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Start-Up Szene Ruhrgebiet: 3 Gründerinnen im Interview

Foto: Brooke Lark

Das Ruhrgebiet ist Start-Up Hochburg und baut diesen Status kontinuierlich aus. Dabei sind im Bundesdurchschnitt allerdings immer noch über 80% der Gründer Männer (Stand 2018). Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich dieses Missverhältnis auf Dauer von selbst erledigen wird. Dass zeigen die folgenden Interviews mit drei Gründerinnen aus dem Ruhrgebiet: Carmen Radeck, Lea-Maria Zimmermann und Katharina Kühn.

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Carmen Radeck | Ruhrgründer.de

Foto: Fabian Paffendorf

Seit 2015 bloggt Carmen Radeck auf RuhrGründer.de über die Start-up- und Gründerszene in der Region. Wir sprachen mit ihr über ihren Start in die Selbstständigkeit und über kommende Projekte.

Wie sah dein Weg in die Selbstständigkeit eigentlich aus?

Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Musikalienhändlerin absolviert. Das war nicht ganz im Sinne meiner Eltern, aber ich hatte da Lust drauf. Nach der Ausbildung habe ich in dem Laden gearbeitet und parallel Germanistik und Philosohie studiert, das Studium mit einem Magister abgeschlossen. Zu der Zeit hatte meine Schwester bei einer Tageszeitung voloniert. Eines Tages erzählte sie, dass man dort Mitarbeiter suchte. Ab 2009 habe ich neben dem Job im Geschäft für die Zeitung geschrieben. Ich war Quereinsteigerin, hatte keine journalistische Ausbildung. Nachdem ich betriebsbedingt im Musikhandel gekündigt wurde, habe ich 2011 aus der freien Mitarbeit eine Vollzeitbeschäftigung gemacht. Damals gab es einen Gründerzuschuss. Was die Auftragslage anging, so wurde ich bei dem Verlag gut eingespannt. Ich habe erst halbtags in den Redaktionen gearbeitet, später ganze Tage. In der restlichen Zeit habe ich Aufträge von Agenturen angenommen. Dann aber kam ein großer Knall: Die Redaktionen wurden geschlossen, meinen Hauptauftraggeber war ich los. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich musste mich ganz neu erfinden. Plötzlich war die Konkurrenzsituation eine ganz andere, weil nun ganz viele Freelancer auf den Markt gespült wurden. Rückblickend war das jedoch das beste, was mir passieren konnte. Den Arschtritt brauchte ich, um weiter vorwärts zu kommen.

Dann bist du mit RuhrGründer.de unter die Blogger gegangen?

Erst einmal habe ich als Texterin freie Aufträge von Agenturen angenommen, für Unternehmen PR- und Online-Auftritte gemacht. Die Idee zu Bloggen hatte ich schon länger. Dieser nachrichtliche Journalismus war nie so meins. Ich habe immer lieber über Menschen geschrieben, die einfach ihr Ding durchziehen. Es ging darum, ein Thema für das Blog zu finden – und da ist dieser Start-up-Hype in meinen Blick geraten. Das war um 2013 etwas, das es in dieser Form nur in Berlin gab. Ich fragte mich: Warum hat das Ruhrgebiet keine Gründerszene? Und wenn es hier doch auch sowas gibt, wo muss man da einhaken, um sich zu vernetzen? Anschlusspunkte waren schwer zu finden. Das Blog war nicht als Geschäftsmodell gedacht. Ich wollte spannende Geschichten über interessante Menschen erzählen, eine Plattform zum Netzwerken schaffen.

RuhrGründer.de ist dann aber relativ schnell bekannt geworden.

Das hat zwei Jahre gedauert, da ist das Wirtschaftsbündnis Initiativkreis Ruhr an mich herangetreten und hatte die Idee, dass man die Start-ups bei einer Veranstaltung zusammenführen sollte. Das lief bombig. Seither kommen immer mehr Leute, die Bock darauf haben, sich kennenzulernen und auszutauschen. Es hat sich in den vergangenen Jahren so viel getan, eine echte Szene ist gewachsen, die sich über Stadtgrenzen hinaus vernetzt hat. Das hatte auch Auswirkungen auf die Veranstraltungsangebote für Gründer. Neben dem RuhrSummit gibt es mittlerweile viele weitere Veranstaltungsformate wie zum Beispiel die FuckUp Nights, bei denen Gründer unterhaltsam von ihren gescheiterten Projekten berichten.

Wo siehst du dich selbst innerhalb dieser Gründer- und Start-up-Szene?

Ich bin eher eine Aktivistin, sehe mich als Sprachrohr und bin zu einem Gesicht der Szene im Ruhrgebiet geworden. RuhrGründer.de hat sich einen Namen gemacht. Viele Unternehmer nehmen das Blog als Anlaufstelle wahr. Und wer bei RuhrGründer.de einen Pressebericht bekommt, der weiß auch, dass der gelesen wird. Es liegt mir am Herzen, die Szene mitzugestalten. Zusammen mit dem Impact Hub Ruhr aus Essen habe ich die Female Founders Ruhr aus der Taufe gehoben. Das sind neue und regelmäßig stattfindende Talk-Abende mit erfolgreichen Gründerinnen. Die nächste Ausgabe ist im Februar. Zukünftig sind noch weitere Sachen geplant. RuhrGründer.de werde ich noch ausbauen, denn die Gründer-Szene wächst ja auch. Angedacht ist, das Blog als Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Ausgeweitet wird zukünftig auch das Storytelling und digitale Wissensprodukte rund ums Blog. Ich habe noch viele Ideen.

