Dortmunder Blog: Last Junkies On Earth

Chef-Blogger Björn Hering | Foto: Alex Völkel

Björn Hering, als Musiker bekannt als die eine Hälfte der Garagenrockband Stuntcat, lebt seit gut 30 Jahren in Dortmund. Früher hat er oft über die Stadt gemeckert. Inzwischen wendet er sich lieber ihren spannenden Seiten zu und verbreitet sie über seinen Blog „Last Junkies On Earth“. Dadurch wirkt er auch daran mit, die Nordstadt von ihrem schlechten Ruf zu befreien. Inga Pöting bat den Blogger zum Gespräch.

Ein Nordstadt-Blog, der das Wort Junkies im Titel trägt – kannst du bitte kurz mit falschen Assoziationen aufräumen?

Ehrlich gesagt hab ich das bisher noch gar nicht so gesehen, weil ich mich anfangs gar nicht auf das Thema Nordstadt einschießen wollte. Der Blog sollte einfach Künstler portraitieren, die eine gewisse Besessenheit haben, die Junkies sind, weil sie auf irgendetwas Künstlerisches nicht verzichten können, sei es Streetart, Musik oder sonst etwas.

Beim Stöbern stößt man aber oft auf Dortmund-Themen.

Es geht seit einiger Zeit tatsächlich viel um Dortmund und die Nordstadt. Das kommt daher, dass ein Text zur Nordstadt vor ein paar Monaten die Leserzahl enorm gesteigert hat – da habe ich erkannt, was für ein Potenzial solche lokalen Themen haben. Lokales packt die Leute. Langfristiges Thema soll aber das ganze Ruhrgebiet und prinzipiell ganz Deutschland sein.

Du nennst Dortmund gern in einem Atemzug mit New York oder L.A. Warum?

In New York finden Dinge in großem Rahmen statt, die ich im Kleinen auch bei uns in der Stadt finde. Kreativmanagement, einzelne kreative Quartiere, da gibt’s in den großen Städten unglaublich viele Beispiele, wie man's machen kann. Wenn man das auf die Ruhrgebietsstädte bezieht, findet man das in anderer Form wieder. Ich glaube, dass wir von größeren Städten, wo durch mehr Menschen noch mehr abgeht, viel lernen können. Ein Beispiel, wenn man mal bei der Nordstadt bleibt: durch geringe Mieten entstehen Clubs und Art Shows, die Menschen in genau die Bezirke bringen, wo man früher nicht so gerne hingegangen ist. Das sind Prozesse, die man etwa auch in viel größeren Städten beobachten kann.

Was gibt es auf Last Junkies On Earth noch alles zu entdecken?

Im Endeffekt geht’s um Popkultur in jeglicher Form. Wir versuchen, über Kunst, Musik und abgefahrenen Lifestyle zu schreiben, verschiedene Brückenschläge zu schaffen. Vieles kommt aus dem Ruhrgebiet, weil wir hier leben, aber wir haben tatsächlich auch je einen Schreiber in New York und in L.A., die Themen aus der Kunstszene vermitteln. Grundsätzlich können wir also alles machen, was uns interessiert, aber mit höheren Leserzahlen wächst auch der Respekt. Jetzt geht es auch darum, eine eigene Sprache zu finden.

Dein Blog ist längst kein rein persönlicher Auftritt mehr, sondern bekommt immer mehr Magazin-Charakter. Du schreibst aber einen großen Teil der Texte selbst. Leidet darunter auf Dauer nicht die Themenvielfalt?

Solange man alleine schreibt, leidet natürlich die Objektivität. Inzwischen arbeite ich aber mit Florian Kohl zusammen, der, anders als ich, direkt aus dem Journalismus kommt. Wir tauschen untereinander Texte aus und passen die Sprache an. Ich würde aber gerne noch ein paar mehr Leute mit ins Boot holen. Auch Gastautoren sind immer willkommen!

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