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Moop Mama im Interview: Aufstehen und laut werden

Foto: Felix Baab
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Wenn Moop Mama zum Konzert bitten, dann kann das auf der großen Festival-Bühne passieren – im atmosphärischen Club oder direkt auf offener Straße. Für ihre Guerilla-Gigs werden die zehn Musiker von ihren Fans geliebt: Die Stadt, der öffentliche Raum und die Menschen, die darin leben, sind die Themen der „Urban Brass“-Band. Gleichzeitig nutzen die Jungs diese Plattform, um sich politisch zu positionieren, wie Trompeter Menzel Mutzke berichtet.

Zum Einstieg direkt etwas Unbequemes: Ein People-Magazin warf im Rahmen des Oktoberfests die Frage auf, ob euer Song „Molotow“ Potenzial zum Wiesn-Hit hat.
Tatsächlich? Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Die Thematik geht natürlich in eine ganz andere Richtung, aber vielleicht kann man dazu ganz gut schunkeln. Den Besuchern dort geht es um einfache Parolen, die sie mitgröhlen können – da sich der Refrain des Songs oft wiederholt, könnte er Potenzial haben. Fraglich ist, ob die Leute über den Sinn des Stücks nachdenken.

Sprechen wir lieber über die kommende Tour – nach den Festivals stehen Club-Konzerte an…
… und beides hat seine besonderen Reize. Nach einer Festival-Saison freut man sich immer auf die intime Atmosphäre der Clubs – das ist näher dran, intensiver! Es sind ausschließlich die eigenen Fans da und man kommt nach dem Gig am Merch-Stand ins Gespräch. Natürlich kleben wir aber auch wochenlang im Nightliner und in engen Backstageräumen aufeinander. Das kostet viel Energie, gibt aber auch jede Menge zurück.

Hinzu kommen eure Guerilla-Gigs an oft ungewöhnlichen Orten. Inwiefern ist das für euch auch eine „Spielwiese“ für neue Arrangements und Ideen?
Es entstehen tatsächlich oft neue musikalische Ideen, denn da spielen wir immer unverstärkt, reduziert und ohne Effekte. Wir peilen zudem aktuell an, im Rahmen von Fridays for Future freitags etwas in den jeweiligen Städten auf die Beine zu stellen.

Das kostet viel Energie, gibt aber auch jede Menge zurück.

Dahingehend gab es ja bereits einen Gig in Aachen – ihr habt eine Promotour auf dem Rad bestitten und auch im Hambacher Forst seid ihr aufgetreten. Welche Rolle spielt da die Spontaneität?
Im Falle des Hambacher Forsts hatten wir während der Tour einen Off-Day und konnten uns daher direkt auf den Weg machen. Natürlich muss da schon ein wenig im Vorfeld geplant werden; dennoch war der Gig relativ spontan. Es braucht nicht immer eine monatelange Planung – wenn wir Bock auf solche Aktionen haben, ein oder zwei Bandmitglieder aber anderweitig eingebunden sind, springt auch schon mal eine Vertretung ein. Hauptsache, man präsentiert

Was ihr auch beim Kampf gegen Rechts tut. Hier in Dortmund leidet ein ganzes Viertel unter dem „Nazi-Kiez“-Stempel; in der Innenstadt eröffnete jüngst ein „Thor Steinar“-Laden. Drohen solche Entwicklungen „Normalität“ zu werden?
Schlimm, das zu hören! Wir thematisieren das ja auch in unserem Song ‚Shitstorm‘, dass man teilweise mit diesen Menschen Tür an Tür lebt. Dass man dagegen aufstehen und laut werden muss. Wir sind nicht ausschließlich eine politische Band – bei uns geht es ganz viel um die Musik und darum, dass die Leute Spaß haben – dennoch möchten wir unsere Kunst als Plattform nutzen, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Und das, ohne belehrend zu wirken.

Da bieten eure Spontan-Gigs sicher die Chance, auch eine Klientel jenseits der Fanbase zu erreichen, oder?
Das ist das Spannende daran, wenn wir auf die Straße gehen: Eben nicht ausschließlich vor Fans und friedlichem Festival-Publikum zu spielen. Vielleicht erreichen wir da mit unseren Botschaften auch Menschen, die uns bislang nicht kannten oder anderer Meinung sind. Die Frage ist stets, was dabei ‚hängenbleibt‘.

Bei eurem Konzert in Bochum dürfte einiges ‚hängenbleiben‘ – was hat der gebürtige Baden-Württemberger denn für einen Blick auf den Ruhrpott?
Ich finde in den dortigen Städten eine extrem offene und herzliche Mentalität vor. Die Leute in Dortmund, Bochum, Essen & Co. sind so geerdet, sehr ehrlich und direkt. Gleichzeitig hat es etwas Schmuddeliges und ‚Roughes‘ – im positiven Sinne. Da fühlen wir uns immer besonders wohl.
Moop Mama „ICH-TOUR“ Teil II: 16.11., E-Werk, Köln, 17.11. Zeche, Bochum

Ein Beitrag von Robert Targan

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