Potenzielle Gewinner: Unsere Prognose zu den Oscars 2021

Nomadland / Searchlight Pictures
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Als am 9.2.2020 die letzten Academy Awards vergeben wurden, war von Corona – zumindest in Hollywood – noch keine Spur. Wenige Wochen später änderte sich das schlagartig. Dass jedoch im Februar 2021 die Oscarverleihung nicht mal möglich sein würde, hätte wohl niemand gedacht. Vorsichtshalber wurde trotzdem bereits im Juni der Terminkalender abgeändert und die Show auf den 25.4. verlegt – zwei Monate nach hinten. Ob der wichtigste Filmpreis der Welt überhaupt vor Publikum stattfinden wird oder lediglich eine Onlineausgabe funktionieren kann, steht gegenwärtig noch in den Sternen.

Optimistisch bleiben! Die Oscars sind jedes Jahr das absolute Highlight für Filmgeeks und fordern zum Mitwetten auf. Für gewöhnlich sind bereits im Januar dank den vorab ablaufenden Golden Globes die Gewinntendenzen eindeutig. Doch was läuft momentan schon gewöhnlich ab? Stattdessen folgen die Nominierungen für den 93. Goldjungen erst Mitte März. Wir haben in die Kristallkugel geschaut und verraten jetzt schon, welche elf Streifen gute Chancen auf den Hauptpreis haben. Darunter befinden sich erstmalig auch Filme, die ihre Premiere auf Streaming-Plattformen feierten.

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Mank

„Sieben“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“, „Gone Girl“. Und das ist nur eine Auswahl. Die Filmografie von David Fincher liest sich wie ein Best Of der letzten Jahrzehnte. Kaum ein Regisseur hat in so vielen unterschiedlichen Genres dermaßen viele hochwertige Filme geliefert wie er. Seit fast drei Dekaden laufen seine Werke über die Kinoleinwand und begeistern weltweit. Dennoch blieben die Gewinne als bester Regisseur und Film bisher aus. 2021 könnte seine Chance sein. Mit seinem elften Film „Mank“ gelingt dem 58-jährigen erneut ein Film, der von allen Seiten gefeiert wird – nicht zuletzt dank einer hervorragenden Performance von Gary Oldman in der Hauptrolle.
Der spielt Herman J. Mankiewicz, genannt „Mank“, den Drehbuchautoren des Klassikers „Citizen Kane“ aus den 40er Jahren. In der schwarz/weiß gehaltenen Filmbiografie steht der Streit zwischen Mank und dem Regisseur Orson Welles über den Kulthit im Mittelpunkt. In den Nebenrollen zu sehen: Amanda Seyfried und Lily Collins, die Tochter von Phil Collins. Das schreit nur so nach einer Vielzahl an Nominierungen.
Netflix, bereits verfügbar

Soul

Animationsfilme sind längst kein Kinderfernsehen mehr. Gerade die Macher von Disney und Pixar haben verstanden, wie sie über kindgerechte Themen auch die Erwachsenen abholen. Mit dem neusten Output „Soul“ wurde der Weg primär andersherum gewählt. „Soul“ ist auf den ersten Blick dermaßen komplexe, philosophische und schwerwiegende Kost, dass ganz eindeutig die älteren Zuschauer angesprochen werden. Durch viele niedliche Charaktere, süße Welten und leicht tollpatschigen Humor können aber auch die etwas jüngeren, aber keinesfalls zu jungen Anhänger ihre Freude daran finden. „Soul“ von Pete Docter (u.a. Regisseur und Drehbuchautor von „Oben“, „Die Monster AG“ und „Alles steht Kopf“) befasst sich mit dem unglücklichen Musiklehrer Joe, der sich nichts sehnlicher wünscht, als mit seinem Talent als Jazzmusiker Erfolg zu haben. Durch einen Zufall gelangt er an ein gefragtes Vorspiel, was auch noch gut abläuft. Kurz vor seiner Feuertaufe mit der neuen Band, … nein, das wird an dieser Stelle nicht verraten!
„Soul“ befasst sich sowohl mit der gleichnamigen Musikrichtung als auch mit der Seele eines Menschen. Wo sie herkommt, wohin sie geht. Seitdem die Oscars um die zehn Filme für den Hauptpreis nominieren, ist auch gern ein Animationsfilm mit dabei. Das wird in diesem Jahr „Soul“ sein. Für den Gewinn wird es aber wahrscheinlich eher knapp.
Pixar, bereits auf Disney+ verfügbar

The Trial of the Chicago 7

Ein wenig Justiz darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Sacha Baron Cohen und Eddie Redmayne spielen zwei der insgesamt sieben Angeklagten, gegen die 1969 ein Prozess wegen Aufhetzung und Verschwörung läuft. Der Film „The Trial Of The Chicago 7“ dreht sich um die wahre Geschichte einer Gruppe unterschiedlicher Personen, die jedoch alle das gleiche Ziel haben, nämlich die Teilnahme an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg.
Obwohl die Demos friedlich ablaufen sollen, eskaliert die Situation, sodass die Sieben vor Gericht landen. Aaron Sorkin, der zuvor bereits mit seinem Drehbuch zu „The Social Network“ einen Oscar gewinnen durfte, und sein zweiter Film als Regisseur haben besonders dank der Besetzung positive Resonanz erhalten. In weiteren Rollen sind u.a. Joseph Gordon-Levitt und Michael Keaton zu sehen. Ein klassischer Oscarfilm.
Netflix, bereits verfügbar

