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30 Jahre RAP X: Zwischen Anarchie und Markterfolg

Fotos: Rap X Archiv
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Rap X, ein eigentlich unauffälliger Schriftzug, eroberte Ende der 80er bis in die 90er Jahre hinein von Bochum aus die halbe Welt. Auf Skiliften in den U.S.A., Halfpipes in Amsterdam und Skatedecks in ganz Europa prangte der Aufkleber, der den Laden und das dazugehörige Brand des Bochumers Martin Magielka repräsentierte.

Heute wirken er und seine Mitstreiter bei den ganz großen Streetwear-Marken mit, sind gefeierte Fotografen oder Street Artists. Ende April kommen sie wieder zusammen, um 30 Jahre Rap X, und damit einen wichtigen Part der deutschen Street Culture und natürlich Bochumer Geschichte zu feiern.

Es wird eine Art großes Klassentreffen geben, wenn sich am 29.4. die Posse wieder in Bochum trifft und mit ihr viele Menschen, die Ende der 80er ihre Jugend im Ruhrgebiet verbrachten und für die Magielkas Laden ein zweites Zuhause, mindestens aber ein reizvoll verrufener Ort war, den man gesehen haben musste. „Die Leute werden große Erwartungen haben, das setzt mich natürlich auch unter Druck. Halbe Sachen mache ich nicht“, erzählt Martin Magielka.

Der 47-Jährige sitzt in seinem Ladenlokal an der Alten Hattinger Straße, das halb Pop-Up-Store, halb Büro ist. Bis zur Decke ziehen sich die Regale voller Ausstellungskataloge und Zeitschriften, darunter auch Exemplare seines eigenen Magazins „Streetwear Today“, sowie streetculture Bücher „untitled“. Auf dem Schreibtisch liegen alte Fotos mit Skatern und BMXern, die das Rap-X-Logo tragen. Auch einige alte Pullover, auch sein Mailpostfach und die Facebookveranstaltung zum Jubiläum sind voll damit. Vorne im Laden stapeln sich noch die Schuhkartons von Dr. Martens. Ab April findet hier die Marke Cooph für einige Monate ein neues Zuhause.

Rückblick: Ein reizvoll verruchter Treffpunkt

Martin Magielka Ende der 80er | Foto: Markus Rieger

Anfang der 80er begann Magielka, damals zwölf Jahre alt, mit einem umgebauten Bonanzarad, Treppen und Hügel hinunter zu springen. Dann kam BMX. Seine Eltern unterstützten ihn schnell mit hochwertigem Material aus den USA und brachten so die dortige Jugendkultur zu ihrem Sohn nach Hause. „Ich hab das damals alles aufgesaugt, BMX, Skaten, Graffiti, Breakdance. Dabei war es extrem schwierig, in Deutschland an hochwertige Räder zu kommen.“ Schon bald fährt Magielka BMX auf Profi-Niveau, und macht im Break Dance bei den Deutschen Meisterschaften mit, unter dem Namen Rap X. „Ich war damals mehr auf dem Rad als in der Schule und nahm an Turnieren in der ganzen Welt teil.“ Mit 17 beendet ein Unfall seine Profikarriere. „Im Krankenhaus hatte ich viel Zeit, zu überlegen, was ich mit meinem Leben machen will. Mir war dann schnell klar, dass es sich weiter um BMX und Skaten drehen soll.“

Kurz vor seinem 18. Geburtstag eröffnet er an der Dorstener Straße seinen Laden und schrieb die nächsten 10 Jahre damit Street-Art-Geschichte. „BMX, Skateboarding und Graffiti, das waren damals eigentlich völlig verschiedene Szenen, sie zu kombinieren war neu“, erzählt er. Nicht zuletzt mit dem Graffiti-Künstler Matthias Gephart sei außerdem noch eine Punkattitüde dazugekommen.

Insgesamt bewegten sich Magielka und sein Team immer zwischen Anarchie und Markterfolgen. Auf der einen Seite standen Skate-Flashmobs und Schlägereien mit Nazis, auf der anderen Seite das Sponsoring von Profisportlern oder das Ausrichten von Turnieren, etwa 1986 in der Grugahalle in Essen. „Alles aus dem Bauch heraus“, wie er sagt, „Ich hatte keinen Businessplan, sondern eher so den Graffiti-Gedanken, meinen Namen in die ganze Welt hinauszutragen.“ Das ist ihm gelungen.

Ausblick: Klassentreffen der Szenegrößen

Ein Sticker, der die Decks eroberte

Das Jubiläum, das sowohl in der Sold Out Gallery als auch in der Goldkante  stattfinden wird, soll aber keine reine Nostalgieveranstaltung werden. „Natürlich wird es unzählige alte Aufnahmen, Klamotten und Decks zu sehen geben, aber nicht nur.“ Stattdessen sind auch unzählige Fotografen, Writer und Künstler dazu eingeladen, ihre heutige Perspektive auf Rap X und damit auch ihr heutiges Schaffen darzustellen.

Matthias Gephart beispielsweise ist heute mit seinen „Rare Shots on Planet X“ weltberühmt und wird ebenfalls an der Ausstellung zum Jubiläum mitwirken. Zur anschließenden Party wird der ehemalige Teamfahrer Clyde Semmoh aus Amsterdam geladen um die Plattenteller zu drehen. Magielka selbst scheint so viele Eisen im Feuer zu haben, dass man bei seinen Erzählungen kaum mitkommt.

Neben seinem Store und dem Magazin ist er als Experte für Jugendkultur bei großen Streetwear-Marken gefragt. Zusätzlich organisiert er Ausstellungen und ist zweifacher Familienvater. Und jetzt steht eben noch das Jubiläum auf der Liste. Wie das ganz konkret aussehen soll, das kann oder möchte er noch nicht verraten, nur dass es groß werden soll. Und dann sagt er noch folgendes: „Das 30-Jährige ist für mich die letzte Gelegenheit, glaubwürdig etwas mit der Marke Rap X zu machen. Ob und was daraus entsteht, weiß ich noch nicht.“

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