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Serien-Empfehlung: How to Sell Drugs Online (Fast)

Foto: Sharon McCutcheon

Deutsches Fernsehen kann doch was! Naja, oder zumindest deutsches Online-Fernsehen. Mit „How to Sell Drugs Online (Fast)“ hat Netflix am 31. Mai bereits seine dritte deutsche Serie – nach „Dark“ und „Dogs of Berlin“ – an den Start gebracht: Eine Coming-of-Age-Story mit „Breaking Bad“-Anleihen in der norddeutschen Provinz.

Die Adoleszenz in der Provinz kann eine sehr ernüchternde Lebensphase sein. Der Stillstand in der gesellschaftlichen Peripherie hat daher schon die ein oder andere absurde Ideen-Blüte getrieben. So auch bei Moritz Zimmermann (Maximilian Mundt), der als Protagonist in „How to Sell Drugs Online (Fast)“ mit einer großen Menge MDMA seine Ex-Freundin Lisa (Lena Klenke) beeindrucken will. Die findet sich nach einem Austauschjahr in den USA in der Kleinstädtigkeit des fiktiven Orts Rinseln nämlich so gar nicht mehr zurecht und hat ihrer Beziehung mit Moritz erst einmal eine Pause verordnet – was der nur mäßig souverän wegsteckt. Zu allem Unglück scheint Lisa auch noch mit Schulschönling und Teilzeitticker Daniel Riffert (Damian Hardung) anzubändeln. Moritz und sein bester Kumpel Lenny (Danilo Kamperidis), die eigentlich gemeinsam ein Online-Start-Up gründen wollen, müssen schwere Geschütze auffahren.

Das klingt alles erstmal nach Schema F und RomCom-Material, entwickelt sehr schnell aber einen narrativen Drive mit Sogwirkung. Moritz hat sich das MDMA nämlich nicht ganz konfliktfrei vom Kleinstadtdealer Buba (Bjarne Mädel) besorgt, der sehr bald sein Geld oder seine Ware zurückhaben möchte. Die aber vertreiben Moritz und Lenny kurzerhand über einen Online-Shop im Dark Web und scheffeln so ordentlich Kohle. Dass das auf lange Sicht Probleme mit sich bringt, liegt wohl auf der Hand.

In „How to Sell Drugs Online (Fast)“ handelt die Kölner bildundtonfabrik (u.a. Neo Magazin Royale) in nur sechs kurzen Episoden (28 bis 32 Minuten) eine ganze Reihe zeitgenössischer Themen ab: Einfluss von sozialen Medien auf das echte Leben; die Diskrepanz zwischen der unendlichen Weite des Internets und der beklemmenden Enge deutscher Kleinstädte; die Unfähigkeit älterer Generationen, den lebensbestimmenden technologischen Fortschritt und dessen Folgen für den eigenen Nachwuchs nachzuvollziehen. Thematik, Handlung und audio-visuelle Handwerkskunst greifen dabei ineinander wie ein Uhrwerk. Einziges Manko sind die manchmal etwas störenden nachträglichen Synchronisierungen. Ansonsten sticht vor allem der Soundtrack von Konstantin Gropper (Get Well Soon) hervor. Falsch machen kann man mit den knapp drei Stunden Serienlaufzeit also wenig, gerade an einem verregneten oder verkaterten Sonntag.

Übrigens basiert die Handlung auf wahren Begebenheiten: 2015 nahm die Polizei Leipzig einen 20-jährigen fest, der aus seinem Kinderzimmer heraus über den Webshop „Shiny Flakes“ mehr als eine halbe Tonne verschiedenster Substanzen vertrieben hat – alles ganz bequem per Post.

How to Sell Drugs Online (Fast): bisher 1 Staffel (28–32 Minuten); OT: Deutsch

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