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Von Grau zu Grün: Positive Bilanz für Essen 2017

Lina Niermann
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Was für ein Jahr! 2017 wurde in Essen so einiges umgegraben und für vieles die Weichen gestellt: Es wurden Gärten angelegt, Flüsse renaturiert, Bienenvölker angesiedelt, Elektroautos angeschafft und Wanderwege erschlossen. Und woran lag das? Am Grünen-Hauptstadt-Jahr. Als Umwelthauptstadt Europas musste Essen beweisen, dass die Stadt den Titel auch verdient und in Sachen Umweltschutz eine Vorreiter-Rolle einnimmt. Jetzt zogen die Projektbeteiligten ein positives Gesamtfazit.

Bei der Abschluss-Pressekonferenz zur Grünen Hauptstadt kamen im Rathaus erst einmal jede Menge Zahlen auf den Tisch: Insgesamt 453 realisierte Projekte, rund 200.000 Veranstaltungsbesucher und geschätzte 9 Prozent mehr Touristen in der Stadt als im Vorjahr – so lautete die erfreuliche Bilanz von Essen 2017. „Es ist uns gelungen, Essen als pulsierende, zukunftsfähige und moderne Grüne Hauptstadt Europas zu präsentieren, auf die die Bürgerinnen und Bürger zu Recht stolz sein können“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kufen und betonte, dass die Essenerinnern und Essener diesen Wandlungsprozess selbst angestoßen und mitgestaltet hätten.

Reges Bürgerengagement

Schaut man sich die Zahlen an, gab es tatsächlich ein reges Bürgerengagement: In 210 Projekten halfen Essener die Stadt etwas grüner zu machen, indem sie beispielsweise Gemeinschaftsgärten anlegten, Insektenhotels bauten oder durch Bepflanzungen neue Lebensräume schufen. Gemessen an der Gesamtzahl der Projekte lag der Anteil an Bürgerprojekten bei rund 46 Prozent. Der Anteil an Eigenprojekten der Grünen Hauptstadt belief sich auf 41 Prozent und 13 Prozent entfielen auf Tagungen und Fachkongresse. „Wir wollten mit unseren Projekten vermitteln, dass die Beschäftigung mit Umweltthemen auch Spaß machen kann und dass Umweltschutz keine Einschränkung der Lebensqualität bedeutet“, erklärte Projektteamleiter Ralph Kindel. „Dabei war es uns wichtig, keine elitäre Klientelpolitik mit erhobenem Zeigefinger zu betreiben.“ Das Ziel, Bürger zum Umdenken anzuregen und sie für Umweltthemen zu sensibilisieren, habe man erreicht, sagte Projektteamleiterin Simone Raskob.

Gelungener Imagewechsel

Ein weiteres erklärtes Ziel von Essen 2017 war es, einen Imagewechsel einzuleiten, die Stadt sollte sich vom industriellen Montanstandort zur grünen Ruhrmetropole mausern. Auch dahingehend sieht Ralph Kindel eine positive Entwicklung. „Wir haben es geschafft, mit einer neuen Bildsprache das grüne Essen zu verfestigen und das tradierte Bild der Industriestadt verblassen zu lassen“, sagte er. Simone Raskob bezeichnete den Imagewandel ebenfalls als „vollen Erfolg“, der auch in der internationalen Berichterstattung seinen Niederschlag gefunden hätte. Die Einladung zur Weltklimakonferenz (COP 23) im November in Bonn sei dann die Krönung gewesen. Die einhellige Meinung der Beteiligten: Die Stadt habe sich als Modellstadt eines erfolgreichen Strukturwandels positionieren können.

16,5 Mio. Euro Budget

Insgesamt standen dem Vorhaben einer umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Stadt 16,5 Mio. Euro zur Verfügung. Davon kamen 5 Mio. Euro von der Stadt Essen, 6 Mio. vom Land und 4 Mio. steuerte der Bund bei. Weitere 1,5 Mio. Euro spülten Sponsoren in die Budgetkasse. Wie hat das Projektbüro das Geld genutzt? Zieht man die Kosten für Verwaltung, Marketing und Personal ab, bleiben rund 8,6 Mio. Euro an Projektmitteln übrig. Davon wurden 71 Prozent für nachhaltige (Bau-)Projekte, Ausstellungen, Tagungen und Konferenzen ausgegeben, 29 Prozent der Gelder wurden für Events wie etwa das Familienfest „Grün auf! Altendorf“ verwendet.

Die Nachhaltigkeit

Nach einem Jahr Grüne Hauptstadt stellt sich auch die Frage der Nachhaltigkeit: Was bleibt Essen an Errungenschaften erhalten? Und welche Projekte werden fortgeführt? Das ganze Jahr über hatten fünf Themenfelder im Mittelpunkt gestanden: „Mein Grün“, „Meine Flüsse“, „Mein Einkauf“, „Meine Wege“ und „Meine Zukunft“. Entlang dieser Schlagworte hob Simone Raskob bei der Pressekonferenz einige Projekte als besonders nachhaltig hervor: Den Baldeney-Steig, der als 26,7 Kilometer langer Wanderweg rund um den Baldeneysee und über die Ruhrhöhen führt, das Frühwarnsystem in der Ruhr, das nach 40 Jahren wieder das Baden im Fluss ermöglicht, die entwickelte Elektromobilitätsstrategie, die Stärkung der Wochenmärkte und die Umweltprojekte in Schulen und Kindergärten. Mit Blick auf noch offene Baustellen wie Emscherumbau oder Radschnellweg Ruhr (RS1) sagte Raskob: „Wir sehen das Hauptstadtjahr als Beginn, als Start in eine grüne Dekade, nicht alle Ziele können innerhalb eines Jahres erreicht werden“.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie viel grüner die Stadt in den nächsten Jahren noch wird und welche angestoßenen Projekte tatsächlich umgesetzt werden können. Schließlich hängen solche Vorhaben nicht zuletzt an Fördergeldern von Stadt, Land, Bund und EU.

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