Erik Arellana Bautista

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Der Staat Kolumbien kommt in unseren Medien kaum vor. Im Augenblick befindet sich das Land im Umbruch, die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und der Guerrilla FARC gehen ihrem Ende entgegen und sollen bis zum März 2016 abgeschlossen sein. – Doch die tiefen Wunden bleiben: Erik Arellana Bautistas Mutter, Nydia Erika Bautista, gehört zu den Verschwundenen. Von Regierungstruppen verschleppt, wahrscheinlich gefoltert, vielleicht ermordet. Ebenso wie die anderen Verschwundenen ist auch sie nie wieder aufgetaucht. Das Verschwindenlassen von „politisch unbequemen” Personen als Druckmittel seitens der Regierung wird seit Jahrzehnten in mehreren lateinamerikanischen Ländern praktiziert. Die zurückgebliebenen Angehörigen wissen im wahrsten Sinn des Wortes nicht, wohin mit ihrer Trauer. Das ist besonders schmerzlich für Kinder, die ihre Eltern vermissen. Ihr Leben lang. Erik Arellana Bautista hat im Gedenken an seine Mutter eine Stiftung gegründet, die den Zurückgebliebenen hilft. – Erik Arellana Bautista, geboren 1974 in Bogotá, kolumbianischer Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist und Autor. Er gründete eine Stiftung, die nach seiner Mutter Nydia Erika Bautista benannt ist und arbeitet unermüdlich gegen das Vergessen der im bewaffneten kolumbianischen Konflikt Verschleppten und Verschwundenen. Arellana Bautistas Mutter, die in den achtziger Jahren politisch im Untergrund arbeitete, wurde 1987 durch kolumbianische Paramilitärs entführt und ermordet. Aufgrund seines Engagements wurde auch er verfolgt und bedroht. Von 1997 an lebte er zehn Jahre in Deutschland, hier konnte er Audiovisuelle Kommunikation an den Kunsthochschulen in Kassel und Weimar studieren, begann literarisch zu schreiben und Dokumentarfilme zu drehen. Immer wieder kehrte er zu seinem Hauptthema zurück: Die Verschwundenen und der Schmerz ihrer Angehörigen. „Das Verschwindenlassen löscht die Geschichte jedes einzelnen Menschen aus“, schreibt er. 2006 kehrte er nach Kolumbien zurück, um als Journalist und Universitätsdozent in Bogotá zu arbeiten. Es entstanden mehrere künstlerische Arbeiten, wie das audiovisuelle Projekt „Geomalla“ (2011), das Erinnerungsmodule mit aktuellen Ausdrucksformen urbaner Subkulturen miteinander in Beziehung setzt. In seinem Gedichtband Transitos de un hijo al Alba (2011) beschäftigt er sich mit dem eigenen Schicksal als Sohn einer Verschwundenen und erzählt die Geschichte eines Volkes ohne Namen. Arellana Bautista begann damit, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und Erinnerung gegen Vergessen zu setzen, doch zunehmend geriet die Arbeit seiner Stiftung in Kolumbien unter Druck: Büroräume wurden überwacht, Mitarbeiter belästigt und verfolgt. Seine Wohnung wurde im Mai 2013 aufgebrochen und sein PC mit Informationsmaterial über jene Opfer, die von der Stiftung betreut wurden, gestohlen. Seit Juni 2014 ist er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN und lebt in Hamburg.

Location

Literaturhaus
Neuer Graben 78
44139 Dortmund

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