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Ariana Baborie vom Podcast Herrengedeck im Interview: Im besten Fall wird’s witzig!

Foto: Lutz Stellmacher
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„Herrengedeck“ haben viele Leute schon mal gehört – und das im wörtlichen Sinne. Ariana Baborie und Laura Larsson begeistern mit ihrem Podcast, der exklusiv bei Spotify zu hören ist, wöchentlich hunderttausende Zuhörer und sind in diesem Jahr sogar beim 1Live-Podcastfestival vertreten. Im Gespräch verrät sie, wie die Idee zum Podcast entstand, warum Comedy auch anecken darf und was passiert, wenn sie und Laura auf der Bühne stehen.

Wie entstand ursprünglich eigentlich die Idee zu Herrengedeck?
Laura und ich haben uns beim Radio kennengelernt. Geplant war das Ganze ursprünglich, um uns mit dem Zusammenschnitt einzelner Folgen bei Sendern bewerben zu können. Wir haben uns wirklich gut verstanden und waren ständig albern. Damit sind wir den Kollegen richtig auf den Sack gegangen. Die Aufnahme haben wir uns dann ähnlich vorgestellt wie unsere Gespräche im Sender. Wir dachten, wir machen einfach mal einen Podcast und im besten Fall wird’s witzig. Komisch war es dann trotzdem, schließlich waren nur wir dafür verantwortlich und kein Sender.

Hat sich über die Zeit eure Arbeit am Podcast verändert? Abgesehen von der Kooperation mit Spotify.
Das Setting ist tatsächlich das Einzige, was geblieben ist. Wir nehmen immer noch abwechselnd bei uns Zuhause auf. Alles andere hat sich extrem verändert, weil der Podcast ja mit der Zeit immer größer geworden ist. Das ist schon eine kleine Sendungsvorbereitung wie beim Radio auch.

Macht ihr ansonsten eigentlich auch immer noch alles selbst?
Wir machen tatsächlich alles selbst, ja. Das ist so ganz klischeehaft, wie aus einem Film, wenn das eigene Projekt zum ‚Baby‘ wird, weil man es eben selbst aufgebaut hat. Das war auch einer der Gründe für den Podcast, weil beim Radio alles sehr reglementiert ist. Wir wollten einfach selbst bestimmen, was wir machen.

Habt ihr ein Skript für die einzelnen Folgen? Wie spontan seid ihr da?
Unsere Notizen sind meistens nur Schlagwörter, wortwörtlich legen wir uns nichts zurecht. Das macht ja auch am meisten Spaß, dass wir sprechen, als würden wir grad in der Kneipe sitzen und es einem Freund erzählen.

Ist diese Authentizität euer Erfolgsrezept?
Ich glaube tatsächlich, dass das der Charme an Podcasts grundsätzlich ist. Podcasts von großen Radiosendern interessieren mich meist nicht, ich muss aber auch nicht durchs Handy-Mikrofon Geschirrspüler und Krankenwagen im Hintergrund hören. Dazwischen gibt es sehr viel. Und so lange sich zwei Menschen zusammentun, die nicht von irgendwo gesteuert werden, ein halbwegs gutes Mikro und dann auch noch was drauf haben, dann ist das super.

Welche Themen besprecht ihr gerne, von was lasst ihr die Finger?
Konflikte aus dem privaten Bereich und Familiäres lassen wir raus. Der Podcast ist trotz allem ja nicht unser Audio-Tagebuch. Wir sind uns die ganze Zeit bewusst, dass es Entertainment ist. Am liebsten tatsächlich über Alltägliches. Laura erzählt, dass sie sich vor der Arbeit noch eine Banane gekauft hat – dann wird aber plötzlich die lustigste Geschichte draus. Das macht einfach Spaß und verselbstständigt sich schnell.

Habt ihr auch mit Kritik zu kämpfen?
Es gibt Themen, wo Meinungen auseinandergehen. Ich find’s absolut in Ordnung, dass Leute sich dazu äußern. Aber vieles ist eben Ansichtssache. Und da wir am Ende immer noch ein Comedy-Podcast sind, kann man vieles einfach nicht aus dem Zusammenhang reißen. So wie das bei einem Comedian eben auch die Bühnenfigur ist. Aber natürlich gibt es da Leute, die sich an bestimmten Sachen stoßen oder die sagen, sie könnten sich dann nicht mehr mit uns identifizieren. Damit muss man dann einfach leben.

