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Martin Sonneborn im Interview zu „Krawall und Satire“

Deutschlands Chefsatiriker: Martin Sonneborn | Foto: T. Rethmann

Martin Sonneborn, ehemaliger Titanic-Chefredakteur und EU-Parlamentsabgeordneter, seziert in seinem Programm „Krawall und Satire“ alles, was ihm einfällt, mit scharfen Worten und bissigem Humor. Mit Tossia Corman sprach er über Hartz IV und den Einfluss von Social Media.

Krawall und Satire – in welchem Verhältnis stehen diese beiden Dinge im Idealfall?
Bestenfalls in einem positiven. Ich mag Satire, die krawallig, plakativ, populistisch und komisch ist. Der Titel „Krawall & Satire“ geht auf den „stern“ zurück, ein Tittenblatt aus Hamburg mit sinkender Auflage. Nachdem wir ein paar gute Witze über die Titel gemacht hatten, bezeichnete der „stern“ mich als „Krawallsatiriker mit Profilneurose“. Und hat damit natürlich Recht.

Was gibt’s Neues aus dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten?
Ups, Sie erwischen mich auf dem falschen Fuß. Mehr bewirkt habe ich im „Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres“, in dem ich gar nicht Mitglied bin. Aber mit einem schmutzigen Geschäftsordnungstrick konnte ich dort kürzlich für den abwesenden Udo Voigt einspringen und mit einer einzigen, entscheidenden Stimme die neue Datenschutzverordnung ePrivacy mit durchbringen. Auch wenn Facebook, Google, Amazon, Microsoft, Vodafone, CDU/CSU und Mathias Döpfner getobt haben – Europa hat den 184.709 PARTEI-Wählern tatsächlich einiges zu verdanken.

Was ist eigentlich aus dem von Ihnen beim Einzug ins EU-Parlament angekündigten Rotationsprinzip geworden?
Das ließ sich – zum Glück – aus juristischen Gründen nicht umsetzen. Der Staatsrechtler von Arnim hat sofort gewarnt, dass das Parlament uns nach zweimaligem Wechsel in einer einfachen Abstimmung das Mandat hätte entziehen können. Der banale Verdacht, wir würden mit der Rotation „gegen den Geist der Verträge von Lissabon verstoßen“, hätte als Anlass ausgereicht.

Sie erwähnen ja gerne die Summe, die Sie als Parlamentsmitglied monatlich verdienen – was ist in diesem Zusammenhang Ihre Meinung zu Spahns kürzlich getätigten Äußerungen zu Hartz IV? 
Meine Kollegen im Parlament haben mich gebeten, nicht so viel über Geld zu sprechen… Zum Spinner Spahn möchte ich nur anmerken, die Forderung, er möge mal einen Monat von Hartz IV leben, ist unsinnig: Spahn lebt doch jeden Tag von Hartz IV. Mindestens!

Würden Sie mit der monatlich als Grundsicherung zur Verfügung gestellten Summe auskommen? 
Ich habe bereits öffentlich bekundet, dass ich in Brüssel seit über drei Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen in erheblicher Höhe teste – und bisher noch keinen einzigen Nachteil feststellen konnte.

Worauf könnten oder wollten Sie nicht verzichten?  
Schlechte Witze, Krawall, Satire.

Wird im EU-Parlament tatsächlich so viel Stuss geredet, wie uns (vor allem) durch Social Media vermittelt wird? 
Ich fürchte: noch viel mehr. Und wenn abgehalfterte EU-Parlamentarier wie mein Freund Herbert Reul dann zurück nach Deutschland kommen, stellen sie das keinesfalls ein. Nicht mal als Innenminister in NRW.

Wieviel bekommt man als durchschnittlich politisch interessierter Mensch, der auf die mediale Vermittlung von Informationen angewiesen ist, wirklich mit?
Zu wenig. Andererseits finden Sie natürlich im Internet alles, Sie müssen nur danach suchen. Ich betrachte mich inzwischen auch als Gate Keeper für die semiseriösen Seiten der EU. Über die seriösen Seiten wird ja hinreichend berichtet.

Laufen wir Gefahr abzustumpfen, ob der schier nicht abreißen wollenden Flut an Informationen in ebendiesen Medien?
Ja. Es ist Unfug, dass absolut alles in größtmöglicher Schnelligkeit berichtet werden muss. Andererseits ist diese unfassbare Unübersichtlichkeit und das entsprechende Bedürfnis nach überschaubaren Strukturen und einfachen Antworten natürlich der Boden für populistische Parteien wie CSU, FDP, AfD und uns.

Beobachten Sie bei sich selber diese Entwicklung?
Selbstverständlich.

Anfangs hatte man das Gefühl, dass ihr Einzug ins Parlament vordergründig auf Krawall und Satire abzielte – wie ist das heute, nach gut vier Jahren? 
Ich glaube nicht, dass sich daran etwas geändert hat.  Und gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort, dass wir auch weiterhin Ihr führender Politikanbieter in diesem Segment bleiben werden!

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