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Adrenalin und Enthusiasmus – Wolfgang Niedecken

Wolfgang Niedecken | Foto: Tina Niedecken
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Während der Fußball-EM 1976 verabreden sich ein paar Amateurmusiker aus dem Köln-Bonner Raum zu einer Session im Wiegehäuschen des Herseler Kalksandstein-Werks, um dort miteinander zu jammen. Hieraus entsteht um den Sänger und Gitarristen Wolfgang Niedecken die erste Besetzung von BAP. Vier Jahrzehnte nach der Gründung ist die Band nun wieder unterwegs und spielt gleich mehrfach in Nordrhein-Westfalen.

Mit vielen Umbesetzungen hat sich die kölsche Band immer wieder gewandelt und neu erfunden. Ganze 42 Jahre später noch am Ball zu sein, ist sicher ein Wunder. Findet Wolfgang Niedecken auch: „Ob du jetzt 30, 40 oder 50 Jahre am Ball bist – irgendwie klingt das viel eher nach der Operettensängerin Marika Rökk oder den Kessler-Zwillingen, wenn man jetzt so lange dabei ist.“ Das stimmt zwar, aber die Jahre lassen sich ja nicht so einfach wegwischen. Den ersten BAP-Song „Helfe kann dir keiner“ hat Wolfgang Niedecken 1977 geschrieben – und mit Hans Heres und Afro Bauermann als Trio die ersten Gigs gespielt. Dabei hatte Wolfgang Niedecken eigentlich andere Pläne. Sein großes Idol war der Künstler Francis Bacon und so studierte er ab 1970 freie Malerei an den Kölner Werkschulen der FH Köln. Doch dann bahnte sich mit voller Wucht die Musik in sein Leben. Über einen Freund, der damals in New York wohnte, bekam Wolfgang die erste Scheibe von den Ramones geschenkt. „Ich nahm das Album in die Hand“, sagt Niedecken, „und sah mir die Schwarz-Weiß-Fotografie auf dem Cover an. Vier dünne Männer standen vor einer abbröckelnden Häuserwand und starrten ausdruckslos in die Kamera. Sie trugen dazu Lederjacken, Jeans und Sonnenbrillen. Darüber der Schriftzug ‚Ramones‘. Legte man die Platte auf, drehte man komplett frei. Es war, als ob sich das erste Stück an einen persönlich wandte und dazu aufforderte, seine Chance nicht zu versäumen. Kein Stück dauerte länger als zweieinhalb Minuten“, so schwärmt der BAP-Chef noch heute: „Drei Akkorde, drei Wörter und ein Refrain. Adrenalin und Enthusiasmus ersetzten ausgeklügelte Pläne, und auf einmal schien alles wieder ganz einfach zu sein. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus.“

„Ich bin der ganz festen Überzeugung, dass die Demokratie eine Meisterleistung ist.“

Bei allem Fanatismus für die Musik, hat Niedecken nie aufgehört, sich um die politische Dimensionen zu kümmern, die vor allem in Deutschland am rechten Rand kratzen. „Wie begegnet man dieser ungeheuerlichen Thematik? Ich habe immer ganz deutliche Positionen bezogen, vor allem mit unseren Liedern“, sagt er. Dann holt er noch mal aus und gibt ein bewundernswertes Statement ab: „Zu einer Demokratie gehören kluge Köpfe mit einer politischen Bildung. Aber mittlerweile sind weltweit so viele Populisten an der Macht, dass ich einfach nur noch erschüttert bin. Zu viele Menschen gehen denen einfach auf den Leim. Das macht mir wirklich große Sorgen. Ich bin der ganz festen Überzeugung, dass die Demokratie eine Meisterleistung ist. Noch ist der Menschheit nichts Besseres eingefallen.“

BAP: 4.10. Historische Stadthalle, Wuppertal / 9.10. König Pilsener-Arena, Oberhausen / 31.10. Palladium, Köln

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