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Too Good To Go: Läden im Ruhrgebiet beteiligen sich an App-gestützter Lebensmittelrettung

Per App zum Snack | Foto: Too Good To Go
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Fünf Jungs aus Kopenhagen und Düsseldorf hatten eine Geschäftsidee, die sich nun auch im Ruhrgebiet durchsetzt: eine kostenlose App zur Lebensmittelrettung. „Too Good To Go“ (TGTG) soll Händlern und Gastrobetrieben dabei helfen, übrig gebliebenes Essen oder Obst und Gemüse nicht zu entsorgen, sondern verbilligt zu verkaufen. Eine gute Idee, schließlich landen laut einer Studie des WWF allein in Deutschland jährlich rund 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel im Müll, was etwa einem Drittel der gesamten deutschen Lebensmittelproduktion entspricht. Wir haben für euch hinter die Kulissen der Lebensmittelretter geschaut.

Franziska Leinert | Foto: Too Good To Go

Die Idee ist simpel und clever zugleich. In der App „Too Good To Go“ können registrierte Gastronomen und Händler jeden Morgen veröffentlichen, wie viele Lebensmittel sie voraussichtlich nach Ladenschluss übrig haben. Die Kunden können dann über die App das Essen zu einem sehr günstigen Preis kaufen, reservieren und zur angegebenen Zeit abholen. Hinter der App stehen die fünf Dänen Peter Wiedeking, Julian Stützer, Thomas Björn Momsen, Klaus Pedersen und Stian Olesen. „Die Gründer hatten schon immer ein vergleichsweise hohes Bewusstsein für ihre Umwelt“, erklärt Franziska Lienert, Pressesprecherin von TGTG Deutschland.

„Die Idee zur App kam ihnen beim Essen am Buffet. Sie haben das übrig gebliebene Essen gesehen und sich gefragt, was damit passiert. Als sie erfuhren, dass es entsorgt werden würde, haben sie sich umgehört und festgestellt, dass das keine Ausnahme war. Dagegen wollten sie etwas tun.“ Gesagt, getan – und die Resonanz war groß. „Too Good To Go“ hat gerade bei jungen Berufstätigen und Studenten einen Nerv getroffen. Um an Reichweite und Möglichkeiten zu gewinnen, nahmen die Dänen an der Show „Die Höhle der Löwen“ teil und ernteten hier den ersten Millionendeal der Showgeschichte. Dieser wurde allerdings nach Ausstrahlung nie abgeschlossen, da das Unternehmen so schnell wuchs, dass der Deal weder den Gründern noch den Inverstoren geholfen hätte.

Foto: Angelina Seel

Bäckereien und Biomärkte machen mit

In Bochum sind schon 35 Betriebe dabei. Auch die BackWerk Filliale an der Kortumstraße beteiligt sich. „BackWerk ist schon lange Mitglied bei Too Good To Go und ich muss sagen, wir haben bis jetzt noch keine negativen Erfahrungen gemacht“, erzählt Filialleiter Osburg. „Die Kunden sind nicht die Masse, aber es sind einzelne, zufriedene Kunden, die immer wieder kommen. Unsere Abholer sind hauptsächlich Studenten, aber das kann auch daran liegen, dass in unserer Umgebung viele Studenten leben.“ Einige Kunden hätten zunächst Bedenken gehabt, dass es wegen der App nicht mehr genügend Nahrung für die Tafel und andere Hilfswerke gäbe. Doch Filialleiter Osburg kann beruhigen: „Uns ist es wichtig, etwas für unser Umfeld zu tun. Wir geben auch Nahrungsmittel an die Tafel und die Krisenhilfe, aber trotzdem ist immer noch genug übrig.“

Im SuperBioMarkt in Gelsenkirchen-Buer packen die Mitarbeiter immer abends um halb sechs die bestellten Tüten. „Einmal war ein Mann nicht zufrieden mit dem Gemüse, das wir ihm eingepackt gaben, es war ihm nicht makellos genug. Da haben wir ihm gesagt, dass es doch darum gehe, dass man unvollkommene, aber eben trotzdem noch essbare Nahrung nicht wegwerfen muss“, sagt eine Mitarbeiterin. „Bei uns kommt immer ein Mindestwert von ungefähr neun Euro in die Tüten, verkauft werden diese dann für drei bis vier Euro, denn es muss immer mindestens fünfzig Prozent gespart werden. Wichtig ist auch, dass die Produkte auf keinen Fall abgelaufen sein dürfen.“

Foto: Too Good To Go

„Bei uns sind alle mit Herz dabei“

Mittlerweile gibt es TGTG in 9 Ländern. Die App wird von fünf Millionen Menschen genutzt und es sind derzeit 2200 Betriebe angemeldet. Laut Angaben des Unternehmens konnten insgesamt schon 7 Millionen Mahlzeiten gerettet und somit umgerechnet 14000 Tonnen CO2 gespart werden – das ist eine Menge, doch Franziska Lienert reicht das nicht: „Bei uns sind alle mit dem Herz dabei, es ist uns ein Anliegen, das Bewusstsein der Gesellschaft zu schärfen und aktiv gegen Verschwendung vorzugehen.“ Das wird auch auf der TGTG-Website deutlich, denn hier verfasst Lienert einen Blog, der Lesern dabei helfen soll, bewusster zu leben. Mit Artikeln über Haltbarkeit, die richtige Lagerung im Kühlschrank, gesunde Rezepte zur Resteverwertung oder Mülltrennung wird hier gezeigt, wie es gehen kann.

Angelina Seel

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