Flughafen Dortmund: Ein Blick hinter die Kulissen

Die großen Maschinen rückwärts in ihre Parkposition zu bringen, verlangt Millimeterarbeit. | Fotos: Dominique Schroller

Damit die Passagiere entspannt in den Urlaub fliegen können, muss beim Bodenpersonal alles reibungslos verlaufen. Ein Blick hinter die Kulissen des Dortmunder Flughafens.

Weich setzt der stählerne Vogel auf der Landebahn des Dortmunder Flughafens auf und rollt lautlos an den großen Panorama-Fenstern des Kontrollturms vorbei. Dahinter sitzt Jan Rüddenklau vor einer Wand aus Monitoren und telefoniert. Die Maschine aus Riga würdigt der Verkehrsleiter vom Dienst keines Blickes. Er weiß dennoch genau, wohin sie sich bewegt, denn bei ihm laufen alle Informationen für ihre Abfertigung am Boden zusammen. „Eurocontrol aus Brüssel hat mir bereits gemeldet, dass sie pünktlich ist“, sagt der 47-Jährige. Im Hintergrund knarzt das Funkgerät vernehmlich. „Wir hören hier den Flug- und Betriebsfunk mit, werden aber erst hellhörig, wenn etwas nicht nach Plan läuft.“ Dann kann es in der sonst ruhigen Verkehrszentrale stressig zugehen. „Gerade wenn Flüge außerhalb des Schengen-Raums betroffen sind, müssen wir schnell handeln, weil sehr viele Personen involviert sind“, sagt Rüddenklau. Den regen Flugverkehr während der Ferien meistert er gelassen. „Wichtig ist, immer ruhig zu bleiben“, sagt er mit einem entspannten Lächeln, während im Hintergrund die Maschine aus Riga ihre Parkposition erreicht.

Die Anzeigetafel im Terminal verrät, dass der Flug um 16.25 Uhr planmäßig gelandet ist. Unter Abflug ist die nächste Verbindung nach Riga bereits für 16.50 Uhr gelistet. Die eben noch lange Schlange am mittleren der insgesamt 28 Check-in-Schalter ist inzwischen verschwunden, die Servicekraft hinter dem Tresen allein. „In den Ferien haben wir viele Familien und alleinreisende Kinder, die ihre Verwandten besuchen. Da sind die Maschinen fast alle ausgebucht und die Urlauber haben deutlich mehr Gepäck dabei, als sonst die Geschäftsleute“, sagt die Mitarbeiterin in blau-weißer Uniform und geknotetem Halstuch. Sie wartet bereits auf die nächsten Gäste, die nach Kattowitz wollen. Rund zwei Millionen Passagiere heben jährlich von Dortmund aus ab. Zu den beliebtesten Zielen zählen Palma, London, München und Budapest. Flüge zum Goldstrand in Bulgarien und die griechische Hafenstadt Thessaloniki erweitern das Sommerprogramm. Ein Gong ertönt. „Der Passagier Karsten Grogorijs, gebucht nach Riga wird dringend gebeten zum Gate Acht zu kommen.“

Ralf Exner und Sascha Langner

Während die Passagiere in der Schleuse warten, herrscht auf dem Vorfeld professionelle Betriebsamkeit. Nur 25 Minuten bleiben Crew und Bodenpersonal, um die Maschine wieder startbereit zu machen. Während zwei Männer in gelben Westen Koffer und Taschen von Gepäckwagen auf ein Transportband verladen, bespricht Sascha Langner vom Bodenverkehrsdienst die Ladepapiere mit seinem Kollegen Ralf Exner. Beide nicken sich kurz zu, dann geht jeder seiner Wege. Mit einem kritischen Blick umrundet der Pilot unterdessen sein Flugzeug, inspiziert Tragflächen und Triebwerke auf sichtbare Schäden. Sein Kollege sitzt im Cockpit und plant den Rückflug. Umgeben von Navigations- und Messgeräten, unzähligen Knöpfen und Instrumenten hat er sich konzentriert über ein Klemmbrett gebeugt. Überrascht schaut er auf, als Sascha Langner den Kopf in die kleine Kabine steckt und ihm die Ladepapiere reicht. „Alles in Ordnung?“, fragt er ihn. Der Co-Pilot nickt. „Wir warten nur noch auf die letzten Änderungen.“

180 Menschen und 70 Millionen Euro Material am Haken

Sascha Langner wirft einen prüfenden Blick auf die Ladepapiere. „Es sind zwei Männer und zwei Frauen weniger an Bord. Das bedeutet 316 Kilo weniger und entsprechend muss der Pilot das Flugzeug neu kalibrieren.“ Er ist für das Be- und Entladen der Maschine, den Passagierfluss und die Sicherheit verantwortlich. „Hier darf keine Schraube und nichts herumliegen, das den Flieger beschädigen könnte“, sagt er. Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn er einen der stählernen Vögel mithilfe des wendigen Schleppers rückwärts einparkt. „Dann bin ich mir schon bewusst, dass ich 180 Menschen und 70 Millionen Euro Material am Haken habe. Dafür braucht man ein Händchen“, sagt der gelernte Maschinenbautechniker. Er war zuvor im Bergbau tätig, hat sich dann fortgebildet und ist seit elf Jahren auf dem Flughafen-Vorfeld im Einsatz. „Das ist ein wirklich geiler Job. Denn wir sind hier für alles verantwortlich und arbeiten im Team ganz eng zusammen.“ Dabei bewegen sie beim Gepäck in kürzester Zeit Tonnen, damit die Kunden nicht warten. „Die sind manchmal noch gar nicht am Band, da kreisen die Koffer schon.“

Zurück bleibt nur der beißende Geruch nach Kerosin

In der großen Halle wartet eine Gruppe Passagiere, die gerade aus Kattowitz gekommen ist, noch auf ihre Habseligkeiten. Sollte etwas fehlen, hilft Lorena Krebs am Fundsachen-Schalter weiter. „Es bleibt immer mal etwas liegen und wenn die Aufkleber mit den Flugdaten fehlen, ist es schwierig, die Besitzer zu ermitteln“, sagt sie. Sie speist dann eine genaue Beschreibung in das internationale System ein, das Such- und Fundmeldungen miteinander vergleicht. „Wir dürfen die Koffer nur fünf Tage hier behalten. Danach kümmert sich die Fluggesellschaft weiter darum“, sagt Lorena Krebs. Sie liebt es besonders, in die glücklichen Gesichter der Gäste zu schauen, wenn sie einen verloren geglaubten Koffer wiederbekommen.

Beim Flug nach Riga ist das Gepäck verstaut, Ladeluken und Türen geschlossen. Langsam rollen die Gangway-Wagen rückwärts. Ralf Exner steht vor dem Bugfahrwerk und gibt den Piloten das Signal, dass alles sicher ist. Mit einem lauten Dröhnen setzt sich die erste Triebwerksturbine in Bewegung, die zweite stimmt wenig später ein. Als beide Motoren rund laufen, rollt die große Maschine auf ihren kleinen Rädern langsam los. Elegant schwenkt sie auf die Startbahn ein, nimmt lärmend Fahrt auf, um lautlos abzuheben und wenig später über den Wolken zu verschwinden. Zurück bleibt nur der beißende Geruch nach Kerosin.