Nah am Wasser gebaut

Landschaft im Fluss. Insel von Thomas Stricker | Foto: Rainer Schlautmann

Einen schönen Ausflug ins Grüne unternehmen oder doch lieber Kunst gucken? Wer am Wochenende in diese Zwickmühle gerät, unternimmt am besten beides zugleich: Das Kunstprojekt „Über Wasser Gehen“ entlang der Seseke macht’s möglich.

Eine künstliche Insel, idyllisch mit Schachtelhalmen und Zypressen bepflanzt – das ist die „Stricker-Insel“ an der Seseke und Michael Steinbachs erklärter Lieblingsort an diesem Flüsschen. Der Pressesprecher des Lippeverbandes kann sich noch gut erinnern, wie hier „ein scheußliches, stinkendes Gebilde mit Bauzäunen von den Menschen ferngehalten werden musste“. Ein paar Jahre später wurde der Fluss im Kreis Unna östlich von Dortmund im Zuge von 2010 mit dem Projekt „Über Wasser Gehen“ renaturiert.

Angesiedelt haben sich nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die Kunst. Zwölf Objekte haben sich an der Seseke und ihren Zuflüssen niedergelassen, acht sind noch vorhanden. „Wir freuen uns, dass auch eines der kleineren Projekte von 2010 erhalten geblieben ist, und das ohne großen finanziellen Rückhalt“, so Steinbach. Bislang haben die Anrainerstädte, der Kreis Unna und der Lippeverband, das Projekt verwaltet, inzwischen sind auch die Urbanen Künste Ruhr und der Regionalverband Ruhr mit im Boot. Unter dem Motto „land gewinnen“ wird das Projekt von Kuratorin Billie Erlenkamp nun um vier neue Kunstwerke erweitert.

Anja Vormann und Gunnar Friel werden etwa dem Projekt Steine in den Weg legen: Manche schweben, manche liegen, und manche haben ein QR-Code, der per Video dem echten Erleben des Flusses ein virtuelles entgegensetzt. „Der wachsende Steg“ des Bureaus Baubotanik an der Fünf-Bogen-Brücke in Kamen ist ein 18 Meter langes lebendiges Bauwerk aus Pflanzen und Bauteilen; Claudia Schmacke lässt am Afferder Bach urplötzlich eine Fontäne auftauchen. Wie bedrohlich ein kleiner Fluss aussehen kann, zeigen schließlich die Mini-Einfamilienhäuser im Maßstab 1:10, die Folke Köbberling und Martin Kaltwasser in Kamen-Heeren platzieren.

Optimal er-fahren lassen sich die Objekte auf dem gerade fertig gestellten Sesekeradweg, der über 19 Kilometer von Lünen an der Lippe bis Bönen führt, überwiegend direkt am Wasser. Geballtes Know-How gibt’s bei den Radtouren mit der Kunsthistorikerin Nicole Hohmann. Die nächste ist am 29. Juni und bietet 6,5 Stunden Kunst und startet am Dortmunder Hoeschpark. Wer nur 14 Kilometer absolvieren will, stößt in Kamen-Lünen dazu.

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