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Schwerer Stand für Outlets in NRW

Foto: Lina Niermann

Der Wettlauf um ein Outlet-Center im Bergischen Land ist zu einem zähen Marathon zwischen Wuppertal und Remscheid geworden. Während in Remscheid-Lennep der Baubeginn für das Designer-Outlet-Center (DOC) weiterhin auf sich warten lässt, sind äußerlich ebenfalls keine Fortschritte beim Bau des Factory-Outlet-Centers (FOC) am Wuppertaler Döppersberg in Elberfeld erkennbar. Was ist da los? Und was wurde eigentlich aus dem Solinger Projekt „MyUrbanOutlet“ und Duisburgs Plänen?

Im Bergischen Land behaken sich die Nachbarn. Aufreger ist die Frage, wer als erstes das Rennen um die Ansiedlung eines Outlet-Centers vor der Haustür macht. Sprich, wessen Investoren-Projekt rund um ein dorfgroßes Einkaufszentrum voller Billiganbieter die Kaufkraft im Einzugsgebiet an sich ziehen kann. Während die Clees-Unternehmensgruppe am Wuppertaler Döppersberg ihr FOC baut, soll in Remscheid ein DOC des Investors McArthurGlen im Stadtteil Lennep entstehen. Eigentlich hätte das FOC in Wuppertal bereits im Spätsommer2017 eröffnen sollen. Die Eröffnung des Remscheider FOC war mal für Frühjar 2016 geplant. Immer wieder kam es zu Verzögerungen.

Aktuell gehen die Remscheider davon aus, dass ihr Center, dessen Baubeginn immer noch auf sich warten lässt, 2020 die Tore öffnet. Und Wuppertal? Zwar ist dort der Baustart schon erfolgt, aber wirklich was zu sehen gab es noch nicht. Und derweil können weder die Stadtverwaltungen, noch die Investoren genau sagen, wann es denn mir den Center-Ansiedlungen vorwärts geht. Zünglein an der Waage wird schließlich sein, was denn das Verwaltungsgericht Düsseldorf und das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheiden werden. Die Stadt Remscheid hat Klage gegen das Wuppertaler Bauvorhaben eingereicht, andererseits liegen gegen das Remscheider Center gleich 13 Klagen vor. Neben Anwohnern und Geschäftsleuten klagt hier auch die Stadt Wuppertal.

Da die Mühlen der Justiz erfahrungsgemäß manchmal recht langsam mahlen, kann noch einige Zeit vergehen, bis sich in Sachen Outlet-Center etwas voranbewegt. „Ein Zustand, der bereits seit Monaten anhält. Wirklich was Neues gibt’s zur Situation nicht, wir müssen abwarten, was die Gerichte entscheiden“, sagt Viola Juric, Stadtsprecherin Remscheids. Um die Bürger auf dem Laufenden zu halten, was das Verfahren angeht, hat man von Seite der Stadt schon länger eine eigene Webpräsenz zur Causa Outlet-Center auf www.remscheid.de eingerichtet. Derzeit gehen Stadt und Investor davon aus, dass 2020 der Bau des Centers starten wird.

Wird’s bis Ende des Jahres doch noch was?
In Wuppertal hat man hingegen den für Ende 2018 vorgesehenen Eröffnungstermin bis auf Weiteres verschoben , wie es vom Investor heißt. Denn durch den anhaltenden Rechtsstreit sei keine Planungssicherheit gegeben. Zu Meldungen in den vergangenen Monaten, dass man im Rathaus das Outlet-Projekt längst abgeschrieben hätte, bezog man auf Anfrage keine Stellung. Wuppertals Pressestelle verwies darauf, dass es sich um ein privates Bauvorhaben handle und man auf Seiten der Verwaltung keine Auskunft über das Projekt geben wolle. Hüben wie drüben heißt es erst einmal abwarten!

Keinen Neubau auf der grünen Wiese, sondern eine Reaktivierung von vorhandenen Handelsflächen erhoffte sich auch die Stadt Solingen von ihrem Outlet-Projekt. Die in die Jahre gekommenen Clemens-Galerien am Mühlenplatz sollten zum city-integrierten Outlet-Center „MyUrbanOutlet“ umgestaltet werden. So jedenfalls war es 2015 von der Berliner Gruppe CR Investment Management, der damaligen Eigentümerin der „Sunrise Properties“, zu welcher das Center gehörte, kommuniziert worden. Das Innenstadt-Outlet sollte das unter vielen Leerständen leidende Center wieder auf Kurs bringen.

Kurzum wurde ein tragfähiges Konzept präsentiert, das mit begleitenden Sanierungsmaßnahmen hätte umgesetzt werden sollen. 10 Millionen Euro sollte das Umrüsten der Einzelhandelsimmobilie kosten. Doch bevor Geld in die Hand genommen wurde, kündigte die Eigentümerin allen Mietern, die nicht mehr ins zukünftige Konzept gepasst hätten. Nur, um dann zu verkünden, dass man mangels Vermarktbarkeit des Standortes das Center weiterverkauft habe. Die jetzige Eigentümerin, die Schweizer Real Estate Portfolio Consulting AG, und der Projektvermarkter Dr. Jochen Stahl investieren derzeit in den Umbau des Centers. Das soll 2019 neu eröffnen – aber nicht mehr als Outlet-Center.

Auch diese Nachbarn scheiterten bereits
Ebenfalls mit dem Bergischen Land als Einzugsgebiet für die potenzielle Käuferschaft sollte auch in Duisburg ein Outlet-Center entstehen. Gleich zwei Ansiedlungsversuche für solche Bauten scheiterten krachend in den vergangenen Jahren. Auf insgesamt 120 000 Quadratmetern in Duisburg-Hamborn und -Marxloh wollte die niederländische Douvil GmbH ein Projekt mit 140 Shops namens Duisburger Outlet Village realisieren. 125 Millionen Euro sollten in den Bau fließen, in dem auch die Rhein-Ruhr-Halle hätte aufgehen sollen.

Für das Center, das seit 2011 im Gespräch war, hätten die Häuser der Siedlung Zinkhüttenplatz abgerissen werden müssen, 400 Menschen hätten ihre Wohnungen verloren. Das Center sollte eigentlich 2013 bereits in Teilen eröffnet werden, aber nachdem der Investor den Baustart über mehrere Jahre immer wieder aufschob, wurde das Projekt 2016 von Duisburger Stadtrat endgültig beerdigt.

Weitaus länger hielt die Politik hingegen an den Plänen fest, die die spanische Neinver-Gruppe,die größte Outlet-Center-Entwicklergesellschaft Europas, über Jahre für Duisburg verfolgte. Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände auf dem im Jahr 2010 die Loveparade stattfand, bei der 21 Menschen starben, sollte auf 30 Hektarn Fläche ein Designer Outlet Center gebaut werden. Im Februar 2017 gab der Rat der Stadt Duisburg grünes Licht für den Center-Bau.

Die Bürgerinitiative „Ja zu Duisburg – kein DOC“, die von dem Düsseldorfer Architekten Walter Brune medial stark unterstützt wurde, erreichte jedoch einen Bürgerentscheid. Über 200 000 Duisburger stimmten dabei ab. Letztlich votierten 51,09 Prozent gegen und 48,91 Prozent für den Bau des Designer Outlet Centers. Die knappe Mehrheit reichte aber aus, um die Pläne der Neinver-Gruppe am Ende noch zu verhindern.

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