Leben des Galilei

nach B. Brecht, ab 12 J.

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Theater & Tanz

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Veranstalterinformationen

Leben des Galilei von Bertolt Brecht Regie: Christos Nicopoulos Mit: Rainer Hannemann, Björn Lukas, Andreas Kunz, Gregor Röttger, Tim Fleischer RightLeft Galilei ist den leiblichen Genüssen des Lebens durchaus zugeneigt. Er hat Angst vor der Folter, und er verachtet die Leidenden. So widerruft er, von den Herrschenden unter Druck gesetzt, was er über die Bewegung der Himmelskörper weiß – obwohl der Allgemeinheit, ja der Menschheit etwas entgeht, wenn Galilei nur denkt und sagt, was den Machthabern passt. Aber nur, indem er sich durch öffentliches Abschwören vor der Inquisition schützt, kann er überhaupt weiterarbeiten. Und er macht weiter – allerdings nicht ohne Selbstverachtung. Brecht schafft es, Felsen in handliche Steinchen zu verwandeln. Schwere politische und moralische Brocken leicht gemacht. Foto: Wolfgang Weimer Kölnische Rundschau im Juni 2010 Ein Forscher mit Humor Christos Nicopoulos inszeniert Brechts „Leben des Galilei“ im Horizont Theater Von Rolf R. Hamacher Vor allem die Balance zwischen Unterhaltung und politischen Diskurs zeichnet Christos Nicopoulos`spannende Inszenierung von Brechts „Leben des Galilei“ aus. Das 1938 entstandene Stück – die deutsche Erstaufführung fand 1955 in Köln statt – erzählt aus dem Leben des italienischen Wissenschaftlers Galileo Galilei (1564 – 1642) 160 entdeckte er, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Diese „Ketzerei“ rief die Inquisition auf den Plan, so dass Galilei 1633 widerruft, um weiter forschen zu können. Kann ein Mann, der seine Überzeugungen verrät, einen ganzen Theater-Abend als Identifikationsfigur dienen? Es funktioniert, weil es Rainer Hannemann in der Titelrolle gelingt, den wissenschaftlichen Disput sinnfällig mit Alltagsgegenständen zu erklären und uns gleichzeitig den Menschen Galilei nahe zu bringen. Mit hintersinnigen Humor schlüpft er in die Rolle des Forschers, der sich nach der eigenen moralischen Verantwortung fragt. Unterstützt wird Hannemann dabei von einem Trio, das alle Nebenrollen spielt. Andreas Kunz führt singend durch Zeit und Handlungsorte, verleiht aber Galileis Haushälterin Satri Charisma. Björn Lukas spielt Galileis Tochter Virginia und seinen Musterschüler Andrea; und er beweist als ignoranter Hofmathematiker umwerfendes komödiantisches Talent. Gregor Röttger sind die bösen Buben zugeteilt, deren Charaktere er mit feiner Ironie aufzubrechen versteht. Wenn die vier mal nicht ihre mitreißende Spielfreude austoben, bedienen sie abwechselnd hinter den Kulissen das Licht, das auf ein von Jan Pawlowski minimalistisch, aber wirkungsvoll eingerichtetes Bühnenbild fällt. Auch historisierende Ausstattung trägt dazu bei, dass dieser Abend wie im Flug vergeht. AKT 14.06.2010 Ananda Grade GENIESSER IN GELDNOT „DAS LEBEN DES GALILEI“ VON BERTHOLT BRECHT IM HORIZONT- THEATER Sollte ein Revolutionär sich der Gewalt beugen, um Wissen und die Wahrheit zu schützen? Das ist die Grundfrage von Brechts Stück über den Physiker Galileo Galilei. Der wusste, dass die Erde nicht Mittelpunkt des Alls ist. Trotzdem schor er dieser Erkenntnis ab, um sie (und sich) vor der Inquisition zu schützen. Brecht schrieb „ Das Leben des Galilei“ als Lehrstück des epischen Theaters: chronologisch, kein Dramatik, verfremdete Figuren. Und doch kommt durch, das Galilei ein Genießer ist – besonders beim Essen, was ihn zudem in notorische Geldnot stürzt. Trotzdem ist „Das Leben des Galilei“ gespickt mit Betrachtungen über den Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion. Es ist nicht einfach, das auf die Bühne zu bringen. Regisseur Christos Nicopoulos macht etwas, das nicht einmal Brecht-Schüler Egon Monk in seiner Fernsehinszenierung von 1962 wagte: er versucht, dem sehr theoretischen Stück Unterhaltungswert abzugewinnen. Dafür ändert er die Reihenfolge der Szenen: so zeigt Nicopoulos erst den gealterten Galilei (Rainer Hannemann) und erzählt seine Geschichte in Rückblenden. Ein Spannungsbogen entsteht. Eigentlich wollte Brecht das genau umgehen. Dennoch: Nicopoulos klammert die Brecht`sche Dramentheorie weitgehend aus und verfremdet lediglich die Figuren. Das gelingt ihm: Die Darsteller tragen oftmals Halbmasken wie bei der Comedia dellàrt. Womit sie flach und stereotyp wirken – ihre Aussagen auf einmal pointiert und urkomisch werden. Ein erstaunlich gutes Mittel, um die Aufreibend Geschichte mit Humor versehen. Die Schauspieler setzen aber noch einen drauf. Sie sind nur zu viert, aber auf der Bühne wimmelt es von Figuren: Im raschen Wechsel verschwinden Björn Lukas, Andreas Kunz und Gregor Röttger hinter den Kulissen und kehren immer wieder in anderen Rollen zurück. War Kunz eben die herzliche Frau Sarti, stapft er plötzlich als fürchterlicher Inquisitor auf die Bühne. Spielte Lukas gerade noch einen buckligen Gesandten, ist er kurz danach die zarte Virginia. Die Bühne an sich ist leer. Aber das fällt gar nicht auf, so plastisch verbildlicht das Spiel den Inhalt. Nicopoulos uns sein brillantes Ensemble machen Erstaunliches möglich: Sie bringen „Das Leben des Galilei“ umfassend, seriös und dennoch vergnüglich auf die Bühne. Man merkt deutlich, dass sich der Regisseur lange intensiv mit dem Stoff beschäftigt hat. Den kühnen Eingriff in das Drama verzeiht man ihm ohne weiteres.

Location

Horizont Theater
Thürmchenswall 25
50668 Köln

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