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Stefan Kleinkrieg: Das Rumpsteak & der Dalai Lama

Foto: Fabian Paffendorf

Sich eine Gitarre umhängen – und einfach rauf auf die Bühne! Für den Extrabreit-Gitarristen Stefan Kleinkrieg war und ist es genau das, was er immer wollte. Aber der Hagener kann mehr, als seinen Saiten eingängige Melodien zu entlocken. Mit Worten kann er auch ziemlich gut. Weil’s ziemlich intelligente, lustige und auch spannende Sachen sind, die Kleinkrieg zu sagen hat, gibt’s eine Auswahl seiner Kurzgeschichten jetzt als Buch mit dem Titel „Das Rumpsteak & der Dalai Lama“.

Das Leben schreibt kuriose Geschichten: Da gründest du eine Band, weil du Bock hast, Musik zu machen. Und 40 Jahre später? Da landet eure Geschichte im Museum. Zugegeben, das passiert nicht oft. Stefan Kleinkrieg, seines Zeichens Gründer und Gitarrist der Band Extrabreit, ist’s passiert. Die Ausstellung „Hagen, Popstar, Glück“ im Hagener Osthaus-Museum präsentiert aktuell eine Vielzahl von „breiten“ Exponanten. Ein guter Ort also, um sich dort zu unterhalten – über die Band, Hagen und Kleinkriegs literarischen Erstling „Das Rumpsteak & der Dalai Lama“.

„Ich war noch nicht in der Ausstellung, lass uns mal hin“, schlägt Stefan vor. Gute Idee. Leider am falschen Tag, denn montags hat das Museum zu. Schade. Durch die Scheibe lässt sich trotzdem gut in den Museums-Shop linsen. „Da wird mein Buch bald verkauft, können die Leute mich angucken und gleich mitnehmen, wenn sie wollen“, feixt der reife Nachwuchsautor. Überhaupt ist das Altern ein Thema, mit dem sich der 62-Jährige intensiv auseinandersetzt. Das sei schon ein wenig bekloppt: „Da machen so Kids wie wir eine Band – und dann sind mal schnell 40 Jahre vergangenen. Das ist ja fast schon ein halbes Jahrhundert.“ Hagen sah damals anders aus. Und wenn man mit einem guten Produzenten ein Album machen wollte, dann griff man zum Telefonbuch und rief einfach an. Geht heute so nicht mehr. Heute sind Smartphone und Social Media wichtigste Werkzeuge, wenn Kontakte aufgebaut und vertieft werden sollen.

Rotwein-Literatur

Die Götterdämmerung im Web 2.0 war es, die den Gitarristen zum Autoren werden lies. „Ein Freund hat mir eine Homepage gebastelt und da habe ich einen Blog gepflegt. Solo-Songs, Bilder und kleine Geschichten veröffentlicht.“ Was Stefan Kleinkrieg bei einer Flasche Rotwein in die Tastatur hackte, war ein Allerlei an Räuberpistolen, Alltagsbegebenheiten und Geschichten aus derExtrabreit-Frühzeit. Diese „Betrachtungen eines mittleren Charakters“ getauften Anekdoten hat Kleinkrieg live gelesen und auf Vorschlag der Extrabreit-Rowdies auf einer Spoken-Word-CD verbreitet. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei Autoren und Verlegern kam das gut an. Klaus Marschall, Mitautor der Peter Behrens-Biografie „Der Clown mit der Trommel“, und Björn Bedey vom Acabus Verlag hätten laut Kleinkrieg kaum mehr Ruhe gegeben: „Ich sollte ein Buch machen. Nur hatte ich keine Lust, nochmal alles korrekturzulesen. Ist mir schon stressig genug, Texte rauszukopieren und an andere Stelle wieder reinzumachen.“ Als der Verlag versprach, die lästigen Arbeiten für ihn zu übernehmen, war das Buch in trockenen Tüchern. Eigentlich hätte für das Buch auch der Titel „Mittellos in Hagen“ gepasst, meint der Autor. So erklärt er im Buch auch die Erfindung des Nürseltrinken. Dabei handelt es sich um eine Masche, um sich ohne Geld in den Taschen in Kneipen trotzdem betrinken zu können. Fabian Paffendorf

Das Rumpsteak & der Dalai Lama , 180 Seiten, Acabus Verlag, ISBN: 3862825965, 15 Euro.

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