Das sagen die Besten beim Deutschen Musikautorenpreis

Ulrike Haage, Gewinnerin in der Kategorie „Audiovisuelle Medien"
Teilen
Teilen

Der „Deutsche Musikautorenpreis“ musste letztes Jahr leider ausfallen, ist dieses Jahr aber zurück – so gut es geht zumindest. Zum zwölften Mal vergab die GEMA begehrte Trophäen in Form eines Notenschlüssels. Das Motto: „Wir feiern die Musik“. Christopher Filipecki hat Gewinner:innen gefragt, wie sie sich nun fühlen.

 

Thees Uhlmann, Gewinner in der Kategorie „Komposition Rock & Pop“
| Fotos: Kevin Riedl
Inhaltsverzeichnis [verbergen]

Thees Uhlmann | „Komposition Rock & Pop“

„Mein Name ist Thees Uhlmann und bin der Sänger bei Thees Uhlmann & Band und ich liebe Düsseldorf-Garath! Ich sage, ich mache Rockmusik mit deutschen Texten, aber meine 13-jährige Tochter bezweifelt das und sagt, dass das peiiiinlich ist. Ich habe für unser letztes Album ,Junkies und Scientologen‘ den Preis in der Kategorie ,Kompostion Rock & Pop‘ gewonnen. Hätte ich auch nicht gedacht, dass das mit so einem Plattentitel geht. Stark!“

Was bedeutet der Gewinn des Deutschen Musikautorenpreises für dich?
„Das ist schon wirklich toll zu gewinnen, wenn man weiß, dass so viele tolle Musikerinnen und Musiker sich darauf geeinigt haben, dass unsere Platte es wert ist, zu gewinnen. Das bedeutet eben einfach, dass Kollegen sagen: ‚Das hast du gut gemacht und wir verstehen, wie du das mit der Kunst gemeint hast!‘ Und das ist ein tolles Gefühl.“

Was macht deine Musik besonders?
„Das sollten wirklich andere beurteilen. Benjamin von Stuckrad Barre hat mal über uns beide gesagt: ‚Tendenziell brennt es hinter uns!‘ Und ich mache Musik und gebe mir Mühe bei den Texten.“

Was inspiriert?
1. Meine Freunde und Produzenten Simon Frontzek und Rudi Maier
2. Ein fundamentales Unverständnis gegenüber der Welt
3. Nescafé und arbeiten um 5 Uhr morgens, wenn die Welt noch schläft

Und was bringt die Zukunft?
„Erst mal die Decke so stabilisieren, dass sie mir Covid bedingt nicht auf dem Kopf fällt.
Und wenn das alles vorbei ist, dann fahre ich drei Wochen durch Deutschland und besuche jeden Tag andere Freunde und Freundinnen, die ich jetzt ein Jahr nicht mehr sehen konnte. Das sollte genug Stoff für eine neue Platte bieten.“

 

Mine, Gewinnerin in der Kategorie „Beste Texte (Chanson/Lied)“

Mine | „Beste Texte (Chanson/Lied)“

„Mein Name ist Mine, ich bin Musikerin. Ich habe ein eigenes gleichnamiges Projekt und bringe in diesem Jahr mein 5. Album raus. Ich arbeite unter anderen auch als Produzentin und Arrangeurin und liebe meinen Job. Auf den Gewinn bin ich wirklich massiv stolz. Ich kann das noch gar nicht so richtig fassen. Mir bedeutet das wirklich viel, weil mir Schreiben das Allerwichtigste ist– auch weil ich das schon immer ganz alleine gemacht habe. Ich fühl mich sehr geehrt.“

Was macht Mines Musik aus?
„Schwer zu formulieren, weil ich viel zu nah dran bin. Ich würde sagen, meine Musik ist recht autobiografisch, emotional und abwechslungsreich.“

