Im Taxi – Eine Deutschlandreise

Lesung mit Jochen Rausch

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Vortrag & Lesung

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Veranstalterinformationen

In Deutschland gibt es schätzungsweise 250.000 Taxifahrer, die Tag für Tag und Nacht für Nacht unterwegs sind. Sie kommen mit Menschen aus allen gesellschaftlichen Milieus in Kontakt, kennen die verschwiegensten Winkel der Städte und Dörfer, die protzigsten Villen und miesesten Absteigen. Ihre Lebensläufe sind so unterschiedlich, dass kein Schriftsteller sie sich ausdenken könnte. „Ich habe noch keinen getroffen, der mir Taxifahrer als sein Traumberuf nannte“, sagt Jochen Rausch, der in den vergangenen sieben Jahren seine Gespräche mit über 200 Taxifahrern protokollierte und nun als Buch herausbringt („Im Taxi – eine Deutschlandreise“, PIPER-Verlag, 9,00 Euro, ab dem 12.01.2017). Irgendwann, so sagt Jochen Rausch, habe er bei seinen zufälligen Gesprächen in den Taxen erkannt, wie viele interessante Lebensläufe sich vor ihm ausbreiteten und er habe dann begonnen, bei den Fahrern gezielt nachzufragen. „Ich habe zahlreiche komische, tragische und nachdenklich stimmende Lebensgeschichten gehört“, sagt Rausch, „und habe dann lange darüber nachgedacht, in welcher Form ich diese Geschichten erzählen könnte.“ Herausgekommen ist dabei ein überaus interessantes literarisches Projekt: Rausch verarbeitete seine Gesprächsnotizen zu kurzen Monologen, deren Authentizität und Vielschichtigkeit verblüfft und überrascht. Viele Taxifahrer hätten einen Migrationshintergrund oder müssten bis ins hohe Taxi fahren, weil die Rente nicht ausreicht, sagt Rausch. Manche seien auch aus ihrer Studentenzeit auf dem Taxi „hängen geblieben“ oder verloren irgendwann ihre Jobs und es blieb nichts anderes, als den Taxischein zu machen. „Ich bin mit Professoren gefahren, mit ehemaligen Soldaten, mit Ärzten, mit gescheiterten Musikern oder Frauen, die von ihren Männern verlassen wurden und sich etwas dazu verdienen müssen“, sagt Jochen Rausch. „Im Taxi“ ist ein Psychogram, das ein besonders vielschichtiges und lebendiges Bild vom sogenannten „unteren Rand der Gesellschaft“ abbildet. Darunter sind viele Stimmen, die sich zu den sogenannten „Abgehängten“ zählen könnten, aber auch Zuwanderer, die in ihren eigentlichen Berufen nie Fuß fassten in Deutschland. Nie führt Rausch seine Gesprächspartner vor; vielmehr übersetzte er mit großer Sympathie ihre Geschichten in literarische Miniaturen, die auch an die Protokollbücher eines Walter Kempowski erinnern und sich zwischen Dokumentation und Literatur bewegen. Wo es nötig war, änderte Rausch in seinen Geschichten Orte oder Zeiten, „ich möchte niemanden öffentlich machen, der mir in der intimen Situation einer Taxifahrt etwas sehr Persönliches anvertraute.“ Jochen Rausch war Journalist für Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Seit vielen Jahren leitet er u.a. den erfolgreichsten jungen Radiosender in Deutschland, 1LIVE vom Westdeutschen Rundfunk, Köln. Er veröffentlichte die Romane „Restlicht“ (Kiepenheuer & Witsch) und „Krieg“ sowie die hochgelobten Storybände „Trieb“ und „Rache“ (alle beim Berlin Verlag/Piper). Darüberhinaus war Jochen Rausch auch als Musiker und Komponist aktiv, er veröffentlichte u.a. mit seiner Band LEBENdIGITAL zwei bemerkenswerte „Spoken-Song-Projekte“ mit dem deutschen Poppoeten Joerg Fauser („Fausertracks“) und Udo Lindenberg („Lindenbergtracks“), beide bei Randomhouse Audio. 2015 erhielt Jochen Rausch den Grimme-Preis für eine innovative Fernsehproduktion des WDR. „Neben dem, was ich inhaltlich bei meinen Taxifahrten erfahren habe, interessieren mich neue literarische Ausdrucksformen“, sagt Jochen Rausch, „Formen, die das Geschichtenerzählen in die digitale Welt übertragen.“ Bereits die Shortstory habe ihn als literarische Form besonders gereizt, sagt Jochen Rausch, da eine Geschichte auf „engstem Raum“ erzählt werden müsse, aber „Im Taxi“ sei noch eine Steigerung, wenn es darum gehe, die Geschichte eines Menschen in nur anderthalb Minuten zu erzählen und in den kurzen Monologen, die Rausch aus seinen Gesprächsnotizen fertigte, die Persönlichkeiten der Fahrer auf eindringliche Art sichtbar werden zu lassen. „Im Taxi“ wurde bereits für den Rundfunk adaptiert, mit der Stimme des Schauspielers Johann von Bülow laufen die Geschichten als Serien bei NDR Kultur und WDR 5.

Location

Kontakthof
Genügsamkeitstr. 11
42105 Wuppertal

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Aus der Rubrik Vortrag & Lesung am 20.01.