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Neue Ausstellungen in NRW im Spätsommer und Herbst

Hyperrealistische Skulptur | Foto: Tony Matelli Courtesy of the artist and Institute for Cultural Exchange, Tübingen
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Neue Ausstellungen braucht NRW! Zum Glück zeigt sich die Kunstlandschaft der Region in diesem Spätsommer und Herbst besonders facettenreich. So darf man in Oberhausen mit Otfried Preußler in Kindheitserinnerungen schwelgen, in Wuppertal das Industriezeitalter durchschreiten und in Mülheim vernachlässigte Pflänzchen zur Adoption freigeben – da sind neue An- und Einsichten garantiert. 

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¿Lebensecht? | Osthausmuseum | Hagen

Statt mit liebenswert märchenhaften Illustrationen befasst sich das Osthausmuseum in Hagen vom 23.8. bis 31.1. mit hyperrealistischen Skulpturen: Eine sorgenvoll blickende alte Frau hockt mit nackten Zehen auf dem Boden. Den Fleecepulli hat sie bis zum Scheitel hochgezogen, ihr Rock umspielt die blau geäderten Füße. Ihr Kinn hält sie auf ihre Hände gestützt. Die Skulptur „Cornered“ (2011) des amerikanischen Künstlers Marc Sijan ist so lebensecht, dass man meinen könnte, die Frau stünde im nächsten Moment auf und verließe den Raum. Ganz ähnlich Carole Feuermans „Catalina“ (1981), eine als Wandbüste gestaltete Schwimmerin, deren Badeanzug noch nass am Körper zu kleben scheint. Insgesamt 30 Arbeiten von namhaften Bildhauern wie George Segal, Berlinde de Bruyckere und Tony Matelli zeigt die Ausstellung „¿Lebensecht?“ und zeichnet damit 50 Jahre Hyperrealismus nach. Beeindruckend sind dabei vor allem die verschiedenen Techniken des Modellierens, Gießens und Malens, mit denen die Künstler physisch naturgetreue Nachbildungen des menschlichen Körpers geschaffen haben.

Vision und Schrecken der Moderne | Von der Heydt- Museum | Wuppertal

Am Engels-Jubiläumsjahr beteiligt sich das Wuppertaler Von der Heydt- Museum vom 17.11. bis 28.2. mit der Ausstellung „Vision und Schrecken der Moderne – Industrie und künstlerischer Aufbruch“. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten des Düsseldorfer Malers Heinrich Christoph Kolbe (1771-1836), der in seinen Bildnissen die unternehmerische Oberschicht Barmens und Elberfelds festhielt. Seine Porträts sind ein Zeugnis des erstarkten Selbstbewusstseins des Wirtschaftsbürgertums im 19. Jahrhundert. Demgegegenüber thematisierten Genremaler wie Carl Hübner und der Remscheider Johann Peter Hasenclever die prekären Lebensverhältnisse des Proletariats. Nach dem ersten Weltkrieg waren es dann Käthe Kollwitz, Heinrich Hoerle, Conrad Felixmüller und andere, die sich linksgerichteten politischen Bestrebungen zuwandten. Letzterer porträtierte beispielsweise Kohlenberg- und Hochofenarbeiter in ihrem Arbeitsumfeld. Neben kritischen Positionen werden mit Max Beckmann und Carl Grossberg aber auch Arbeiten ausgestellt, die die Faszination der Künstler für die neue Technik und die Dynamik der Großstadt widerspiegeln.

Photo Popup Fair | Stilwerk | Düsseldorf

Foto: Annie Spratt on Unsplash

Fasziniert von der technischen Rafinesse dürfte man auch vor dem ein oder anderen Bild im Düsseldorfer Stilwerk stehen bleiben. Bei der siebten „Photo Popup Fair“ zeigen Fotografen und Fotokünstler vom 6. bis 15.11. auf rund 2600 Quadratmetern ihre Arbeiten. Mit dabei sind unter anderem der Düsseldorfer Aktfotograf Christoph Michaelis, der die biegsamen Körper von Akrobatinnen durch geschicktes Licht- und Schattenspiel gekonnt in Szene setzt sowie die Reisefotografin Ute Bruno. Mit ihren Stadt-, Landschafts- und Porträtsaufnahmen fängt Bruno auf authentische Weise das Lebensgefühl einer ganzen Region ein. Sollte es im November noch coronabedingten Einschränkungen beim Besuchereinlass geben, planen die Macher eine Verlängerung der Messe bis zum 22.11., der Eintritt ist frei.

Otfried Preußler | Ludwiggalerie | Oberhausen

Abbildung: © by Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart

Er trägt eine Pistole mit langem Lauf in seiner rechten, einen Säbel in seiner linken Hand. Ein dicker Ledergürtel umspannt seine korpulente Mitte. Zwischen grünem Hemd und braunem Gürtel lugen sieben Messer hervor. Das bärtige Gesicht blickt wachsam, den Schlapphut mit breiter Krempe schmückt eine große Feder – von wem die Rede ist? Von Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz natürlich! Das furchteinflößende Aussehen hat ihm 1962 der Illustrator Franz Josef Tripp verpasst. Eine Ausstellung in der Oberhausener Ludwiggalerie mit dem etwas sperrigen Titel „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe: Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ stellt die charismatischsten Figuren und ihre Zeichner vor. Viele der Ilustrationen und Geschichten haben mehrere Generationen von Kindern begleitet und sind so Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Neben den Bildern nimmt die Ausstellung auch Details der Erzählungen in den Blick, zum Beispiel Preußlers einprägsame wie kuriose Wortneuschöpfungen. Die Vernissage findet am 12.9. statt. Zu sehen ist die Ausstellung im großen Schloss bis zum 10.1.

Botanoadopt | Museum Temporär | Mülheim

Foto: Zbysiu Rodak

Um Wesen pflanzlicher Natur kümmert sich seit über zehn Jahren das Frankfurter Künstlerduo 431art. Auf ihrer Plattform botanoadopt.org werden Topfpflanzen, ausgestattet mit humorvollen Steckbriefen, an neue Besitzer vermittelt. Wie etwa die in Bochum lebende Agave „Light Searcher“, eine zurückgelassene Treppenhauspflanze, die sich ein sonnigeres Zuhause wünscht. Für drei Wochen, vom 3. bis 20.9., ziehen Haike Rausch und Torsten Grosch mit ihrem Projekt nun ins Mülheimer Museum Temporär und laden Besucher ein, Pflanzen abzugeben oder zu adoptieren. Herzstück ist die Pflanzenklappe, in der vernachlässigte Pflanzen anonym abgelegt werden können. Anschließend werden die Gewächse fotografiert und mit individuellen Biografien versehen, bevor sie im extra aufgebauten Adoptionsbüro auf ihre Weitervermittlung warten. Am 23. und 24.9. öffnen sich dann die Türen des Büros für adoptionswillige Pflanzenfreunde. Obendrauf gibt’s an diesen Tagen öffentliche Empathie-Trainings mit Pflanzen – eine abgefahrene wie nachhaltige Idee.

 

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