Ma Rainey’s Black Bottom

Ein umgangssprachliches Wort fürs Hinterteil im Filmtitel? Das kann doch nur gut werden! Der etwas sperrige Name „Ma Rainey’s Black Bottom“ steht für einen groovigen Musikfilm. Auch dieses Genre ist bei den Oscars nahezu obligatorisch. Mit seinen vergleichsweise knapp gehaltenen guten 90 Minuten erzählt Regisseur George C. Wolfe, der ansonsten eher bei dem beliebten Theaterpreis Tony gelistet ist, die realistische Geschichte einer eigenwilligen Sängerin.
Gertrude Rainey, genannt „Ma“, gilt als Mutter des Blues, die in den 1920er-Jahren bereits große Erfolge verzeichnen kann und mit ihrer Band gerade an neuen Aufnahmen sitzt – die ordentlich Spannungen mit sich bringen.
Die Hauptrolle spielt Viola Davis, die 2017 für ihre Leistung in „Fences“ einen Oscar gewinnen konnte und besonders für ihre Performance in der Serie „How To Get Away With Murder“ bekannt ist. Tragisch: „Black Panther“-Darsteller Chadwick Boseman ist hier als Trompeter in seiner letzten Rolle zu sehen. Er starb wenige Monate vor der Premiere des Films.
Netflix, bereits verfügbar

I’m No Longer Here

Seitdem im letzten Jahr die südkoreanische Thriller-Satire „Parasite“ den Hauptpreis gewinnen konnte, müssen sich die US-Filmemacher warm anziehen. Erstmalig gewann eine fremdsprachige Produktion die wichtigste Kategorie. Das motiviert Produzenten aus aller Welt.
2021 vorne mit dabei: Mexiko. „I’m No Longer Here“ ist ein zunächst unauffälliger Streifen Zelluloid, hat aber bei genauerem Hinsehen gar nicht so schlechte Karten. Die Story um den stylishen 17-jährigen Straßenganganführer Ulises berichtet von Drogendelikten, vor denen Ulises seine Freunde schützen möchte. Das ist mit vielen Komplikationen verbunden, sodass er nach Queens in New York zieht, um dort mit anderen Einwanderern klarzukommen. Kurz darauf sind seine geliebten Menschen aus der Heimat in Not… Fernando Frias schafft als Regisseur den Sprung über seine Landesgrenzen hinaus und liefert fürs westliche Auge authentische und außergewöhnliche Bilder.
Netflix, bereits verfügbar

Nomadland

Die einzige weibliche Regiearbeit. Chloé Zhao ist Chinesin, aber überwiegend in den USA tätig. „Nomadland“ ist ihr fünfter Film und wahrscheinlich der heißeste Anwärter auf den begehrten Hauptpreis. Sämtliche Filmkritiker überhäufen das Drama mit Lob. Bei dem wichtigen Filmfestival in Venedig konnte es bereits die goldene Trophäe einheimsen. Zhao adaptierte das gleichnamige Sachbuch und zeigt in ihrer Geschichte das Nomadenleben in den USA. Gespielt von der zweifachen Oscarpreisträgerin Frances McDormand – zuletzt prämiert für ihre konsequente Leistung in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ – bricht Hauptfigur Fren aus dem perspektivlosen Leben auf dem Land in Nevada aus, packt ihre sieben Sachen und geht mit ihrem weißen Van auf eine Reise ohne Ziel, jenseits von Konventionen.
Zhao wäre die erste weibliche Ausgezeichnete seit 2010. Leider muss man sich noch etwas gedulden: „Nomadland“ hat seinen geplanten Kinostart erst im April.
Walt Disney Germany, ab 8.4. im Kino

The Midnight Sky

Publikumsliebling George Clooney gehört in jede gern gesehene Academy-Show. Wie passend, dass es sich der Sympathieträger in diesem Jahr mal wieder auf dem Regiestuhl bequem gemacht hat. In seinem Science-Fiction-Movie „The Midnight Sky“ hat er nicht nur die Strippen hinter der Kamera in der Hand – er spielt auch gleichzeitig die Hauptfigur Augustine Lofthouse. Augustine ist Astronom in der Arktis und warnt die Crew um Astronautin Sully, gespielt von Felicity Jones, vor der Rückkehr auf die Erde. Eine folgenschwere Katastrophe hat sich ereignet, allerdings gibt es Probleme mit dem Funksignal. Die postapokalyptische Story mit starken Emotionen und Bildern spielt im Jahr 2049. Nach „Gravity“ also ein erneuter Ausflug Clooneys in die Faszinationen des Weltalls. Seine siebte Arbeit als Regisseur für die große Leinwand. Ob es für eine Nominierung reicht?
Netflix, bereits verfügbar

