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Bochum Ehrenfeld: Ist der Hype vorbei?

Foto: Lukas Vering
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Natürlich will auch das Ruhrgebiet ein bisschen Berlin sein. Also raunt man sich über bestimmte Stadtviertel zu, sie seien jetzt cool oder alternativ, hip und angesagt. Vor ein paar Jahren traf es das Ehrenfeld rund um das Bochumer Schauspielhaus. Dort stehen allerdings auch seit langem Ladenlokale in guter Lage leer und mit dem Orlando schloss jüngst eine weitere Szene-Gastronomie. Was nun?

Verbringt man einen Donnerstagmittag auf dem Hans-Ehrenberg-Platz im Herzen des Ehrenfeldes, muss man zu der Überzeugung kommen: Nein, das Viertel hat sich richtig gut entwickelt, hier ist echt was los. Die Butterbrotbar floriert genau wie die Eisdiele „I Am Love“ mit dem großen veganen Angebot. „Der Gastronom“ von „Pizza“ erzählt, dass er ein weiteres Ladenlokal in der Nachbarschaft gemietet hat, um ein noch nicht spruchreifes Konzept auszuprobieren. Und mitten im geschäftigen Treiben stehen ein paar Markthändler und verkaufen Gemüse, Käse und Fisch. Nur ein paar Schritte weiter stehen allerdings große Ladenflächen in guter Lage leer: Die Schwulen-Kneipe Coxx schon seit vielen Jahren, direkt daneben die ehemalige Galerie Chrom – und schräg gegenüber die Gastronomie Freibad. Zusammen mit dem Orlando, das Mitte Februar Abschiedsparty feierte, bildeten Coxx und Freibad die erste Generation des alternativen Ausgehviertels Ehrenfeld, beliebt vor allem in der schwul-lesbischen Szene.

„Den Aufbruch in dieser Szene gibt es nicht mehr so wie damals“, sagt Barbara Jessel, die als Grünen-Politikerin im Viertel aktiv ist und das Orlando bis 2013 betrieben hat. „Dem Coxx haben die Online-Dating-Portale das Genick gebrochen. Man muss nicht mehr rausgehen, um jemanden kennenzulernen.“ Ein Ende des Ehrenfeld-Hypes macht sie deshalb noch nicht aus. „Aber man muss auch etwas für die Außenwirkung tun. Es fehlt ein gemeinsamer Impuls. Früher gab es mehr Zusammenhalt, mehr Veranstaltungen im Kiez wie den Nachtflohmarkt unter Tage.“

„Das Viertel vor scheint mir nach wie vor attraktiv zu sein“, sagt auch Tobias Pfaff. Er ist Vorstand im Verein, der mit der Goldkante die letzte auch nachts geöffnete Szene-Gastronomie vor Ort betreibt: „Ich habe den Eindruck, dass es für die vorhandenen Leerstände genügend Nachfrage gibt und werde häufig von Miet-Interessenten nach dem Kontakt zu den Hausverwaltungen gefragt.“Die neuen Besitzer der Orlando-Immobilie, die Livingroom Gastronomie GmbH, möchte dort so schnell wie möglich eine neue Restauration mit „guter Geschichte, guter Küche und gutem Ambiente“ eröffnen – oder einen Pächter mit entsprechendem Konzept finden, wie Geschäftsführer Lukas Rüger erklärt: „Der Charme des Ladens ist gut und erhaltenswert, da muss man nicht mit dem Bagger reinfahren.“ Er glaubt an das Potenzial des Viertels. Das Problem der langen Leerstände scheint also eher aufseiten der Vermieter zu liegen. Das ehemalige Coxx und die Chrom-Räume gehören Grand City Property mit Sitz in Zypern und Niederlassung in Berlin. Sprecherin Katrin Petersen informiert knapp: „Unser erfahrenes Vermietungsteam generiert mithilfe von zielgerichteten Vermietungsaktivitäten kontinuierlich Nachfrage von Mietinteressenten für die Flächen. Auch aktuell sind wir in Gesprächen mit möglichen Neumietern aus verschiedenen Bereichen.“

Kurz nach der Anfrage des coolibri ist das Coxx-Lokal dann plötzlich wieder im Portal Immoscout24 zu finden. Ob es wirklich in so schlechtem Zustand ist, wie kolportiert wird, will die Firma offenbar nicht kommentieren. Ein anderes Problem offenbart sich im Gespräch mit Timurs Melamuds von Haus & Grundeigentümer Bochum, die das seit 2002 leerstehende Ladenlokal des Restaurants Alt Nürnberg verwalten. „Wir hatten es zuletzt vermietet, aber der Mieter gibt jetzt auch deshalb auf, weil die Genehmigungsverfahren für Gastronomie bei der Stadt Bochum so schwierig sind. Die Hürden sind einfach zu hoch.“ Über neue Interessenten freue er sich jederzeit und verspricht Entgegenkommen bei Umbaumaßnahmen.

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