Was inspiriert?
1. Livekonzerte
2. Gute Gespräche
3. Sport

Und was bringt die Zukunft?
„Hoffentlich bald wieder auf die Bühne gehen. Aber erst mal kommt meine neue Platte ,Hinüber‘ raus am 30.4., worauf ich super stolz bin.“

International Music, Gewinner in der Kategorie „Nachwuchs“

International Music | „Nachwuchs“

„Wir sind International Music aus Essen, wir machen Rockmusik und haben in der Kategorie ‚Nachwuchs‘ gewonnen. Der Preis ist eine tolle Anerkennung für uns. Und ein bisschen Kohle kann auch nicht schaden –gerade jetzt, da es keine Konzerte gibt.“

Was macht die Musik von International Music aus?
„Für uns ist unsere Musik besonders,
weil wir sie zusammen machen.“

Was inspiriert?
1. Alltag
2. Musik
3. Sprache

Und was bringt die Zukunft?
„Es wird aufregend! Am 23.04. erscheint unser zweites Album ,Ententraum‘. Danach können wir hoffentlich bald wieder Konzerte spielen und vielleicht sogar touren später im Jahr. Hat jemand einen Bandbus zu verkaufen?“

Johannes S. Sistermanns, Gewinner in der Kategorie „Komposition | Klangkunst“

Johannes S. Sistermanns | „Komposition | Klangkunst“

„Die Nominierung hat mich völlig überrascht! Mit der erstmaligen Nominierung im Bereich ,Komposition/Klangkunst‘ erkennt der deutsche Musikautorenpreis ein relativ junges Genre an. Damit erweitert der deutsche Musikautorenpreis das Engagement der GEMA in der Förderung der Vielfalt musikalischen Schaffens in Deutschland.“

Was macht die Musik von Johannes S. Sistermanns aus?
„Ein Impuls in meiner künstlerischen Praxis: den Raum überkommen, ihn durchlässig machen. Ich übertrage Klang auf Alltagsmaterialien wie Heizkörper, Holz- und Papieroberflächen, auf herkömmliche Musikinstrumente, Elektroautos, Innenstadt-Kanalisationen sowie Stretchfolien oder auch Glasfenster.
Hiermit wende ich jeglichen Innenraum zum resonierenden Instrument und den Außenraum mische ich atmosphärisch um das, wie er jeweils selbst schon klingt.“

Was inspiriert?
1. Innere Impulse, Bilder, Situationen die aus dem Un-Endlichen Möglichkeits-Raum sich unerklärlich ins Bewusstsein wenden
2. Das spirituelle Raumkonzept Japans. Die Musik Indiens, die sie der männlichen und weiblichen Energie sowie Stunden-, Tages- und Jahreszeit-Rhythmen zuordnet
3. Die nächste Sekunde hat noch nie einer gehört, gesehen, gefühlt

Was bringt die Zukunft?
„Unter anderem im August 2021 die Ausstellung der KlangPlastik ‚Klang schweigt Zeit 2‘.“

Ulrike Haage, Gewinnerin in der Kategorie „Audiovisuelle Medien“

Ulrike Haage | „Audiovisuelle Medien“

„Die Kategorie, in der ich gewonnen habe, umfasst meine Kompositionen und mein Engagement in den Bereichen Filmmusik und Hörspiel. Meine Musik ist stark vom Jazz, der Klassik und der freien Improvisation geprägt. Sie reicht von Klavierkompositionen über elektronische Soundscapes bis hin zu Kammermusik. Als Pianistin interessiert mich einfach alles, was Tasten hat und als Komponistin alles, was sich mit und aus Klang machen lässt. Es ist wundervoll, als Komponistin eine so feine Anerkennung durch andere Kolleg:innen zu bekommen – und spornt freudig an, diesen Weg weiter zu gehen!“

Was macht Ulrike Haages Musik aus?
„Musik zu erschaffen, ist für mich die intensivste Form des In-der-Welt-Seins. Wenn ich eine Komposition beginne, versuche ich immer wieder aufs Neue eine bis dahin ,unerhörte‘ Klangwelt zu erschaffen. Ich liebe die Verbindung und das Wechselspiel zwischen rein akustischen und elektronischen Instrumenten. Jede Komposition ist wie eine neue Entdeckungsreise.“

Was inspiriert?
1. Der Aufenthalt in anderen Kulturkreisen
2. Gute Literatur
3. Die Natur und das Weltgeschehen.