Sound of Metal

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an „Whiplash“ aus dem Jahre 2014. „Sound of Metal“ benutzt einige Jahre später ebenfalls das Schlagzeugspielen als zentralen Punkt in seiner Geschichte. Das Drama, das bereits bei einigen Filmfestivals einige Hauptpreise abräumen konnte, auch unter den Darstellern. Regisseur Darius Marder lieferte das Drehbuch so „The Place Beyond The Pines“ und hat nun mit seinem Langfilmdebüt gleich ein richtiges Brett am Start. Hauptcharakter Ruben Stone – gespielt von dem beliebten Underdog Riz Ahmed – bildet mit seiner Partnerin ein Metalduo namens „Blackgammon“. Sie steht am Mikrofon und spielt Gitarre, er Schlagzeug. Von einem auf den anderen Tag macht jedoch sein Gehör nicht mehr mit. Ruben droht taub zu werden. Für Musiker mit Passion eine Horrorvorstellung. Dementsprechend aufwühlend ist „Sound of Metal“ auch gestaltet. Nicht nur für Rock-Anhänger ist der Film mit außergewöhnlichen Soundstrukturen empfehlenswert. Er ist womöglich das Dark Horse der diesjährigen Verleihung.
Amazon Prime Video, bereits verfügbar

Da 5 Bloods

Allein schon optisch tritt der extravagante Spike Lee bei den Oscars stets hervor. In seinen Filmen thematisiert er oft Rassismus gegenüber Afroamerikanern. 2019 wurde er für seinen Film „BlacKkKlansman“ zum ersten Mal mit dem Oscar für das beste Drehbuch belohnt. Mit „Da 5 Bloods“ wagt sich Lee an ein Kriegsdrama.
Darin reisen vier afroamerikanischen Kriegsveteranen nach Vietnam, um die Überreste ihres ehemaligen Anführers Norman zurück in die USA zu bringen. Einer der tragenden Protagonisten wird von dem mittlerweile verstorbenen Chadwick Boseman gespielt, besser bekannt als „Black Panther“. Neben einigen härteren Kriegsszenen zeichnet sich der Film auch durch mitreißende Musik und lässigem Humor aus, da die Truppe neben der Leiche auch auf der Suche nach einem angeblichen Schatz ist.
Netflix, bereits verfügbar

Tenet

Christopher Nolan ist besonders unter den Science-Fiction-Liebhabern das Genie der Filmbranche. Seit seinem Debüt im Jahr 1998 hat der Engländer einerseits die Batman-Welt revolutioniert, andererseits aber auch sehr abgefahrene Kulissen präsentiert. Mit seinem elften Regiewerk „Tenet“ geht Nolan aufs Ganze und fordert die Zuschauer noch mehr heraus, als er es in „Inception“, „Memento“, „Interstellar“ oder „Prestige“ schon tat.
„Tenet“ erzählt zweieinhalbstundenlang auf mehreren Ebenen, in mehrere Richtungen und in mehreren Zeiten – gleichzeitig. Als letztes Frühjahr die Kinos schließen mussten, jedoch im Sommer ein paar Wochen wieder öffnen durften, galt sein Film als die Rettung der Spielhäuser und lief außer Konkurrenz. „Tenet“ ist auch wirklich ein derartiges Bombaststück, das die große Leinwand verdient und nur mit dem passenden Bild- und Tonequipment richtig funktioniert. Und mit äußerst viel Mitdenken. Für Effekte-Fans ein Must Seen. Wird in der Technikabteilung der Oscars ordentlich abräumen.
Warner Bros., verfügbar auf DVD, Blu-Ray & als VoD

The Father

Auch wenn Florian Zeller äußerst Deutsch klingt, ist der Regisseur leider Franzose. In erster Linie arbeitet er als Dramatiker von Theaterstücken. Mit „The Father“ ist der Pariser erstmalig für die große Leinwand zuständig. Dafür adaptierte er sein eigenes Stück aus dem Jahre 2012. Für die Hauptrolle konnte er niemand geringeren als die mittlerweile 83-jährige lebende Legende Anthony Hopkins gewinnen. Der spielt den hochdementen Londoner Anthony, der von seiner Tochter Anne – gespielt von Olivia Colman, die vor zwei Jahren den Oscar als beste Hauptdarstellerin für „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ gewinnen durfte – gepflegt werden muss.
Die tut sich mit ihrer Verantwortung schwer und möchte ihrem Vater erzählen, dass sie zu ihrem Geliebten nach Paris ziehen möchte. Ein ungemütliches, ergreifendes Kammerspiel mit Gänsehautgarantie.
Der aktuell angepeilte deutsche Kinostart ist der Donnerstag vor der Oscar-Verleihung.
TOBIS, ab 25.4. im Kino

 

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