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Autor, Lehrer, Musiker: Gitarrenguru Peter Bursch

Foto: Sebastian Ritscher

Er ist der Gitarrenlehrer der Nation. Seine Lehrbücher haben sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft, sein aktuelles Album ist in den Charts, er betreibt seit einem Jahr wieder eine eigene Gitarrenschule in Duisburg und selbst bekannte Musiker haben bei ihm gelernt. Peter Bursch. Aber wer hat dem Gitarrenguru das Spielen beigebracht?

„Alles fing mit neun oder zehn Jahren an“, erzählt der mittlerweile 68-Jährige, der seine in Ehren ergrauten Haare immer noch gerne lang trägt und schnell beim Du ist. Damals war Bursch bei den Pfadfindern und griff dort zum ersten Mal zur Gitarre. Sein Plan: „Ich wollte wie Elvis sein.“ Dann kamen zum Glück die Beatles und alles anders.

Da muss man durchhalten

Der Autodidakt schaute am Lagerfeuer bei den anderen Pfadfindern die ersten Griffe ab. „Außerdem hatte ich die Mundorgel, in der ebenfalls Griffe standen“, erklärt Bursch während er im Café-Bereich seiner Gitarrenschule sitzt. Viel Zeit ist nicht. Bald kommen die nächsten Schüler und Bursch hat viel erlebt, viel zu erzählen. Von seinen ersten Versuchen an der Gitarre und von seiner Schülerband „Les Autres“, die er mit 14 gegründet hat. Es zieht ihn im Laufe der Jahre immer wieder in einen Club, in dem Beatbands aus England auftreten. „Die konnten richtige Rock’n’Roll-Griffe. Die habe ich mir gemerkt und zu Hause gespielt.“ Immer und immer wieder, denn „das dauert ewig, da muss man durchhalten“. So hat Bursch sich dann „durchgewurschtelt, denn ich hatte keinen Bock auf klassischen Unterricht mit Noten. Und andere Gitarrenlehrer gab es nicht“. Mit etwa 18 Jahren wird es dann richtig ernst. Bursch gründet die Bröselmaschine, die noch immer für feinsten Krautrock steht.
Bursch und seine Band-Freunde ziehen zusammen und durch die Lande. „Wir haben Glück gehabt und schnell einen Plattenvertrag bekommen“, erzählt Bursch. Schon die erste Tournee führt die Bröselmaschine durch ganz Europa und Bursch lernt weiter: „Auf den Festivals habe ich immer wieder geguckt, was die anderen spielen.“ Aber er hat nicht nur auf fremde Finger geschaut. „Ich habe auch anderen immer wieder was zeigen können.“ Der Grundstein für seine Karriere als Gitarrenlehrer der Nation war gelegt: „Ich habe gemerkt: Das macht mir Spaß und die anderen verstehen das auch.“ Selbst den Scorpions konnte er schon neue Tricks beibringen. „Wir waren damals in Köln im Studio und die Scorpions nebenan. Die kamen dann oft zu mir und ließen sich Griffe zeigen.“ Gerade die Bottleneck-Technik hatte es den Deutschrockern angetan.