Ruhrgründer.de

Lea-Maria Zimmermann | bauduu.de

Foto: Lea-Maria Zimmermann

Gründerin Lea-Maria Zimmermann aus Castrop-Rauxel hat sich mit dem Verleih von Lego-Bausätzen selbstständig gemacht.

Was war für Dich der Grund, in die Selbstständigkeit zu starten?

Ich wollte mein eigenes Ding machen und wollte nicht von anderen Entscheidern abhängig sein. Ich benötige viele abwechselnde Tätigkeiten, Routine liegt mir nicht.

Was hast Du vorher gemacht?

Ich war vorher als Controllerin in einem Hotel angestellt. Die Zeit war lehrreich, aber ich habe immer mehr gemerkt, dass ich lieber mein eigener Chef wäre. Ich mag es nicht, von anderen anhängig zu sein. Da treffe ich lieber meine eigenen Entscheidungen und wenn ich das dann verbocke, stehe ich für meine eigenen Arbeit gerade anstatt für Entscheidungen anderer.

Auf welcher Geschäftsidee basiert Dein Unternehmen?

Ich wollte meinem Kind ermöglichen, so viel Lego-Sets zu bauen, wie er möchte, jedoch ohne die Sets zu kaufen. Grundsätzlich finde ich, dass man alles nutzen kann, jedoch nicht alles besitzen muss. Das Leihen von Büchern mittels der Bücherei geht ja, warum dann nicht auch Lego leihen.

War es schwierig, erste Kontakte zu knüpfen ?

Mein Mann war bereits mit einer anderen Firma selbstständig und von daher war der Weg kurz. Mein Mann und ich arbeiten bei Bauduu zusammen.

Wie beurteilst Du die Gründer-Szene in NRW?

Wir arbeiten dran.

Wo siehst Du dein Unternehmen 2020?

Das werden wir sehen, es gibt viel zu tun und weiter zu entwickeln. Wir haben noch viele Möglichkeiten im Bereich Lego, da wird uns was einfallen.

bauduu.de

Katharina Kühn | Golden Orb

Foto: Katharina Kühn

Jungunternehmerin Katharina Kühn ist Mitbegründerin von Golden Orb, einem Start-up aus Witten, das Kinderbuch-Apps entwickelt.

Was war für Dich der Grund, in die Selbstständigkeit zu starten?

Allem voran war es der Wunsch danach etwas zu tun, was meinen Werten und Vorstellungen entsprach. Auch die Freiheit zu haben, meine Arbeit und mein Leben selbst gestalten zu können, war mir sehr wichtig. Als Angestellte musste ich oft mit den Entscheidungen der höheren Etagen leben und Inhalte umsetzen, mit denen mein Innerstes nicht übereinkam. Zudem befand ich mich ohnehin aus privaten Gründen in einem beruflichen Umbruch, daher waren meine Lebensumstände perfekt für dieses Wagnis.

Was hast Du vorher gemacht?

Ich habe viele Jahre lang in einem Kölner Studio digitale Spiele entwickelt, war für Illustration und Animation im 2D-Bereich zuständig. Vor zwei Jahren bin ich ins Ruhrgebiet gezogen und habe hier als Head of Media Design für einen Online-Shop gearbeitet. Dabei fiel mir auf, dass ich meine Leidenschaft für die Spieleentwicklung wieder leben möchte und hatte das Glück mit einer ehemaligen Arbeitskollegin unser Unternehmen gründen zu können.

Auf welcher Geschäftsidee basiert Dein Unternehmen?

Golden Orb befasst sich mit der kindgerechten Adaption von Kulturgut für moderne, digitale Medien, um die traditionellen Erzählungen für die nächsten Generationen in einem zeitgemäßen Format zu erhalten. Märchen, Sagen und Legenden werden als interaktive Kinderbücher neu aufbereitet und behutsam modernisiert, indem beispielsweise veraltete Ansichten von stereotypen Geschlechterrollen durchbrochen werden, dabei jedoch der ursprüngliche Kern der Geschichten erhalten bleibt. Mit unseren eigenen Interpretationen haben wir einen spielerischen Weg gefunden, Kinder für wichtige Themen wie Toleranz, Selbstbewusstsein und Diversität zu sensibilisieren. Über unser gewähltes Medium Smartphone/Tablet schlagen wir eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart und bieten Kindern eine sichere Umgebung, in der sie sich mit digitalen Medien beschäftigen können. Dies ermöglichen wir auch durch einen festen Verkaufspreis unserer digitalen Kinderbücher.

War es schwierig, erste Kontakte zu knüpfen?

Aller Anfang ist natürlich schwer. Vor allem aber die Überwindung nach Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Sowohl meine Kollegin als auch ich waren beide nicht unbedingt die extrovertiertesten Persönlichkeiten, doch wurde es von Mal zu Mal leichter und wir haben viele spannende und wohlwollende Menschen kennengelernt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten kostenlose Beratung und Unterstützung für die Exitenzgründung zu erhalten und wir haben viele davon genutzt. Dadurch haben wir es auch geschafft die Bank en zu überzeugen und haben einen Existenzgründerkredit erhalten. Und das entgegen vieler Behauptungen, dass Softwareunternehmen und dann auch noch gründende Frauen es schwerer haben. Diese Einstellung kann ich nicht bestätigen: Uns wurde sehr offen und fair begegnet. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass ich durch die Gründung eine unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung erleben konnte, für die ich sonst Jahre gebraucht hätte. Die Vielzahl an Netzwerkveranstaltungen und die Offenheit der Menschen, vor allem in der Medienbranche – machen es selbst introvertierten Menschen leichter Fuß zu fassen.

Golden Orb

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