Winterreise

von Elfriede Jelinek, Großes Haus

Was

Theater & Tanz

Wann


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Veranstalterinformationen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird sich die Musik auf bisher ungeahnte Weise unheimlich. Ausgerechnet die Musik, ist sie doch jene innerlichste Form der Kunst, in der die Seele sich am unmittelbarsten zu empfinden vermag. Ist die Musik sich unheimlich geworden, so ist unsere Seele sich unheimlich geworden. Und weil die Seele sich in der Musik am deutlichsten als Gesang ausdrücken kann und der Gesang sich am einfachsten in der Form des Liedes wiederfindet, kann man dies im Werk von Franz Schubert am schmerzhaft Schönsten in jenem berühmten Lieder-Zyklus hören, den er 1827, ein Jahr vor dem Ende seines kurzen Lebens, komponiert hat. In der Winterreise. Elfriede Jelinek, die 1946 geborene österreichische Nobelpreisträgerin für Literatur, hat in ihrem Werk immer wieder die Musik als das unheimliche Reich eines Jenseits beschrieben. „Das Universum der Tonkunst ist eine Landschaft des Todes. Weiße Wüsten, Eis, gefrorene Flüsse, Bäche, Seen! Riesige Scheiben Arktis, durchsichtig bis zum Grund, keine Tatzenspur des Raubtiers Eisbär. Nur geometrisch angeordnete Kälte. Schnurgerade Frostlinien. Totenstille." Kein Wunder also, dass Elfriede Jelinek in ihrem Werk immer wieder auf Franz Schubert zurückkommt. Jetzt zuletzt mit ihrer Winterreise, in der sie von jenem Leben erzählt, von dem auch die für Schubert von Wilhelm Müller gedichteten Lied-Texte sprechen. Was für ein Leben ist das? Eine kleine Welt des abgründigen Biedermeier: „Das Mädchen sprach von Liebe?/Die Mutter gar von Eh`." Bei Elfriede Jelinek lautet das allerdings so: „Die Braut sitzt da und frisst sich fett. Die Braut ist riesig. Diese Braut ist fette Beute für den Bräutigam. Der kann gar nicht anders. Es ist alles abgemacht. Die Stiftung stiftet den Schleier und stellt sich dann selber drunter." Ist mit der Braut hier etwa etwas ganz anderes gemeint? Peter Carp, der bereits in Luzern Elfriede Jelineks politisches Sprach-Labyrinth Babel auf verblüffende Weise enträtselt hatte, wird sich auch hier von den Jelinekschen Wort-Witzen nicht beirren lassen. Sie führen geradewegs in jenes Unbewusste, in dem ... Die Figuren merken es selber: „Also das hätt ich mir nicht träumen lassen." Eine Winterreise ins Unerhörte.

Location

Theater
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen

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