
Hol dir die aktuelle Juni-Ausgabe an einer unserer über 3 000 Auslegestellen im Rhein-Ruhrgebiet.
von Arthur Schnitzler / Malersaal
Theater & Tanz
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Fridolin und Albertine, ein scheinbar glückliches Paar, sprechen eines Nachts über ihre ungestillten erotischen Begierden. Die Erkenntnis, dass beide erotische Sehnsüchte auch außerhalb ihrer Ehe haben, leitet einen Prozess der Entfremdung ein, der die gesicherte Ordnung ihrer Beziehung ins Wanken bringt. Noch in derselben Nacht wird Fridolin, der Arzt ist, in ein Sterbehaus gerufen. Damit beginnt für ihn eine traumhafte Wanderung durch das Wiener Nachtleben, auf deren Höhepunkt er sich verbotenerweise in die Orgie einer Geheimgesellschaft mischt. Eine maskierte Frau warnt ihn, dass das Eindringen seinen Tod bedeuten könne. Fridolin wird entdeckt und entgeht der tödlichen Bestrafung nur, weil sich die Unbekannte für ihn opfert. Ratlos kehrt er nach Hause zurück, wo er seine Frau aus einem aufwühlenden Albtraum weckt. Sie erzählt, dass sie sich im Traum einem anderen hingegeben habe, während sie ruhig zusah, wie Fridolin sich für seine Treue zu ihr kreuzigen ließ. In den Nachterlebnissen von Albertine und Fridolin erfüllen sich in gewisser Weise die Versuchungen beider Eheleute. Beide haben eine Traumrealität erlebt – er eine traumhafte Realität, sie einen realitäts-nahen Traum –, die ihnen eine unbekannte Seite ihres Selbst zeigte. Die Erkenntnis der Gefahr, die darin liegt, dass ihr Triebleben mehr Möglichkeiten hat, als das Leben zu realisieren vermag, eröffnet ihnen ein geändertes Verhältnis zueinander. 2009 wurde Regisseur Roland Spohr für seine Inszenierung von Die Verwirrungen des Zöglings Törleß mit dem Oberhausener Theaterpreis ausgezeichnet. Auch in Traumnovelle wird er, gemeinsam mit dem Filmemacher Friedrich Schönig, eine Theatersprache entwickeln, die das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit, von Realität und Fiktion filmisch und theatralisch untersucht.