Was bringt die Zukunft?
„Ich komponiere gerade u.a. die Filmmusik zu einer kritischen Langzeitdokumentation über die Pandemie („Schockwellen“, Sommer 2021). Und natürlich wünsche ich mir, dass die verschobenen Solo-Klavierkonzerte für meine letzte CD „Himmelsbaum“ in diesem Jahr stattfinden können. Diese Momente auf der Bühne vermisse ich – wie viele Musiker:innen zur Zeit – schon sehr. Denn wie Duchamp so schön gesagt hat, schließt sich der kreative Akt erst gemeinsam mit dem Publikum.“

Hannes Seidl, Gewinner in der Kategorie „Nachwuchs Ernsthafte Musik“

Hannes Seidl | „Nachwuchs Ernsthafte Musik“

„Ich bin Hannes Seidl und verstehe mich als Komponist, auch wenn meine Arbeiten oft auch andere Künste wie Film, Kochen, Text oder den konkreten Hörraum mit einschließen. Im Grunde schaffe ich Ereignisse. Musiktheater, szenische Konzerte, Radio-Shows, Hörspiele oder Instrumentalmusik, immer mit dem Ziel, erfahren zu können, dass die Dinge nicht sein müssen, wie sie sind. Dass der Nachwuchspreis auch an Menschen verliehen wird, die schon länger Musik machen, aber, wie in meinem Fall, viele Umwege gemacht haben, ist eine Ermutigung, weiter Neues auszuprobieren, auch wenn es unbequem ist. Für mich persönlich, aber auch für alle anderen, die einen eigenen Weg gehen.“

Was macht Seidls Musik aus?
„Mich reizen ungewohnte, noch nicht erlebte Ereignisse. Man macht beim Zuhören eine Reise durch unterschiedliche (Gefühls-) Zustände, wobei die Musik immer auch eine Distanz zu sich selbst einnimmt, von der aus man sich beim Hören beobachten, reflektieren kann.“

Was inspiriert?
„Meine Arbeit steht im engen Austausch mit ihrer Gegenwart, vor allem mit der Musik meiner Kolleg:innen, gesellschaftlichen Diskursen und den Erfahrungen, die ich bei anderen Künsten mache.“

Was bringt die Zukunft?
„Arbeiten und nicht verzweifeln.“ (Heiner Müller)

Heiner Goebbels, Gewinner in der Kategorie „Musiktheater“

Heiner Goebbels | „Musiktheater“

„Mein Name ist Heiner Goebbels, ich bin Komponist und Theatermacher und habe in der Kategorie ,Musiktheater‘ gewonnen. Es ist eine Anerkennung von Kollegen – das bedeutet mir viel und ist auch die Besonderheit dieses Preises.“

Was macht Heiner Goebbels Musik aus?
„Ich glaube, es ist die Kontextualisierung: Musik ist für mich in den seltensten Fällen nur Musik. Sie liegt auch in der Konstruktion der Bühne, dem Rhythmus des Textes, des Lichts, der Bewegungen.“

Was inspiriert?
„Literatur, bildende Kunst, die Räume, in denen meine Arbeiten entstehen – und alle, die daran beteiligt sind.“

Und was bringt die Zukunft?
„Ich freue mich auf die Uraufführung von ,Liberté d’action‘, mein neues Musiktheaterstück bei den Kunstfestspielen Herrenhausen im Mai.“

 

Mehr Infos zum Deutschen Musikautorenpreis findet ihr hier

 

Anzeige
Anzeige

Beste Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region

Inhaltsverzeichnis
Home