Foto: Spotify

Wir sprechen, als würden wir grad in der Kneipe sitzen und es einem Freund erzählen.

Hast du das Gefühl, dass Comedy da besonders anfällig für Kritik ist?
Bei Comedy ist es naheliegend, dass das passiert, weil Comedy eben ganz oft von Überzeichnung lebt. Dinge werden so dargestellt, wie sie in echt gar nicht sind – aber sonst wäre es eben auch oft nicht lustig. Und ich glaube, das ist der Punkt, an dem viele Leute dann nicht mehr darüber lachen können – wenn es einen eben selber betrifft. Wenn man eine tiefer gehende Assoziation damit hat, kann man dann nicht mehr so darüber hinweggehen.

Abgesehen von der Kritik: Habt ihr beim Podcasten etwas, was euch nervt?
Nerven nicht. Aber manchmal ist es überraschend, wie viel Arbeit damit einhergeht. Schnitt, Technik, Gebühren, etc. Das hätten wir vorher niemals gedacht. Aber beschweren würde ich mich nicht. Es ist eben auch einfach ein Job.

Von mancher Stelle heißt es, heute habe doch jeder einen Podcast. Werdet ihr als Podcaster ernstgenommen, in der Berufs- und Medienwelt?
Nicht so richtig. ‚Die setzen sich halt zuhause in die Küche, knipsen das Mirko an, quatschen ne Stunde und dann ist fertig‘, heißt es. Ich muss zugeben, eigentlich ist es ja auch so. Ich glaube, weil man weiß, dass das der Entstehungsprozess ist, wird es oft nicht ernst genommen. Aber es ist kein Fulltime-Job, ich identifiziere mich nicht nur als ‚Podcasterin‘. Das ist eines der Dinge, die ich mache, aber nicht das Hauptding.

Könnte man denn von einem Podcast alleine überhaupt leben?
Lange Zeit hätten wir das nicht gekonnt, aber mittlerweile könnte ich davon leben, wenn ich wollte. Aber der Podcast beansprucht mich ja nicht acht Stunden täglich an fünf Tagen die Woche. Man sollte jetzt nicht alles aufgeben und den eigenen Job in der Gärtnerei kündigen, um einen Podcast über Pflanzen zu machen und hoffen, davon leben zu können. Wenn man das erst mal nebenbei macht und Herzblut reinsteckt, kann das aber schon klappen.

Hat sich die Podcastszene mit der Zeit gewandelt?
Total. Es gibt mittlerweile unfassbar viele Podcasts und fast jeder, der einen Namen hat, macht jetzt einen. Neue Podcasts haben es deshalb schwer sich durchzusetzen. Die Chance, dass sie in der Flut gehört werden ist viel geringer, als früher – was definitiv schade ist.

Bald vertrittst du euren Podcast auf dem 1Live-Podcastfestival und ihr wart selbst auch schon auf Live-Tour. Ist es schwierig, ein Podcast-Konzept in ein Bühnenprogramm zu verwandeln?
Nein, denn das tun wir nicht. Wir bringen mehr unsere Persönlichkeiten auf die Bühne als den Podcast. In unseren Shows haben wir einen roten Faden und eine PowerPoint-Präsentation, die dazu läuft. In der zeigen wir Bilder, die zu den Geschichten passen. Das ist mehr wie Stand-up-Comedy. Beim Podcastfestival wird das ähnlich sein. Da trete ich zusammen mit Ines von „Besser als Sex“ auf und wir haben uns coole Sachen überlegt!

1Live Podcastfestival: 20.-28.1., Köln (Artheater, Gloria Theater und Theater am Tanzbrunnen) und Essen (Zeche Carl und Weststadthalle)
Finale mit Ariana von Herrengedeck: 28.1., Theater am Tanzbrunnen, Köln

 

Ein Beitrag von Julia Verstraelen

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