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Haut zeigen: Drei Aktfotografen im Interview

Foto: Seel Photodesign
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Nackte Körper flimmern täglich durch die Medien. Sich selbst vor eine Kamera zu trauen, erfordert jedoch Mut. Drei Aktfotografen haben Lina Niermann und Nadine Sole verraten, wie sie intime Momente einfangen und wie ein Shooting abläuft.

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Photographie Retrouvee | Gelsenkirchen

Foto: Angelina Soria

Rebekka Rödiger hat schon als Neunjährige gerne Menschen abgelichtet. Aus Vernunft wurde sie aber erst Lehrerin für Französisch und Deutsch, bevor sie sich entschloss, für ihren beruflichen Traum noch einmal die Schulbank zu drücken. Seit Januar hat die Fotografenmeisterin ihr eigenes Studio in einer Altbauwohnung in Gelsenkirchen. Aktfotos schießt sie trotzdem am liebsten draußen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Pose ist meist für die Tonne.

Warum lassen sich Menschen nackt fotografieren?
Es stimmt schon, dass Frauen sexy verführerische Fotos eher für den Partner haben wollen. Männer dagegen möchten oft einen Lebensabschnitt dokumentieren, um dann mit sechzig sagen zu können: Seht mal, so toll sah ich mit dreißig aus!

Wie setzt man einen Körper vorteilhaft in Szene?
Frauen rate ich: Bringt hohe Schuhe mit, selbst wenn ihr darin nicht laufen könnt. Frauen stehen in High Heels ganz anders als in Turnschuhen. Männer müssen bei mir kurz vor Beginn Liegestütze machen. Dann sind die Muskeln fürs Shooting schon ganz anders definiert.

Wie kann man sich als Kunde auf ein Aktshooting vorbereiten?
Ich empfehle Kunden, eine Woche vorher eine Sporttasche in einer Ecke zu deponieren. Immer wenn ihnen im Laufe der Woche Dinge einfallen, die sie ins Shooting einbinden wollen, wie Accessoires oder Wäsche, können sie sie hineinlegen. Mimik-Übungen vor dem Spiegel sind auch sinnvoll. Da merkt man, was einem gefällt und wann man einen Lachanfall bekommt.

Wie sorgst du für eine entspannte Atmosphäre beim Shooting?
Kunden können ihre Lieblingsmusik mitbringen. Musik weckt Emotionen, was für gute Fotos sehr wichtig ist. Außerdem beginnt ein Aktshooting immer bekleidet. Am Anfang sind fast alle verkrampft und müssen sich langsam in die Situation einfinden. Die erste Pose ist meist für die Tonne.

Warum schießt du Aktfotos am liebsten draußen?
Weil sich Aktfotografie super in die Natur einbinden lässt. Baumwurzeln kannst du zum Beispiel sehr schön mit der menschlichen Körperform verbinden. Im Wald oder auf der Wiese entstehen viel individuellere Fotos. Ich zeige Kunden immer Beispiele für Draußenfotos und hoffe, dass sie sich einen Ruck geben. Wenn sie dafür offen sind, schreie ich juhu!
photographie-retrouvee.de

Photoart Hübner | Recklinghausen

Foto: Jeanne Weidauer

Sabrina Hübner stammt aus Recklinghausen. Seit 2017 hat die Fotografin ein Atelier in Ratingen, das sie liebevoll mit Fundstücken vom Flohmarkt und Erbstücken vom Opa eingerichtet hat. Mit sinnlich erotischen Boudoir-Fotos möchte sie ihren Kundinnen mehr Selbstvertrauen geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jede Frau ist schön und sinnlich.

Warum lassen sich Menschen nackt fotografieren?
Meine Kundinnen sagen oft: ,Mein Mann hat Geburtstag, aber ich mache das auch für mich.‘ Die Fotos sind also häufig ein Geschenk an den Partner, dienen aber genauso dazu, ein positives Gefühl zum eigenen Körper zu bekommen.

Wie setzt man einen Körper vorteilhaft in Szene?
Ich rede beim Shooting viel mit den Frauen und lasse sie sich bewegen. Dann merken sie oft gar nicht, dass sie fotografiert werden. Das nimmt die Statik aus den Bildern. Außerdem frage ich sie vorher nach ihrer Schokoladenseite und bei welchen Stellen ich besonders empfindsam sein soll. Dann wähle ich Blickwinkel, Position und Fokus entsprechend. Ich arbeite auch viel mit Hintergrundunschärfe. Tricksen kann man mit Dessous und Bettwäsche, oder indem man Detail- statt Ganzkörperaufnahmen macht.

