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Ai Weiweis Ausstellung im Düsseldorfer K21 und K20

Portrait Ai Weiwei © Ai Weiwei Studio © Kunstsammlung NRW

Contenance ist so ziemlich in jeder Branche angebracht. In besonderen Situationen, oder bei besonderen Pressekonferenzen, fragen jedoch auch sonst beherrschte Schreiberlinge nach Autogrammen. Manche stehen gar minutenlang für ein Foto an – oder bringen sich Klappstühle mit. Genau so kann man sich das Geschehen beim Pressetermin zu Ai Weiweis Ausstellung „Wo ist die Revolution?“ im K21 und K20 vorstellen.

Bei der letzten gemeinsamen Pressekonferenz 2013 bei der Biennale in Venedig, erzählt die Direktorin der Kunstsammlung und Kuratorin Susanne Gaenshemer, konnte Ai Weiwei nicht persönlich dabei sein. Nachdem er 2011 aufgrund des Verdachts der Steuerhinterziehung in seiner chinesischen Heimat für 81 Tage verhaftet wurde, hatte er bis 2015 keinen Pass und somit keine Ausreisemöglichkeit. Inzwischen wohnt der Künstler mit seiner Familie in Berlin.

Diese Show ist die größte und kompletteste in meiner kurzen Kunstgeschichte.

Insgesamt drei Kuratoren haben sich über anderthalb Jahre mit der Konzeption der Werkschau im K20 und K21 gekümmert. Direktorin Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf. Herausgekommen ist eine „Ausstellung, wie wir sie hier noch nie gesehen haben“, lässt sich Krystof zu Superlativen hinreißen. Es kommt jedoch auch nicht oft vor, dass ein Künstler gleich in zwei Häusern der Kunstsammlung ausstellt. Ai Weiwei selbst meint: „Diese Show ist die größte und kompletteste in meiner kurzen Kunstgeschichte.“ Seit 15 Jahren stellt der Architekt, Künstler und Aktivist seine Werke aus. Seine Schau in Düsseldorf steht unter seiner Schaffensdevise „Everything is art. Everything is politics.“ Bislang unbekannte Exponate aus vier Jahrzehnten werden hier ebenso gezeigt wie Frühwerke.

Foto: Nadine Sole

Dabei dreht sich die Ausstellung vor allem um drei Themen: Individualität und Gesellschaft, Humanität und den Einsatz für die freie Meinungsäußerung. Dass die letzten beiden zu bewahrende Güter sind, weiß der Künstler seit seiner Inhaftierung 2011 nur zu gut. Susanne Gaensheimer gibt zu Protokoll: „Es gibt eine Verzahnung von ethischem und ästhetischem Anspruch in seinem Werk.“ Unter den über 40 Werken befinden sich raumfüllende Installationen, so etwa „Sunflower Seeds“ in der Klee-Halle des K20. Das Werk fasst über 60 Millionen – und somit auch über 60 Tonnen – Sonnenblumenkerne aus Porzellan, jedes einzelne eine Skulptur. Der Aufbau dieses Werks war vor allem „eine große Herausforderung an die Logistik“, wie Kurator Falk Wolf erzählt. Winzig erscheint da das Individuum.

Ich weiß, wie es ist, keine Stimme zu haben.

Ein wichtiger Punkt in Ai Weiweis Werk: Alle sind irgendwie gleich klein. Oder groß. In der Klee Halle des K20 ist nicht nur die Installation auf 650 Quadratmetern Bodenfläche zu sehen, sondern auch eine Tapete aus Schuldscheinen. Als der Künstler aufgrund des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verhaftet wurde, schickten ihm Menschen aus aller Welt Geld. Daraufhin entwarf er für jeden Spender einen Schuldschein. Dass es ihm nicht um Bereicherung oder das Verarbeiten seines persönlichen Dissidenten-Schicksals geht, wird klar, als er gefragt wird, ob er denn schon einmal die Migranten nach ihrer Meinung zu seinen Werken gefragt habe. Wenn er beispielsweise Kleidungsstücke des einstigen Lagers in Idomeni benutze oder das Thema in seinem Film „Human Flow“ in den Mittelpunkt rücke. „Ich bin selbst ein Migrant seit dem Beginn meines Lebens“, sagt Ai Weiwei dann und ergänzt: „Ich weiß, wie es ist, keine Stimme zu haben.“ Konsequent ist er – in seinem allumfassenden Respekt vor allen Individuen. An Deutschland schätze er besonders, dass es möglich sei, auf intellektuelle Weise zu diskutieren. Seine Ausstellung bietet viel Stoff, wenn es darum geht, wie wir leben wollen.
Ai Weiwei: bis 1.9., K20+K21, Düsseldorf

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