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Momente des Glücks: 5 gute Bücher aus NRW

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Wenn es schon kalt werden muss, wenn wir wieder mehr drinnen als draußen sind, dann doch wenigstens mit einem guten Buch in der Hand. Hier sind fünf regionale Bücher-Tipps von Alexandra von Braunschweig, die die Abende kürzer, den Kartoffelsalat abwechslungsreicher und die Kinder besser gelaunt machen.

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Unsere Glücksmomente

Glück ist ein unberechenbarer Kandidat. Es sucht sich aus, wann und vorallem bei wem es vorbeischaut. Katrin Pinetzki ist es aber gelungen, zumindest ein bisschen davon einzufangen und ins Bücherregal zu stellen. In „Unsere Glücksmomente – Geschichten aus Dortmund“ hat sich die Autorin auf die Suche gemacht nach Menschen und Momenten, die ein gutes Gefühl hinterlassen.

Und es könnte kaum würdigere Protagonisten für die erste von 19 Geschichten geben als Julia Weinand und Sarah Brummelte. Sie helfen in ihrem Geburtshaus fast jeden Tag dem Glück, auf die Welt zu kommen.

Katrin Pinetzki hat die offensichtlichen Orte abgeklappert wie die Spielbank, aber auch die feinen auf den Zweiten-Blick-Dusel-Bringer aufgespürt wie das Steigerlied.

Das Buch kommt gerade recht: Glück zum Nachlesen ist immer eine Bereicherung, im Moment können wir aber positive Geschichten besonders gut gebrauchen.

Katrin Pinetzki: Unsere Glücksmomente – Geschichten aus Dortmund, Wartberg Verlag, Gudensberg 2020, 79 Seiten, 12 Euro

Der letzte Satz

Es ist die letzte Reise von Gustav Mahler. Auf der Überfahrt von New York nach Europa bleibt dem gefeierten Komponisten und Dirigenten mehr Zeit, als ihm lieb ist, um mit den Bildern seiner Vergangenheit zu kämpfen.

Das ist der Rahmen, den Robert Seethaler in der „Der letzte Satz“ mit Leben füllt. Mit Mahlers Leben, das trotz aller Bewunderung, die der Musiker schon zu Leibzeiten erfahren hat, aus ihm einen grantelnden Menschen gemacht hat. „Man bleibt, was man ist und wird im Leben kein anderer mehr“, lässt Seethaler das Ausnahmetalent sagen.

Seine Frau Alma lässt ihn spüren, dass eine Ehe mit ihm nicht immer einfach ist, der frühe Tod seiner Tochter Maria, der Kampf mit den „Wächtern des Althergebrachten“.

Seethaler lässt ein wunderbar einfühlsames und melancholisches Bild entstehen, das Matthias Brandt mit der ruhigen Gelassenheit liest, die es braucht, um das aufwühlende Leben des Musikers zu erzählen.

Matthias Brandt liest „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, Tacheles, Bochum 2020, 2 Std. 46 Minuten, 19 Euro (UVP)

Pinocchio

Die Holzpuppe ist Kult. Dank ihr sind Generationen mit der Befürchtung aufgewachsen, dass die Nasenspitze die ein oder andere Flunkerei verraten könnte. Schließlich hat auch Pinocchios Holzstupsnase bei jeder Lüge epische Ausmaße angenommen.

Die Geschichte des italienischen Autors Carlo Collodi ist 1883 erstmals veröffentlicht worden und seitdem in vielen verschiedenen Ausgaben erschienen. Aber wahrscheinlich noch nie in einer so schönen, wie die der Designkünstler MinaLima.

Hinter dem Namen verbergen sich Miraphora Mina und Eduardo Lima, die dem geneigten Harry-Potter-Fan vertraut sein dürften, weil sie sich für den grafisch-visuellen Stil der Kinofilme verantwortlich zeichnen.

Mit genauso viel Hingabe haben MinaLima jetzt die Leinen-Ausgabe von Pinocchio zu einem haptischen Erlebnis werden lassen. Jedes Kapitel wird von Illustrationen eingeläutet.

