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We are not America: Incubus im Interview

Foto: Prime Entertainment

Die neue Platte von Incubus trägt den Titel „8“. Was passend ist, da es das – genau – achte Album der fünf Kalifornier ist. Rund 20 Jahre nach Release ihres Erstlingswerkes tauchten Incubus 2017 mit der Veröffentlichung aus einer längeren Schaffenspause wieder auf. Tossia Corman sprach mit DJ und Keyboarder Chris Kilmore über treue Fans, Sänger Brandon Boyd und die aktuelle Lage seines Heimatlandes.

Ihr habt euch Zeit gelassen, das aktuelle Album zu veröffentlichen – was habt ihr gemacht in der Zwischenzeit?
Wir waren bis 2015 noch auf Tour, darum hat sich die Zeit gar nicht so lang angefühlt. Danach haben wir tatsächlich eine kleine Pause eingelegt, haben uns neue Inspirationen geholt – die beste Methode dafür ist, sich zurückzuziehen, einfach das „normale“ Leben zu leben, Zeit mit unseren Familien zu verbringen. Wir haben uns mit diesem Album wirklich Zeit gelassen, ich glaube sogar, das ist die Platte, an der wir am längsten gearbeitet haben.

Hat sich eure Fanbase verändert in den letzten Jahren?
Wir haben eine sehr treue und loyale Fangemeinschaft – manche Leute haben schon über 200 Shows gesehen. Wir haben den Witz in der Band, dass wer über 80 Shows besucht hat, für immer freien Eintritt bekommt. Und diese Fans sind mit uns gewachsen, auch älter geworden – viele haben selber Kinder, die jetzt auch zu unseren Konzerten kommen. Es ist also alles immer im Progress. Das ist sehr schön zu erleben.

Gibt es einen roten Faden auf dem Album?
Für mich sind der rote Faden immer Brandons Texte. Er ist so vielfältig künstlerisch begabt. Was ich an seinen Songs mag, ist, dass er immer vage bleibt, immer Raum für eigene Interpretationen lässt. Während wir das Album aufgenommen haben, waren gerade Wahlen in Amerika – Obama war noch Präsident, aber wir wussten, dass es nicht gut aussieht. Brandon spricht zwar in keinem Song konkret darüber, aber trotzdem haben für mich alle Stücke mit diesem Thema zu tun. Aber ganz ehrlich – ich habe Brandon noch nie gefragt, was er in seinen Texten sagen will. Er sagt immer: ,Es bedeutet, was immer du willst, dass es bedeutet!‘

Wie wichtig ist es, als Band auch politisch Position zu beziehen?
Wieder kommen Brandons Lyrics ins Spiel – er verleiht seiner Meinung so subtil Ausdruck, dass sie immer durchscheint, aber trotzdem sehr viel Spielraum für eigene Interpretation bleibt. So beziehen wir Stellung, ohne eine direkt politische Band zu sein. Es gibt Bands und Leute im Rampenlicht, deren Rolle das ist – zu protestieren, aufmerksam zu machen, Meinungen zu vertreten. Wir sehen uns als Band nicht vordergründig in dieser Position. Wir versuchen zu helfen, wo wir können, uns zu engagieren. Wir passen aufeinander auf und gehen mit gutem Beispiel voran.

Wie seht ihr die aktuelle Entwicklung eures Heimatlandes?
Ich schäme ich. Das ist das überwiegende Gefühl momentan. Und ich bin bestürzt darüber, in welche Richtung unsere Politik und somit auch die für uns so wichtige Demokratie sich bewegt. Wir kommen so viel herum auf der Welt – und mitzubekommen, wie die ganze restliche Welt auf Amerika schaut und wie über unsere Heimat gedacht wird, ist Scham das einzige Gefühl, was wir empfinden. Auch wir als Band sind nicht glücklich mit der Entwicklung, die unser Land gerade durchmacht.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr euer Heimatland erklären müsst? Und die Dinge, die gerade passieren?
Wenn wir auf Tour sind, sind wir ehrlich gesagt in einer Blase. Die meisten Menschen, mit denen wir in Berührung kommen, teilen die selben Einstellungen und Gedanken mit uns – deshalb ist dieses Gefühl nicht so ausgeprägt. Manchmal habe ich allerdings von ganz alleine das Bedürfnis, klarzumachen, dass wir nicht Amerika sind, sondern einfach nur fünf Jungs aus Kalifornien, die Musik machen.

Incubus: 28.8., Palladium, Köln

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