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Nihilismus 2.0 – Prezident im Interview

Prezident in action | Foto: Vivien Schulte
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Seine Musik galt mit Verweisen zu Dante und Kafka als „Akademikerrap“. Nun liefert der Wuppertaler Rapper Prezident mit seinem neuen Album einen provokanten Gesellschaftsumriss. Vor der Veröffentlichung Ende Juli hagelte es Kritik. Begründet? Wir trafen ihn in seiner Heimatstadt Wuppertal.

„Du hast mich schon verstanden“ heißt dein neues Album. Wurdest du bisher nicht richtig verstanden?
Nein, aber macht nichts. Kunst soll offen sein und ich glaube, dass es dabei nicht das einzig wahre Verstehen gibt. Du kannst es komplett missverstehen. Einige Interpretationen sind besser, einige schlechter. Ein Album ist kein politisches Programm oder eine wissenschaftliche Arbeit.

Das Cover – weißer Kreis mit schwarzem Symbol auf rotem Hintergrund – erinnert an die Symbolik der Nazis. Bewusste Provokation oder PR?
Das umgedrehte Fragezeichen ist ein Ironiezeichen: Im 19. Jhd. vorgeschlagen, aber kaum bekannt. Dies kombiniere ich mit der Ästhetik totalitärer Massenbewegungen. In der Kombination ergibt das so eine Art totales „Ich weiß auch nicht weiter“. Ein plakativer Witz.

Du verwendest das Wort „Gutmensch“. Darüber haben sich einige empört. Verständlich?
Ja, das Album soll provozieren. Aber ich erachte den Begriff „Gutmensch“ als durchaus sinnvoll: Die Zeiten werden komplizierter und dadurch die Möglichkeiten, das Gute zu wollen, aber letzlich Böses zu schaffen, vielfältiger. Und auch das Moment der Prätention und dass Leute mehr versuchen, gut zu scheinen als Gutes tun, scheint mir gut zu bestimmten aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen zu passen.

In einem anderen Song geht es um den „richtig guten Mensch“. Kannst du diesen in eine konkrete politische Ecke einordnen ?
Es ist nicht in erster Linie politisch gemeint. Der Track, den du ansprichst, stellt eine Art Typensatire dar, also es wird sich über zwei bestimmte Charaktere lustig gemacht. Ich beschreibe als den „richtig guten Menschen“ einen übertriebenen Zeloten, der aus Idealismus zum Arschloch wird. Aber obwohl das nicht primär ist: Ein solcher Zelot kann im Jahr 2018 in Deutschland eigentlich nur links sein. Religiöse und Konservative zumindest hierzulande entwickeln diesen Eifer heutzutage gar nicht mehr.
whiskeyrap.de

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