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Sänger Max Mutzke im Interview: „Ich weiß, woher meine Inspiration kommt.“

Foto: Dirk Messner
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16 Jahre sind seit dem Sieg von Max Mutzke bei Stefan Raabs Grand-Prix-Castingshow „SSDSGPS“ vergangen. Der Schwarzwälder Soulsänger war inzwischen auf Tour, hat 2019 bei „The Masked Singer“ eine weitere Castingshow gewonnen und sieben Alben veröffentlicht. Im Gespräch erzählt Mutzke von seinen Einflüssen, Outdoor-Hobbys und erklärt, wieso er selbst gar kein Fernsehen guckt.

Sie waren in vielen Shows zu Gast. Was gucken Sie selbst im Fernsehen?
Gar nichts. In unserem Haus haben wir noch nicht mal Fernsehen. Ich gucke super gern aus dem Fenster. Unser Haus ist im Schwarzwald, wir gucken in ein Tal runter, auf einen Bach und auf Kuhweiden. Wenn man sich dieser Scheibe abwendet, um in eine virtuelle Scheibe reinzuglotzen, dann finde ich das traurig. Mit den Kindern gucke ich aber schon mal eine Serie abends. Oder Freitagabend ist Filmabend. Da liegen wir alle zusammen auf dem Sofa. Fernsehen ist viel mehr so, wie man es als Kind in den Siebzigerjahren mitgenommen hat. Die ganze Familie sitzt drum herum wie beim Lagerfeuer.

Der Schwarzwald ist nicht als Hochburg des Soul bekannt. Wie kamen Sie vom Black Forest zur Black Music?
Mein Vater ist Arzt und hat in einem Örtchen mit 200 Einwohnern ein Pfarrhaus gekauft, sechs Kinder in die Welt gesetzt und das Haus mit Leben gefüllt. Mein Vater hat immer Jazz und Black Music gehört und eine eigene Band gegründet, er ist Schlagzeuger. Meine Mutter war Schauspielerin. Die beiden haben aus dem Pfarrhaus eine Villa Kunterbunt gemacht. Das hat sich rumgesprochen. Um den Schwarzwald herum sind Zürich, Basel oder Freiburg. Alles Städte, in denen Jazz und Soul stattfand. Mein Vater ist dort immer hingefahren und wir Kindern sind mit. Deshalb haben wir nur diese Musik gehört. Kein Radio, nur Schallplatten oder Kassetten, später CDs. Aber die gingen immer in die Black-Music-Richtung: Jazz, Soul, Funk. Mit der Musik, die im Radio lief, Rock oder Pop, hatten wir wenig zu tun. Ich galt in der Klasse immer als jemand, der von Musik keine Ahnung hat.

Ihre Lebensgefährtin ist aus Eritrea, Sie haben vier Kinder zusammen. Welche Erfahrungen machen Sie mit Rassismus oder Intoleranz?
Das ist natürlich Thema, gerade durch die Kinder, die, sage ich mal, bunt sind. Konfrontiert wird man im Schwarzwald immer mal wieder. Es kann sein, dass du mit der äthiopischen Familie in ein Wirtshaus gehst und dort fragen sie „Sprechen Sie Deutsch?“. Dann sagt derjenige, dass er hier aufgewachsen ist und der Wirt guckt mich an und sagt: „Oh, er spricht Deutsch.“ Das ist für mich Rassismus in dem Sinne, dass derjenige es nicht böse meint. Diejenigen kommen nie in Berührung mit Menschen zum Beispiel aus Afrika. Böser Rassismus ist auch schon ein, zwei Mal vorgekommen. Unter Schulkindern, die das böse N-Wort gesagt haben. Ich habe neulich mit einem Afrikaner gesprochen, der ein Kind mit einer Deutschen hat. Dann habe ich gesagt, ‚ah, du hast auch ein Mischlingskind‘. Er sagte, das darf man nicht mehr sagen. Das heißt jetzt POC, Person of Colour. Man tritt von einem Minenfeld ins andere. Gerade jetzt ist es wichtig, dass man auf die Sprache achtet. Aber sie ändert sich die ganze Zeit. Trotzdem begegnet man dem Fremdenhass weniger, wenn man hier lebt. Wir sind nicht fremd. Wenn wir in die Stadt gehen, hört man keinen blöden Spruch, weil man sich kennt.

Ich galt in der Klasse immer als jemand, der von Musik keine Ahnung hat.

