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ZEE: Licht und Nebel im Schauspielhaus Bochum

Foto: Kurt Henschläger

Stroboskopblitze, Pulslichter, Nebel, elektronische Sounds. Das kennt der nachtaktive Mensch aus Clubs. Auch deren bewusstseinstrübende und/oder –erweiternde Wirkungen. Doch in „ZEE“ ist das alles heftiger – und schöner. ZEE heißt die Installation, die noch bis 9.12. im Oval Office des Schauspielhauses Bochum zu sehen, Pardon, erleben ist. Mit Kurt Hentschlägers Soundscape eröffnet ein Raum für Medienkunst im Theater, der künstlerische Disziplinen lustvoll kollidieren lassen will, das aber dezidiert direkt zugänglich machen möchte.

Keine harte Arbeit am Diskurs also, sondern unmittelbare, ja niederschwellige Erfahrung. Die ab 18 Jahren freigegebene, ab 25 (!) Jahren erst empfohlene, völlig eigenständige Erlebniswelt zwischen Angst und Furcht, ambivalent gepaart mit einer Erfahrung des Neuen, setzt da Maßstäbe. Ein heterotopischer Transit-Ort. Und laut Kurator und Dramaturg Tobias Staab ist ZEE programmatisch. Die Niedrigschwelligkeit wird verdeutlicht durch den freien Eintritt in den Nebel; jeweils zehn Menschen können nach Einverständniserklärung alle 30 Minuten für ca. zehn Minuten hinein. Heraus kommt man schniefend, doch glücklich.

In dieser Spielzeit wird es noch vier weitere Installationen zu sehen geben. Manche extra für das Oval Office konzipiert und produziert. Ab dem 13. Dezember folgt das nächste Spektakel. Von Michael Saup gibt es dann „Orbis Lumen“. Eine aus 40 000 Zuckerwürfeln gebaute dreidimensionale Dymaxion-Weltkarte. Die Dymaxion-Karte wurde vom amerikanischen Architekten Richard Buckminster „Bucky“ Fuller entwickelt und gilt als einzige „realistische“ Darstellung der Erde auf zweidimensionaler Ebene. Weitere Kunst-Superstars folgen. Chen Tianzhuo (*1984) aus Peking/London hatte erst eine gefeierte Europa-Schau im Palais de Tokyo in Paris (Januar/Februar in Bochum), Terry Riley, Minimalismus-Gottvater kommt im April/Juni mit „Time Lag Accumulator III“ und sogar zu einem seiner sehr seltenen Konzerten ins Haus(!), und mit der abschließenden Präsentation des Cremater-Zyklus’ von Matthew Barney schließt sich im Juni/Juli ein beeindruckender Reigen an Kunst-Stars.

Dieser interdisziplinäre Kunstort im Bauch des Schauspielhauses transformiert sich wieder einmal. Nicht nur der Name änderte sich über die Jahre, auch die Art, hier Theater weiterzudenken. Theater unter Tage und nur Theater unten waren da Stationen. Der aktuellen Auffassung, Theater als eine umfassendere Kunstform zu denken, entspricht nun dieses Bochumer Oval Office. Und neben der Kunst ist eben auch die Bar, auch sie ist neu belebt und macht den Ort zu einem anderen Oval Office, einem in dem nicht nur Wut, Wahn und Wirrnis herrscht, sondern Offenheit, Gastfreundlichkeit und soziales Erlebnis.

ZEE: bis 9.12., Schauspielhaus, Bochum

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