Die dritte Form der Jagd: Pilze sammeln

Steinpilze machen es sich am liebsten neben Fichten gemütlich. | Foto: Privat

Durch den Wald vor der Haustür stromern, hier und da ein Pilzchen einsacken, dann ab nach Hause und in den Kochtopf mit der Ausbeute – ein Hauch von Abenteuer mit Erfolgserlebnis. Ganz so einfach ist es nicht, sagt Dr. Wilfried Collong. Der geprüfte Pilzexperte (DGFM) ist Leiter der Mykologie beim Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal und gleichzeitig natürlich selbst Sammelfan. Irmine Estermann hat er verraten, wie man zum versierten Pilzjäger wird und wann und wo sich ein Ausflug in den Wald lohnt.

Warum im Wald sammeln und nicht im Supermarkt kaufen?

Pilze sammeln ist die dritte Form der Jagd, also nach dem Erlegen von Tieren und dem Fischen. Man geht in den Wald und findet etwas oder auch nicht. Gleichzeitig benötigt man Kenntnisse, um sicher sammeln zu können. Für jemanden wie mich ist es eine tolle Sache: Ich weiß nie, ob ich Erfolg habe und kann diesen sportlichen Aspekt mit dem Aufenthalt in der Natur verbinden. Das ist eine wunderbare Verknüpfung.

Dr. Wilfried Collong | Foto: Privat

Was ist der beste Einstieg für Sammelneulinge?

Das Allerbeste ist, sich erstmal an Exkursionen zu beteiligen. Es ist effektiv, weil man viele Anregungen bekommt und gleichzeitig die netteste Art, weil man in der Gruppe unterwegs ist. Der Naturwissenschaftliche Verein Wuppertal bietet solche Exkursionen an, ebenso wie Pilzberatungen mit geprüften Sachverständigen, zu denen man mit seinem Fund gehen kann. 2016 hat sich zusätzlich der „Mykologische Arbeitskreis Bergisches Land“ gegründet, der zusätzlich monatliche Treffen und Exkursionen organisiert.

Sie raten also davon ab, ohne Vorkenntnisse einfach mit einem Körbchen in den Wald zu stiefeln?

Naja: Vun nix kütt nix. Man sollte beim Pilze sammeln immer gewisse Grundkenntnisse haben, sich also vorher Merkmale der Pilze erklären und zeigen lassen. Im Gegensatz zu Pflanzen verändert sich das Aussehen des Pilzes abhängig vom Alter und der Witterung. Im Bergischen Land haben wir geschätzt an die 1000 Arten, nur ein geringer Teil davon ist genießbar.

Welche Speisepilze kann man in der Region gut sammeln?

Steinpilze und Pfifferlinge sind hier klassisch zu finden, ebenso Stockschwämmchen oder milde Täublinge. Das Sammeln von Steinpilzen ist eher ungefährlich. Er hat allerdings einen ungenießbaren Verwandten: Den Gallenröhrling. Der ist zwar nicht giftig, schmeckt aber gallenbitter. Er kann heftige Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Der einzige giftige Röhrling wäre der Satanspilz. Den hat, meines Wissens nach, in dieser Gegend noch niemand gefunden. Er ist generell sehr selten. Er hätte eine rote Röhrenschicht, der Steinpilz hat eine grünliche.

Wo habe ich die besten Chancen Speisepilze wie den Steinpilz zu finden?

In Wuppertal eignet sich zum Beispiel der Marscheider Wald. Es ist ein Mischwald und durch die vielen Bachläufe eher feucht. Es ist kein Naturschutzgebiet, so dass man die Pilze auch mitnehmen kann. Röhrlinge, Pfifferlinge und auch Täublinge gehören zu den Mykorrhizapilzen. Das bedeutet, sie gehen eine Symbiose mit bestimmten Bäumen ein und sind in der Nähe der Baumwurzeln zu finden. Beim Steinpilz sind das vor allem Fichten, seltener auch andere Bäume. Der Pfifferling ist nicht so wählerisch, braucht aber auch einen Baum zum Überleben. Mykorrhizapilze versorgen die Bäume vor allem mit Mineralsalzen und erhalten dafür Kohlehydrate, die bei der Fotosynthese entstehen. Eine andere Art sind die Folgezersetzer wie der Champignon. Sie ernähren sich von totem Material, etwa Totholz. Die dritten sind Parasiten, die sich vom lebenden Baum ernähren, wie der Hallimasch-Pilz.

Der Flockenstielige Hexenröhrling : mild im Geschmack, roh unverträglich. | Foto: privat

Wann ist die beste Zeit für Pilze?

Eigentlich ist die klassische Zeit im September und Oktober. Allerdings kann es sein, dass dieses Jahr im August Hochsaison war. Voraussetzung für das Wachstum sind viel Regen und Wärmephasen, und das hatten wir im Juli. Letztes Jahr war die Hochsaison Ende Oktober. Aber eigentlich kann man Pilze ganzjährig sammeln. Im Winter wächst zum Beispiel der Austernseitling, im Frühling gibt es viele kleine Pilze, die kaum jemand wahrnimmt.

Wann sollte ich mir nach dem Verzehr von Pilzen Sorgen machen?

Wenn die Beschwerden klar mit dem Verzehr in Verbindung stehen, sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen. Bei der Giftnotrufzentrale sind Experten wie ich gelistet, die die Pilzreste untersuchen und sagen können, ob der Pilz giftig war. Aber eigentlich sollte man sich vor dem Verzehr eines gesammelten Pilzes so sicher sein, dass das nicht nötig sein sollte.

Ein letzter Tipp noch zur dritten Form der Jagd: Wie bereiten Sie Ihre Beute am liebsten zu?

Je einfacher, desto besser. Pilze an sich haben ja kaum Eigengeschmack sondern geben nur das Aroma an die Speise ab. Ich mache am liebsten eine Pilzsuppe. Pilze mit Speck und Zwiebeln andünsten und mit Gemüsebrühe ablöschen. Etwas Sahne dazu. Fertig.

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