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Großstadtvogel: Lars Schütt

Foto: Christof Wolff

Drei Fragen. Von Großstadtvogel zu Großstadtvogel. In unserer neuen Porträt-Reihe stellt coolibri euch monatlich bekannte und unbekannte, umtriebige und zurückgezogene, große und kleine, laute und leise Leute vor. Kurzum: All diejenigen, die die Stadt zu einem schöneren Ort machen.

Lars Schütt, 39, evangelischer Pfarrer, Düsseldorf

Wie läuft’s in der Stadt?
Schnell! So schnell, dass nicht alle mithalten. Mir fallen vermehrt Menschen auf, die entweder den Mut finden, diesen Irrsinn selbst zu unterbrechen oder aber unfreiwillig gestoppt werden. Und die Stadt pulsiert einfach weiter. Ja, es gibt viel Engagement, Inseln der Entschleunigung, Szenekultur, etwas Natur und insgesamt ist diese Stadt wirklich schön, weil sie vielschichtig ist. Aber sie bleibt überwiegend bestimmt vom Leistungsdenken und drängt Menschen damit in Selbsterhaltung, Egoismen und Beziehungslosigkeit (Egal ob in der Wirtschaft, Kultur, Kirche oder Verein). Düsseldorf kommt mir vor wie eine große Komfortzone, eine Truman Show. Diejenigen, die uns das aufgebaut haben und die, die uns heute den Arsch abwischen sind so gut wie unsichtbar.

Läuft bei dir?
Mir ist aufgefallen, dass ich in den letzten vier Jahren auch immer schneller geworden bin. Mich belastet das (noch) nicht, weil ich meine Inseln der Ruhe habe. Aber ich trage meinen Teil zur allgemeinen Beschleunigung bei. Das zu ändern ist gerade mein Thema. Mich selbst zu verlangsamen um anderen Druck zu nehmen (nicht einfach nur für mich) gelingt gut und macht mir Freude. Es tun sich plötzlich wieder Spielräume auf für unerwartetes, echtes und geistreiches. Und vor allem für Beziehungspflege.

Was fehlt zum Lauf deines Lebens?
Das ist nicht meine Art zu fragen. Ich schaue lieber auf das; was ist und nicht auf das; was fehlt. Ich mache aktuell die Erfahrung, dass mir weniger Haben und mehr Sein gelingen kann. Mein Auto habe ich zum Beispiel gegen das Fahrrad getauscht, und ich mache keine weiten Reisen mehr. Nicht nur, weil der Gutmensch in mir darauf abgeht. Es sind kleine Anschläge auf meine Konsumabhängigkeit, und der Gewinn ist Freiheit und Klarheit. Mit meinem regelmäßigen Einkommen kann ich natürlich leicht daherreden. Aber es gibt mir eine Ahnung davon, wo hin die Reise gehen soll. Wenn also etwas fehlt zum Lauf meines Lebens, dann ist das noch mehr Mut, meine Komfortzone zu verlassen. Da ist noch viel Luft nach oben. Amen.

christuskirche-duesseldorf.de

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