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Auf eine Zigarette: Wilfried Eßer im Gespräch

Foto: Christoph Ledder

Wilfried Eßer ist Teil der vielfältigen Kunstszene Düsseldorfs. Vieles hat er während der Hochzeit seiner Schaffensperiode bewirkt. Die Malerei war stets sein Lebenselixier. Doch was macht er heute? Wir haben ihn getroffen.

Das Zimmer ist dunkel und hat eine hohe Decke. Es liegt im Erdgeschoss eines Altbauhauses im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk. Selbst bei Sonnenschein dringen die Strahlen kaum in den Raum ein. Die Einrichtung: karg, fast schon spartanisch. Ein Bett, ein abgewetzter Sessel, eine durchgesessene Couch und ein Tisch in der Mitte. Darauf ein halbleerer Tabakbeutel und Krümel der letzten selbstgedrehten Zigarette. Daneben ein benutztes Rotweinglas. Das wars. Dies ist das kleine Reich des Düsseldorfer Künstlers Wilfried Eßer (73).

Doch die Wände des Zimmers stehen gänzlich im Kontrast zur spärlichen Einrichtung. Hier ist alles anders, denn es reihen sich große und kleine Schätze nebeneinander, die jede Menge Geschichten erzählen könnten, wenn sie sprechen würden. Es wären Erzählungen aus längst vergangenen Tagen, angereichert mit Anekdoten voller Charme und Humor. Ob Ölgemälde, Aquarelle oder Radierungen. Sein gesamtes Werk bezeichnet er als surreal. Darüber hinaus sind seine Bilder Zeugen einer Zeit, in der Eßer auf dem Höhepunkt seiner Schaffensperiode war. Ein gefragter und in der Düsseldorfer Kunstszene anerkannter Künstler, der mit Ausstellungen in der Stadt und ihrer Umgebung sowie weit darüber hinaus bis ins Baltikum von sich reden macht, die Welt kennt und auf der Sonnenseite des Lebens steht.

Das Flackern in den Augen zeigt, wie sehr er die Malerei und die Kunst zum Leben braucht, wie sehr sie sein Lebenselixier sind.

Doch im Laufe der Jahre sind nicht nur die Geschichten, sondern auch die Ausstellungen weniger geworden. Eßer hat sich zunehmend zurückgezogen. Das Geld ist knapp, doch es reicht zum Leben sowie für ein wenig Luxus. Und bis heute hat Eßer viel zu erzählen. Kommt er erstmal in Fahrt, kann er kaum aufhören. So sehr bewegt ihn sein Leben, stark geprägt durch seine Malerei. Heute verbringt er die meiste Zeit zu Hause. Er greift zum Beutel mit krümeligen Tabak auf dem Tisch, dreht sich langsam eine Zigarette, zündet sie an und fängt an zu reden. „Ich wollte mit meinen Bildern nie irgendetwas Bestimmtes ausdrücken oder auf irgendetwas aufmerksam machen“, so sagt er. Er habe bereits als Kind eine große Fantasie gehabt, die bis heute in seinen Werken zum Ausdruck kommt. Während er erzählt, glühen seine Augen. Das Flackern darin zeigt, wie sehr er die Malerei und die Kunst zum Leben braucht, wie sehr sie sein Lebenselixier sind. Wird ihm Pinsel und Staffelei weggenommen, würde er nicht mehr lange leben. Je mehr er erzählt, desto mehr scheint sich die Traurigkeit in seinem Blick zu verziehen. Fast habe es den Anschein, als sei sie nie dagewesen, als hätte sie niemals existiert.

Die Zigarette ist halb aufgeraucht. Indes kommt Eßer in Fahrt. Es sind Geschichten und Anekdoten von lauen, mediterranen Sommerabenden auf Mallorca, auch die eine oder andere imposante Frauengeschichte ist dabei. Doch die Storys handeln auch aus der Zeit um 1968. Eßer mittendrin in der Revolution: Dutschke, freie Liebe, Studentenproteste, besetzte Häuser. Für eine Weile war München Wilfrieds Lebensmittelpunkt. Erinnerungen verblassen, manches ist nur noch schemenhaft. Die Momente, in denen er etwas aus dieser Zeit erzählt, sind rar. Fragen danach werden nur widerwillig und kurz und knapp beantwortet. Es ist ein Abschnitt in seinem Leben, den er nicht näher beschreiben möchte. So hat jeder Mensch sein Geheimnis und das ist auch gut so.

Es ist die „Absurdität des Seins“, die Eßer ausdrücken möchte.

Dennoch ist einiges über seine Studienzeit in Düsseldorf bekannt – an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf von 1968 bis 1974. Über das Studium definiert er sich bis heute. Ein Auszug aus einem Gutachten von Professor Günter Grote von der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf aus dem Jahr 1976: „W. Eßer kleidet seine Ideen in Symbole, die nicht jeder kennt, aber sensitive Formen und Farben machen die Anschauung, seinen Standort klarer. […] Es ist da aber auch ein nostalgischer Traum von einer verlorenen besseren Welt.“

Verträumt und in seinen Gedanken versunken ist Eßer auch heute noch. Überhaupt ist es die „Absurdität des Seins“ die Eßer mit seinen Bildern ausdrücken möchte. Obwohl die Zeit der großen Ausstellungen vorbei ist, nimmt er von Zeit zu Zeit an den Düsseldorfer Kunstpunkten teil. Ein Besuch bei ihm lohnt sich.

quantart.de

von Christoph Ledder

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