Erstes Buch mit Schallfolie

Anfang der 70er feierte Bursch dann nicht nur mit der Bröselmaschine Erfolge, sondern auch als Gitarrenlehrer an der VHS – ganz ohne Noten. „Meine Schüler haben mich dann überredet, das, was ich sonst an die Tafel schreibe, als Heft rauszubringen.“ Ein Freund hatte eine Druckerei und hat 100 Hefte gedruckt. „Die gingen dann rum, wurden kopiert und immer mehr wollten mein Gitarrenheft haben“, erzählt Bursch. Nur die Verlage nicht. Die hat er nämlich gefragt, ob sie nicht sein Heft veröffentlichen wollen. „Aber keiner wollte, weil da ,Ohne Noten‘ draufstand.“ In der Zwischenzeit hat er für seine Lehrtätigkeit das Tabulatursystem, das es schon im Mittelalter gab, angepasst und weiterentwickelt. „Als ich dann einen Verlag gefunden habe, wollten die das Heft mit einer Kassette veröffentlichen.“ Für Bursch zu unpraktisch. „Ich habe in den USA gesehen, dass es Zeitschriften mit Folienplatten gab.“ Und so eine Folienplatte wanderte Mitte der 70er in sein erstes Buch. Der Rest ist fast schon Geschichte. Mittlerweile hat Bursch es in seiner Autorenschaft auf mehr als zehn Titel gebracht und überarbeitet die Bücher regelmäßig. Selbst Kuddel, Gitarrist der Toten Hosen, lernte nach Burschs Buch.
Die Gitarren-Lehrbücher sind nur ein Teil seines Schaffens. Mit seiner Bröselmaschine tourte Bursch durch die Welt, hatte Konzerte in ganz Europa, Amerika und China. Selbst Helge Schneider war ein paar Jahre mit auf Tour. „Ich habe Helge in einer kleinen Kneipe entdeckt. Er hatte eine andere Art zu spielen, die mich faszinierte.“ Eigentlich spielte Helge Jazz, „aber ich habe ihn gefragt, ob er nicht mal Rock spielen wollte. Wollte er. Ob mit oder ohne Helge, die Bröselmaschine drehte auf: „Bis Ende der 80er Jahre hatten wir manchmal bis zu 140 Konzerte im Jahr“, erklärt Bursch. „In den 90ern ging das etwas runter. Dann war Zeit für seine erste Musikschule, in der er 15 Jahre lang den Menschen das gekonnte Klampfen beibrachte. „Nach 15 Jahren mussten wir aus den Räumen raus, aber ich wollte ohnehin wieder mehr live spielen“, so Bursch. Nach einer mehrjährigen Pause nahm 2005 die Bröselmaschine wieder Fahrt auf, im Sommer gab es eine neue Platte – „die ist auch in den Charts“.  Aber das ist nicht der einzige Erfolg.  „Es macht uns Riesenspaß, zu spielen. Und wenn du 68 bist und vor Tausenden Leuten spielen kannst, ist das ein tolles Gefühl.“
Das tolle Gefühl stellt sich nicht nur auf der großen Bühne ein. „Ich mache alles gerne. Mal ist das eine im Vordergrund, dann das andere.“ Wie etwa die Gitarrenschule in der Duissernstraße 13-15 in Duisburg. Nach ein paar Jahren Pause ließ er die Schule wieder aufleben – samt einem Café-Bereich und einem kleinen Gitarren-Shop. Wer ein Gitarrenwehwehchen hat, kann ebenfalls vorbeikommen. Kleine Reparaturen werden vor Ort vorgenommen.  An den Wänden hängen Gitarren, hier und da stehen Verstärker und der ganze Laden ist voll mit Deko. Vielleicht etwas überfrachtet, aber urgemütlich und liebevoll. Die Schule passt zum Inhaber, der immer noch Schnauzbart und Westernhemden trägt.

Kurse für alle

Bursch ist froh, wieder einen festen Ort für seinen Unterricht zu haben: „Jetzt kam einfach der Punkt, an dem ich wieder unterrichten wollte.“ Zwölf unterschiedliche Kurse bieten er und ein Freund an. Alle vier Monate starten neue Kurse, für blutige Anfänger, Gelegenheitsspieler und Fortgeschrittene. Das Besondere: „Ich unterrichte ganze Gruppen.“ Und die sollen sofort Erfolge sehen können. Stumpfes Griff-Lernen führt nicht zum Spaß am Instrument. „Wir begleiten sofort Lieder und singen auch. In zwei bis drei Minuten kann ich jedem Smoke on the Water beibringen, der vorher noch nie Gitarre gespielt hat.“ Vielleicht liegt das daran, dass Bursch, der eine Lehre als Vermessungstechniker abgeschlossen und später seinen Diplomingenieur gemacht hat, sogar schon in einer Mülheimer Gesamtschule als Lehrer für Mathe und Musik gearbeitet hat – das war 1972. „Damals habe ich gelernt, mit Gruppen richtig umzugehen“, erklärt Bursch. „Damals hat sich die Bröselmaschine aufgelöst und ich habe neue Musiker gesucht.” Und in der Zwischenzeit hat er eben unterrichtet. “Nach zwei Jahren hatte ich die Band wieder zusammen.“ Also hing Bursch den Lehrerjob an den Nagel.
Die Gruppen können mitunter wahnwitzig groß werden – nicht in der Schule, versteht sich. Aber selbst auf Wacken hat Bursch schon einen Heavy-Metal-Workshop abgehalten. Direkt auf der Bühne. Mit 100 Gitarren. Beim Burg Herzberg Festival veranstaltet er sogar Workshops mit 1000 Leuten – eigentlich ein klarer Fall fürs Guiness-Buch…

Ziele und Träume

Peter Bursch. Ein Hans Dampf in allen Gassen. Rockmusiker, Diplomingenieur, Gitarrenlehrer, Buchautor und eine Familie hat er auch noch gegründet. Hat so jemand überhaupt noch Ziele? Träume? Wie wäre es etwa mit dem einen großen Hit, dem richtigen Durchbruch mit Gold und Platin? Das braucht der Gitarrenlehrer der Nation nicht. Er ist bescheiden. „Ich habe nicht unendlich viel Geld, aber ich kann von meiner Arbeit gut leben.“ Aber eine Kleinigkeit ist da noch. „Es gibt noch ein paar Festivals, auf denen ich gerne spielen würde. Etwa Glastonbury oder Roskilde.“ Mit der alten Bröselmaschine hat er dort schon gespielt. „Aber es wäre ein Traum, noch einmal vor diesen Menschen aufzutreten.“

peter-bursch.de

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