Sie haben in einem Interview gesagt, dass weiße Künstler in der Vergangenheit immer wieder die Kultur schwarzer Künstler angenommen haben. Wie beurteilen Sie das? Und trifft das auch auf Sie zu?
Ja natürlich. Wir haben auf dem Album „Colors“ aus Hip-Hop Soul gemacht, beides geprägt von afroamerikanischen Musikern. Von Stevie Wonder, James Brown, Al Green, Marvin Gaye. Die haben die Musik so fett und geil gemacht, dass wir sie abfeiern. Natürlich haben wir oft darüber gesprochen, dass man aufpassen muss und mit höchstem Respekt daran arbeitet. Ich glaube, Little Richard war es, der den Rock’n’Roll eigentlich erfunden hat, vor Elvis Presley. Der hat halt nicht ins Establishment gepasst. Überall, wo es ums Geld verdienen ging, hat man Menschen mit dunkler Hautfarbe ausgeschlossen. Erst spät im 20. Jahrhundert ist man darauf gekommen, dass man schwarze Musiker auch beteiligen muss. Natürlich muss man total aufpassen, aber ich sehe es als Hommage. Ich weiß, woher meine Inspiration kommt. Deshalb halte ich auf der Bühne immer nach oben, dass das Bunte uns reich macht.

Sie werden als einer der besten Sänger Deutschlands gehandelt. Nervt es Sie, immer auf den Grand Prix angesprochen zu werden?
Wenn ich das Thema nicht selber aufmache, sprechen die Leute es nicht mehr an. Das hat aber sehr lange gedauert. Ich bin auch dankbar, dass ich immer zu den ganzen Talkshows eingeladen werde und neulich noch mal bei Schlag den Star, das find ich natürlich total geil. Ich spreche gar nicht ungern über den Grand Prix, weil er das Sprungbrett war für das, was ich mache. Aber ich habe mein ganzes Leben Musik gemacht. Ich habe von 16 bis 18 zwei Jahre Schlagzeug studiert mit Hauptschulabschluss und erst danach gedacht, ich muss das Abitur machen. Dann bin ich wieder auf die Schule zurück. Aber Musik war immer der Leitfaden. Alle anderen Outdoor-Hobbys hatte ich nebenher. Musik war immer am Start. Das finde ich wichtig, zu erzählen.

Wenn Sie nicht auf der Bühne stehen, restaurieren Sie Oldtimer, wie kamen Sie dazu?
Wir haben schon mit elf angefangen, mit einem Unimog-Truck Trails zu fahren. Mit 13 dann Motorrad. Wir waren klettern, haben Gleitschirmfliegen gemacht, waren ganz viel im Wald. Alles, was der Schwarzwald so hergibt, haben wir geliebt. Das mit den Fahrzeugen hat damit zu tun, dass ich mit elf mit meinem Opa im Wald war und seinen Unimog in mein Herz geschlossen habe, wie einen Wegbegleiter. Aber eigentlich war es eher ein Wegbereiter, weil man damit neben den Wegen durch die kleinsten Flüsschen durch kam. Das war als Kind der Wahnsinn, sich so ausleben zu dürfen. Wenn an dem Wagen etwas abgebrochen ist, wusste man, man kann erst weiterfahren, wenn ich es repariere. Dann habe ich es immer versucht und im Dorf hatte man immer jemanden, der einem unter die Arme greift. Dann lernt man solche Dinge. Das ist wie ein Haus zu renovieren. Da fängt man an mit einem Freund, der das kann. So haben wir uns diese Kompetenzen Stück für Stück selber angeeignet mit Unterstützung von älteren Leuten. Deswegen ist das ja auch so schön, weil es ein enorm schöner Ausgleich ist.

Ich habe gelesen, dass irgendwann eine große Familienweltreise ansteht. Wann geht es los?
Wir haben jetzt drei Jahre pausiert. Wir haben 2014 einen LKW gekauft und die ersten Jahre wie verrückt dran gearbeitet. Jetzt hat er drei Jahre gestanden. Wir haben im Dezember TÜV gemacht und im Frühjahr wollen wir Hochzeit machen. Nicht falsch verstehen: So nennt man den Moment, in dem man den Koffer, das ist der Wohnbereich, mit dem LKW vereint. Wenn Sie schreiben, Max Mutzke feiert 2020 Hochzeit, ist es richtig. Das wollen wir im Frühjahr machen. Und dann kann es losgehen.

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