Was unterscheidet die Boudoir- von der klassischen Aktfotografie?
Bei der Aktfotografie geht es um das Zeigen des nackten Körpers. Man arbeitet meist mit hartem Licht, schwarzem Hintergrund und versucht, Körperlandschaften darzustellen. Bei der Boudoir-Fotografie geht es eher darum, einen sinnlich intimen Moment festzuhalten. Das Wort „Boudoir“ bezeichnet eine Art Rückzugsraum oder ein Ankleidezimmer für Frauen. Die Frau wird also in ihrer privaten Sphäre abgebildet. Wie viel Haut sie zeigt, bleibt ihr überlassen. Boudoir-Fotos sind hell und weich gehalten und sollen die Persönlichkeit der Abgebildeten rüberbringen.

Warum fotografierst du ausschließlich Frauen in sinnlichen Posen?
Vielleicht, weil ich eine Frau bin? Ich kann mich in Männer nicht so gut hineinversetzen. Es kommt mir so vor, dass Frauen stärkere Zweifel haben, was ihren Körper betrifft. Ich fotografiere gern kurvigere Frauen, um ihnen zu zeigen: Du musst kein Püppchen sein, um toll auszusehen! Jede Frau ist schön und sinnlich. Ich mag es, ihnen ein gutes Gefühl zu geben und zu sehen, dass sie nach dem Shooting gestärkt ihren Weg gehen.
photoart-huebner.de

Seel Photodesign | Velbert

Foto: Seel Photodesign

Christian Seel und Jenwit Ruangprim betreiben ein Studio in einem Velberter Hinterhof. Bei „ein bis drei Kaffee“ planen sie mit ihren Kunden Bildergeschichten. Christian Seel gab einen Einblick in die Arbeit des Duos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal reicht die Andeutung.

Warum lassen sich Menschen nackt fotografieren?
Der Umgang mit sich und dem eigenen Körper hat mit den Gedanken im Kopf zu tun. Wer sich natürlich gibt und authentisch fühlt, hat seine Seele größtenteils aufgeräumt. Dann ist man vielleicht mutig und möchte ein ,nicht normales Foto‘ machen lassen. Als Geschenk oder einfach für sich. Die momentane Lebenszeit fotografisch festzuhalten, ist oft der Auslöser.

Wie setzt man einen Körper vorteilhaft in Szene?
Körpersprache, Mimik und Gestik sind die Basis, um sich mit der eigenen Außendarstellung auseinanderzusetzen. Es muss nicht alles gezeigt werden. Manchmal reicht die Andeutung. Die Klamotten oder das Make-up sollten besprochen sein, Licht und Tageszeit sind wichtig. Natürliches Licht kann den Körper und die Situation ummalen. Der Körper sollte sich in der richtigen Pose befinden, etwa durch ein angewinkeltes Bein. Wir schauen außerdem, welche die selbst gewählte Zuckerseite ist. Eine Badewanne oder Bettwäsche können zur Geschichte dazugehören. Oder das, was sich in der Wanne befindet. Whoopie Goldberg hat sich mal in einer Badewanne voller Milch fotografieren lassen. Boudoir muss nicht immer ernst sein.

Wie stellt ihr das Vertrauen her?
Wir stellen Fragen wie ‚Warum seid ihr hier?‘, ‚Wie weit wollt ihr gehen?‘ und ‚Wie liebkost ihr euch?‘ bei Paaren. Das ist wichtig, um sich später natürlich und positiv aufgeregt vor der Kamera zu bewegen. Wir sind ehrlich, deshalb kommen ehrliche Bilder bei uns heraus. Wir hören zu, bringen uns ein und zeigen andere Blickwinkel auf. Empathie und Teamwork sind ganz wichtig.

Einer eurer Schwerpunkte sind Paarbilder. Wie schafft ihr es, derart intime Momente festzuhalten?
Wir nehmen für uns in Anspruch, Menschenfreund zu sein. Sind sehr interessiert an Lebensgeschichten und dem Warum. Bei Paaren ist wichtig, dass sich beide wohlfühlen. Alles liegt am ehrlichen Austausch, der Rest ergibt sich. Boudoir bedeutet für uns, sensibel den Menschen zu interpretieren. Die Erotikfotografie ist direkter ausgelegt. Bei einem Paar kann ein dezentes Angrinsen im Bett, umgarnt von schönen Decken, mit dem Ansatz von Haut fantastisch innig wirken und den perfekten Augenblick darstellen.
seel-photodesign.de

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