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Der mit dem Schwert tanzt: Kampfkunst in Wuppertal

Foto: Christoph Ledder
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Stefan Dieke schwingt gemeinsam mit seinen Schülern die Schwerter und Säbel. Und das mitten in Wuppertal. Ein Besuch beim Experten und Lehrer für historische Kampfkunst.

Seit den frühen 90er-Jahren begeistert sich Stefan Dieke für historische Kampfkunst. In dieser Zeit hat er Mittelaltermärkte organisiert und ist dadurch mit dem Schwertkampf in Berührung gekommen. „In der Regel sehen die Leute auf den Märkten Schaukämpfern zu. Das hat allerdings nichts mit Schwertkampf zu tun“, sagt Dieke. Vielmehr diene es der Unterhaltung des Publikums.

Dieke selbst hat sich aus Schaukämpfen nie viel gemacht. Zu groß war die Faszination des wahren Schwertkampfes, sodass er und einige Freunde real gegeneinander und ohne Zuschauer gekämpft haben. Zu den verschiedenen Stilen gehörte beispielsweise auch das sogenannte Rapier-Fechten, das bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Dabei steht der Begriff „Rapier“ für das Schwert des Adels und des gehobenen Bürgertums im 16. und 17. Jahrhundert. Vorrangig wurde es zur Selbstverteidigung genutzt. „Allerdings hatten wir keinen blassen Schimmer, was wir da eigentlich machen. Wir wussten nur, dass derjenige, der schneller ist, gewinnt“, sagt Dieke heute. Als Schutzkleidung dienten ihnen Eishockey-Ausrüstungen. „Blaue Flecke und den einen oder anderen Kratzer hat es aber schon gegeben“, sagt er. Im Laufe der Zeit hat er sich die korrekte Schwertführung sowie die richtige Bein- und Armarbeit aus Büchern angelesen. Unter anderem waren dies Schätze aus dem 16. Jahrhundert, zu denen er als damaliger Geschichtsstudent leichten Zugang hatte. „Während meines Studiums habe ich sehr viel Zeit in Bibliotheken gesessen und mir das Wissen über die Fechtkunst angeeignet“, erzählt Dieke.

Mühen lohnen sich
Mühsam sei die Interpretation der Darstellungen in den Büchern gewesen, „da sie ja auch in der Sprache der damaligen Zeit geschrieben sind“, so Dieke. Nach mehreren Jahren des intensiven Studiums hat der Kampfkunstlehrer die notwendigen Informationen zur Rapierfecht- und Schwertkampfkunst erlernt und die Anstrengungen haben sich gelohnt. „Das Wissen, das ich mir damals angeeignet habe, gebe ich heute an meine Schüler weiter“, erläutert Dieke. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene können an seinen Kursen in Wuppertal-Unterbarmen teilnehmen. „Meine Schüler sind eine buntgemischte Truppe im Alter von 15 bis 55 Jahren“, so Dieke. Allerdings sei die Schülerschaft eher eine Männerdomäne: „Historische Fechtkunst zieht generell nur sehr wenige Frauen an.“

Kampfkunst auch in Amerika
Stefan Dieke unterrichtet jedoch nicht nur in Wuppertal, sondern hat es mit seiner Lehrtätigkeit für die alte Kampfkunst bis in die USA und nach Kanada geschafft. „Die historische Kampfkunstszene ist international sehr vernetzt“, erläutert er. Gründe dafür liegen einerseits in der überschaubaren Größe der internationalen Szene, andererseits ist die Kommunikation im Zeitalter von Social Media deutlich einfacher als früher geworden. „Früher gab es noch Mailinglisten“, so Dieke. Über eine solche Liste hat er Anfang 2000 eine Einladung von Freunden in die USA bekommen, wo er erstmalig eine Klasse in Rapierfechten unterrichtete. „Das war schon ein großer Moment für mich, da ich bis zu diesem Zeitpunkt ja selbst noch Schüler war und nun eine ganze Woche mein Wissen an andere weitergeben durfte“, erinnert sich der Kampfkunstlehrer. In dieser Zeit konnte er auch deutlich den Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Schülern feststellen. „Die Amerikaner wollen immer in der Kleidung der damaligen Zeit oder auch in Rüstungen kämpfen“, so Dieke.
Obwohl er diese Verkleidungen ablehnt, steht Sicherheit für ihn und seine Schüler stets an erster Stelle. „Heute haben wir professionelle Ausrüstungen, die vor allem das Gesicht und den Oberkörper schützen. Ganz wie beim klassischen Sportfechten“, betont der Lehrer. Durch Leute wie Stefan Dieke bleibt nicht nur das Wissen um alte Kampfkunst, sondern auch ein Hauch längst vergangener Jahrhunderte erhalten. Christoph Ledder

Alte Kampfkunst Fuchsstraße 26, Wuppertal

Christoph Ledder

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