Stadtradeln: Fahrradkur für die Umwelt

Freie Fahrt! | Foto: RVR/Tim Foltin

Eines der ambitionierten Projekte bei der infrastrukturellen Weichenstellung in der Region ist der geplante Radschnellweg Ruhr, der im besten Fall mehr Pendler zwischen Wohnort und Arbeitsstelle vom Gas- aufs Radpedal wechseln lässt. Ob die Bereitschaft zum ökologischen Wandel seitens der Bevölkerung im Ruhrgebiet überhaupt besteht, wird die Kampagne „Stadtradeln" in den kommenden Tagen zeigen. Denn am 30. August starten 13 Ruhrgebietsstädte in den Wettbewerb und treten kräftig in die Pedale.

Die Aufgabe für alle Teilnehmer ist dabei relativ simpel: Als Team gilt es in einem Zeitraum von drei Wochen so viele Kilometer auf dem Rad wie möglich zu sammeln. Als Vorbild strampeln Kommunalpolitiker vorneweg und werden dabei von Vereinen, Schulklassen, Firmen und Einzelpersonen unterstützt.

„Unser gut ausgebautes und weit verzweigtes Radwegenetz von rund 700 Kilometern Länge eignet sich schon heute in hohem Maße für eine städteübergreifende Mobilität“, sieht Martin Tönnes, Bereichsleiter des Regionalverband Ruhr, die hiesigen Teilnehmer am „Stadtradeln“ gut gewappnet. Tönnes ergänzt: „Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) hat das Wegenetz erst kürzlich mit drei Sternen als sicher und gut ausgezeichnet.“

Damit können die Experten allerdings kaum die großen Innenstädte gemeint haben. Allein in Bochum nimmt der Radler eher ein Bußgeld für die Nutzung der Fußgängerwege in Kauf, als sich der Gefahr des Innenstadtrings auszusetzen. Und wer den ausgewiesenen Fahrradweg quer durch die City nimmt, darf allzu oft Slalom um falsch geparkte Autos fahren. Zudem besitzen relevante Ein- und Ausfallstraßen keine Radwege und zwingen zur PKW-Spur-Nutzung.

Weitaus besser sieht es dagegen „im Grünen“ aus. Ehemalige Industrietrassen sind mittlerweile zu Rad- und Fußwegen umgewidmet und laden ebenso zu ausgedehnten Touren von Ort zu Ort ein wie die charmanten Strecken entlang von Ruhr, Emscher und Rhein-Herne-Kanal.

Bislang haben sich 350 Teams mit insgesamt rund 2.000 begeisterten Radlern für die Metropole Ruhr zum „Stadtradeln" angemeldet. Wegen des Pfingststurms „Ela" musste der ursprüngliche Wettbewerbszeitraum vom 4. Juni bis zum 14. Juli jedoch verlegt werden. Zu viele Straßen und Radwege waren wegen der Sturmschäden gesperrt. Auch die Auftaktveranstaltung zum „Stadtradeln", nämlich die Eröffnung des „Fahrradsommers der Industriekultur" am 15. Juni an der Jahrhunderthalle Bochum musste gestrichen werden. Jetzt sind die Sturmschäden aber zum größten Teil beseitigt und die Straßen wieder freigeräumt, sodass der Radelpartie im Ruhrgebiet nichts mehr im Wege steht. Vom 30. August bis zum 19. September können die Teilnehmer also endlich ordentlich Kilometer für ihre Stadt sammeln. Neben Bochum, Duisburg, Dorsten, Dortmund, Gladbeck und Gelsenkirchen, treten auch Radler aus Essen, Bottrop, Hamm, Herne, Mülheim, Lünen, Herdecke und Dorstenan.

Einzig die Zweiradbegeisterten aus Moers trotzdem dem Sturm und radelten schon im ursprünglichen Zeitraum los. Insgesamt 40.543 Kilometer, also die Strecke einmal um den Äquator, haben die 160 Teilnehmer in drei Wochen mit dem Rad zurückgelegt. Dabei vermieden sie 5.838,1 Kilogramm des umweltschädlichen CO2.

Die teilnehmenden Städte im Überblick

Bochum
Bottrop
Dorsten
Dortmund
Duisburg
Essen
Gelsenkirchen
Gladbeck
Herdecke
Herne
Lünen
Moers
Mülheim an der Ruhr

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