Zudem machen die bewegbaren Figuren, wie der Pinocchio-Hampelmann mit wachsender Nase, das Buch zu etwas Besonderem.
Carlo Collodi: Pinocchio, Coppenrath Verlag, Münster 2020, 288 Seiten, 32 Euro

Ein Tag ohne Kartoffelsalat

Für manche ist es das Lächeln, für andere der Kartoffelsalat – für Martina Meuth und Bernd (Moritz) Neuner-Duttenhofer bestimmt beides. Ein Tag ohne das eine oder das andere lohnt der Erwähnung kaum. Um dabei nicht in Langeweile und Überdruss zu versinken, haben die beiden ihren 100 liebsten Variationen mit „Ein Tag ohne Kartoffelsalat ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag“ ein ganzes Buch gewidmet.

Sie finden, „wer zweimal im Jahr (oder sogar im Leben) den gleichen Kartoffelsalat isst, ist selber schuld“. 100 verschiedene Kartoffelsalat-Rezepte? Wie soll das gehen? Da gehören Kartoffeln rein, Gurken, Zwiebeln – fertig. Okay, die Sauce kann noch variieren. Aber das war‘s.

„Die meisten denken an ,den‘ Kartoffelsalat, also den einzigen, den sie kennen oder gern mögen, dessen Zubereitung sie als perfekt ansehen und der daher quasi sakrosankt ist“, findet das Koch-Duo. Wer wie Martina und Moritz sakrosankt gegen Fantasie tauscht, kombiniert Kartoffeln mit Mohn. Oder mit Edelpilzkäse. Oder mit Kaninchen, Artischocken und Trüffel.

Eine kleine Warenkunde für die verschiedenen Kartoffel-Sorten gibt es gratis noch dazu. Denn die Knolle ist an sich schon facettenreich. Glaubt man den beiden, dann sind die geschmacklichen Akzente sogar ausgeprägter, als es verschiedene Reissorten sein könnten. Kartoffelsalat-Fans finden in Martina und Moritz ihre Meister – wenn auch ein bisschen Wagemut dazugehört.
Martina und Moritz: Ein Tag ohne Kartoffelsalat …“, Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2020, 256 Seiten, 28 Euro

Goethe für Klugscheißer

Um ihn kommt keiner drumrum: Mindestens ein Werk von Johann Wolfgang von Goethe hat jeder in seiner Schulzeit durchackern müssen. Der große deutsche Dichter gehört zum Kulturgut und zur Allgemeinbildung. Wenn es da etwas hapert, bieten Dagmar Gaßdorf und Bertold Heizmann ihre Unterstützung an.

In „Goethe für Klugscheißer“ haben die promovierte Philologin und der Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft in Essen beachtliches Angeberwissen zusammengetragen. 50 unterhaltsame Kapitel geizen nicht mit den Schwächen des Dichterfürsten, bringen eher unbekannte Fakten an den Tag und zeigen den Faust-Erfinder von seiner menschlichen Seite.

Goethe in Zahlen liest sich in etwa so: In Deutschland gibt es 2215 Straßen, die seinen Namen tragen und 46 Schulen. 157 Goethe-Institute vermitteln in 98 Ländern die deutsche Kultur und Sprache. Und wenn wir schon bei Sprache sind: Dafür wird der Großmeister zurecht gefeiert – und doch scheinen manche Gedichte fast ein bisschen schludrig.

Der Grund dafür ist laut Dagmar Gaßdorf die Heimatverbundenheit Goethes. Der Frankfurter Bub hat seinen hessischen Dialekt nie ganz ablegt. Verpasst man manchen Endungen den weichen Singsang, reimen sie sich auch schon. Der vornehme Herr soll auch ein Freund der Fäkalsprache gewesen sein: Eins seiner Lieblingswörter war scheißig.

Dagmar Gaßdorf und Berthold Heizmann möchten gerne mit ihrem Klugscheißer-Wissen andere für den großen deutschen Dichter begeistern – und das gelingt auf sehr unterhaltsame Weise.
Dagmar Gaßdorf & Bertold Heizmann: Goethe für Klugscheißer, Klartext Verlag, Essen 2020, 104 Seiten, 14.95 Euro

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