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Club Culinaire: Männer, die auf Töpfe starren

Foto: Tossia Corman
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Frauen an den Herd, Männer ins Büro – zum Glück sind diese Rollenklischees in unserer heutigen Zeit endgültig überholt. Dass Männer an den Töpfen schon längst keine Exoten mehr sind, ist nicht nur in jeder zweiten Kochshow und in vielen Spitzenrestaurants zu beobachten. Ein weing seltener: Männerkochclubs. In Düsseldorf treffen sich im „Club Culinaire“ regelmäßig ambitionierte Hobbyköche. Tossia Corman durfte unter die Deckel schauen.

Schon beim Betreten der heiligen Hallen des „Club Culinaire“ in Düsseldorf-Bilk liegt es sprichwörtlich in der Luft: Hier wird heute Abend aufgetischt. Obwohl „Hallen“ in diesem Falle ein etwas irreführender Begriff ist: Das Clubhaus der kulinarischen Bruderschaft ist ein niedriges, im Hinterhof gelegenes Gebäude. In einem vorherigen Leben könnte es mal eine Werkstatt gewesen sein, nun beherbergt das schlichte Gemäuer eine voll ausgestatte Küche, inklusive kleiner Bar. Es herrscht Clubhaus-Atmosphäre. Was den Charme des Ganzen nicht schmälert. „Hier ist unsere Oase“, erklärt Rainer Fries.

Der Düsseldorfer, der eigentlich eine Firma für Innenausbau betreibt, ist seit 15 Jahren Mitglied des Kochclubs. Das Prinzip ist einfach erklärt: Momentan 12 Mitglieder treffen sich zwei Mal im Monat, um die Reihe denkt sich jeder ein Menü aus, die anderen bereiten das Essen zu. „Kochen ist für jeden von uns hier ein Ventil“, berichtet Fries. „Andere haben ihren Fußballverein, wir stehen halt in der Küche.“ Während Fries erzählt, geht es in besagter Küche hoch her. Fische werden von Gräten befreit, Soßen abgeschmeckt, Gemüse in feine Streifen geschnitten. „Und die Gemeinschaft – das ist auch ganz wichtig“, schaltet sich Claus Marschal ein. Der 82-jährige ehemalige Flugbegleiter ist am längsten dabei – seit 22 Jahren. Schön sei es, immer wieder zu sehen, dass Menschen aus unterschiedlichsten Berufs- und Lebensumfeldern – „Vom Gebäudereiniger bis zum Frisör ist bei uns alles dabei“ – sich so harmonisch einem Ziel widmen: gutem Essen. „Das Kochen ist die Klammer, die uns zusammenhält“, sind sich die beiden einig.

Tischdeko und Meisterprüfungen

Wichtig: Das am Herd gezauberte wird auch stilecht verspeist. So stehen diesmal violette Narzissen auf der liebevoll eingedeckten Tafel, schließlich ist Frühling. Aber nicht nur füreinander kochen die Männer, die übrigens alle in Kochjacke und Schürze agieren. „Einmal hatten wir zum Beispiel eine Gruppe Menschen mit Behinderung zu Gast“, erinnert sich Fries. „Die haben hier richtig Leben reingebracht.“ Auch für das Café Grenzenlos in Bilk wurden schon die Kochlöffel geschwungen. „Uns geht es allen sehr gut, da ist es schön, etwas zurückgeben zu können“, berichtet Marschal.

Um dem Ganzen die (Koch)Krone aufzusetzen, können die Mitglieder Prüfungen ablegen, um sich verschiedene Küchen-Grade (Bronze, Silber und Gold) zu verdienen. Marschal:„Das passiert zwar alles intern, aber schon sehr ernsthaft.“

Damenabend

Einmal im Jahr werden auch die Partnerinnen und Partner der Köche eingeladen – zum Damenabend. Damen sind sonst ein Tabu im Vereinsheim. „Dass wir ein exklusiver Männerkochclub sind, kommt von unserem ehemaligen Dachverband aus der Schweiz, dort ist das seit über 100 Jahren Tradition“, erklärt Fries. Warum, wisse keiner so genau. Und obwohl sich der Club Culinaire im vorigen Jahr abgespalten hat, halten sie an dieser Regel fest: „Es ist einfach eine andere Stimmung, wenn wir unter uns sind“, so Fries. „Ja, keiner hat das Bedürfnis, das Pfauenrad aufzuschlagen, wenn keine Frauen in der Nähe sind“, ergänzt Marschal lachend.

Nachwuchs gesucht

Nachwuchsköche werden übrigens immer gesucht, wer Interesse hat, kann sich einfach melden. Mitmachen darf jeder, der Lust hat, sich der gehobeneren Küche als Hobby zu widmen. Nach einer Testphase von sechs Monaten entscheiden alle Mitglieder gemeinsam über eine Aufnahme. „Abgelehnt haben wir aber noch niemanden“, erzählt Fries mit einem Augenzwinkern. Einzige Bedingung: Profis bleiben draußen. „Wir sind ein Hobby-Verein, das ist ganz klar“, betont Marschal. Aus der Küche kommt derweil die Nachricht, der erste Gang stehe bereit – die Männer sammeln sich zum gemeinsamen Anstoßen, um den Abend einzuleiten. Bon Appetit!

club-culinaire-duesseldorf.de

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