Ein deutsches Requiem

Werke von Brahms mit ChorWerk Ruhr, Duo d’Accord u. a. / Halle 5

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Oper & Klassik

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Veranstalterinformationen

Warum müssen Menschen leiden? Wie kann Gott es zulassen, dass die verzweifeln, die Er liebt, wie kann Er bei sich selber sein, wenn er uns traurig sieht? Johannes Brahms hat diese Frage, die Theodizee-Frage, „das große Warum“ genannt und eine „kleine Abhandlung über das große ‚Warum ‘“ geschrieben, die Motette wurde zu einem berührenden Werk: „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“. – Zehn Jahre zuvor, 1868, hatte Brahms sich erstmals der Frage gestellt, wie Gott es zulassen kann, dass Menschen verzweifeln im Angesicht des Todes. Angesichts sinnlosen Leidens, angesichts seiner unfassbaren Endgültigkeit. Sein „Deutsches Requiem“ beruht wie später seine Motette auf biblischen Texten beider Testamente, von Luther ins Deutsche übersetzt und von Brahms selber zusammen gestellt — und beide Male hat Brahms bei dieser Komposition der Bibel-Texte eine Haltung bewiesen, die er selber als „ketzerisch“ bezeichnet hat, die man aber, wenn man die Bibel kennt, nur als biblisch bezeichnen kann: Er verweigert den falschen Trost, der darin liegt zu glauben, der Tod sei nur der Übergang in eine bessere Welt. – Nichts bei Brahms weist darauf hin, was alle gerne glauben, dass jeder Tod nur eine Reise sei und jedes Requiem ein Reisesegen. Der Tod, lässt Brahms mit 1 Kor 15 singen, werde nicht durchwandert, er müsse überwunden werden, und zwar nicht von uns, sondern von Gott, und zwar nicht jetzt, sondern „zur Zeit der letzten Posaune“. Keinen Tag vorher, dann aber „plötzlich, in einem Augenblick“. – Damit aber verweigert Brahms seiner Zeit das, was sie am höchsten verehrt, den Glauben an einen Fortschritt, der noch das Totenreich durchquere wie ein Conquistadeur seine Kolonien oder das proletarische Subjekt seine geschichtliche Mission oder eben die Aufklärung das Schattenreich. Keine Seele ist unsterblich, mit dieser Feststellung steht Brahms — anders als so viele Seelsorger bis heute — auf biblischem Boden. Wo es um die Frage geht, warum Menschen leiden und sich quälen und es ihnen mit Leib und Seele nicht anders ergeht als dem Vieh, wie dieses stirbt so sterben sie auch, von dieser Frage getrieben rettet sich Brahms in kein Fortschrittspathos hinein, sondern er flieht vor der Frage weg zu ihr hin, er flieht von Gott zu Gott, dem Gott Abrahams: – „Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf Dich.“ Lässt sich dies — die unabsehbar anhaltende, in der der Tod nicht überwunden ist, in der Menschen hoffen können, aber leiden müssen — lässt sich dies mit großem Orchester und noch größerem Chor ausdrücken? – Brahms hat das Requiem, hier ganz Kind seiner Zeit, für reichlich große Besetzung geschrieben, allein der Chor sollte 200 Stimmen stellen. Florian Helgath reduziert auf 29 solistische Stimmen und übersetzt das gewaltige Orchester in den Klang von zwei Flügeln. Brahms selber hatte bereits eine vierhändige Klavierfassung des Werkes erstellt, die einer schöpferischen Um– und Neugestaltung des Werkes nahekommt, das Duo d’ Accord erstellt derzeit eine eigene, neue Klavier-Transkription für zwei Klaviere. Eine kammermusikalisch transparente Form entsteht, dazu da, Antworten zu finden auf die Frage, wie es klingt, auf einen Gott zu hoffen, der sagt: – „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Location

Zeche Zollverein, Areal A, Schacht 12
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen

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