nicht als Ruhrpott-Künstler sondern als Kinder unserer Generation. Unsere Musik ist in unserer Empfindung nicht an eine bestimmte Region gebunden.

Wie empfindet ihr die Musikszene im Ruhrgebiet? Was könnte besser oder auch schlechter laufen?

Die Musikszene im Ruhrgebiet ist städteübergreifend gut vernetzt und echt  familiär und unterstützend. Wir Touren häufig mit Bands aus der Region, und es gibt super viel Freiraum und spannende Orte um eigene Projekte und Veranstaltungsformate zu realisieren. Im Pott geht schon einiges, was die Kreativszene angeht und durch den Rückbau der Kohle und Stahlindustrie werden noch immer Orte frei, die von Kunst und Kultur im weitesten Sinne genutzt werden können. Manchmal merkt man aber auch, dass das Ruhrgebiet keinen speziellen Ruf als Musikstandort hat. Da stehen eher Theater, Museen und Industriekultur im Vordergrund. Zumindest empfinden wir das so.

Was steht als nächstes an?

Im Sommer spielen wir einige Open Airs und kleinere Festivals. Wir haben uns auch einen Zeitraum reserviert um kreativ zu sein, neue Songs zu schreiben und uns künstlerisch weiterzuentwickeln. Im Herbst wollen wir unsere zweite Single mit einem weiteren Musikvideo raus bringen und wieder auf Tour gehen. Außerdem planen wir für die Tour unser EP auch auf Vinyl zu veröffentlichen.
Escape: VÖ: 26.4. | Funk Bunker Records | facebook.com/jasonpollux

Album des Monats: Julian Prießen | Permanent Shore

Julian Prießen | Permanent Shore

Der Düsseldorfer Musiker ist schon lange kein Unbekannter mehr in der hiesigen Szene (Stichwort Marton Harvest Futuregol Recordings. Nun also ein Projekt, dass Prießen als versierten und feinsinnigen Soundzauberer in den Fokus stellt. Schon die ersten 60 Sekunden reichen, einen in den Bann zu ziehen. Ungewöhnliche, handgemachte und atmosphärische Sounds bilden den Rahmen für versöhnliche, wunderschöne, goldene Harmonien, die sich langsam, aber sicher in die einzelnen Songs schleichen. Man wähnt sich versunken in das Klangmeer, dass sich schillernd und glitzernd, streckenweise sogar ein wenig bedrohlich vor einem erstreckt. Nicht aber, ohne das ewige, vielleicht rettende Ufer immer im Rücken zu wissen. Permanent Shore, eben. Lieblingstrack: B3_slope.
VÖ: 24.5. | Futuregold Recordings | julianpriessen.de

Jonathan Hofmeister | Emotions

Yes, Jazz again! Das neue Album des Kölner Pianisten Jonathan Hofmeister ist (wie zu erwarten) ein kleines Meisterwerk. Und zwar eines mit einem exellent gewählten Titel – in acht Stücken offeriert Hofmeister tatsächlich fast jede erdenkliche Emotion.“Troublemaker“ heißt der Opener, und ja, sounds like trouble. „Like A Frog In The Dark“ und „Fly With The Wind“ kitzeln die verliebt-melancholische Seite des Gemüts, und auch der Rest der Songs können einem bestimmten (natürlich immer individuell erlebten) Gefühl zugeordnet werden. Die Band, die Hofmeister um sich versammelt hat, schafft es mit scheinbarer Leichtigkeit, die großartigen Kompositionen des Pianisten mit Leben und ebenjenen Emotionen zu füllen.
VÖ: 15.5. | Klaeng Records | jonathanhofmeister.de

Darjeeling  | Hokus Pokus

Ob der Albumtitel eine Beschwörungsformel gerichtet an den großen Geist der Musik ist, das bekanntermaßen schwierigste Album in der Karriere einer Band – das zweite nämlich – wenn nötig mit Zauberkraft gelingen zu lassen, bleibt wohl Geheimnis der drei Jungs aus Wuppertal. Nötig wäre es in jedem Falle nicht gewesen. Fulminant, verträumt, ein bisschen schräg und teilweise fast hypnotisch klingen die 13 Songs, und ja, ein wenig Magie ist auf jeden Fall auch dabei. Beim Hören weiß man teilweise nicht, ob man in den flower-powerigen, psychedelischen 60ern, den abgedrehten 80ern oder in der Zukunft gelandet ist. Grandios! Lieblingslied: Odyssey.
VÖ: 12.4. | Listen Recordsdarjeelingmusic.bandcamp.com

Saffron Sun  | Miss Moon

Manchmal stolpert man über Musik, die im handumdrehen alles ein bisschen schöner macht. So wie dieses kleine Goldstückchen der Weltmusik. Saffron Sun, ein Musikerkollektiv mit Wurzeln in Neuss und Arnheim, sind angetreten, die welt ein bisschen bunter zu machen – und es gelingt der symphatischen Truppe mit Leichtigkeit. Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug, Akkordeon und Geige musizieren sich in schönster Folk-Jazz-Gipsy-Manier durch fünf zauberhafte Stücke, bilden ein Nest für die warme, rauchige und fast betörende Stimme der Frontfrau. Perfekter Sommerabend-Soundtrack!
VÖ: 14.6. | saffronsun.nl

Anzeige
Anzeige

Beste Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region

Inhaltsverzeichnis
Home