Die alternative Ruhrpott-Bucket List - Volume 1

| Foto: coolibri

Im Ruhrpott gibt es mehr als einiges zu tun. Grund genug, mal eine Bucket List anzufertigen – das heißt, eine Liste von Dingen, die man gemacht haben will, bevor es heißt: „Kick the bucket“. Oder auf gut Ruhrpottdeutsch: „Den Löffel abzugeben“. Ergo schreiben wir hier wohl eine Löffel-Liste. Weil aber die großen Pott-Highlights á la Zollverein, Bergbaumuseum und Dortmunder U sowieso jeder schon besucht haben sollte, servieren wir eine alternative Liste mit kleinen, versteckten Ruhri-Dingen, die man in den offiziellen Touriguides vergeblich sucht, aber trotzdem gesehen haben muss.

Idyllische Einsamkeit in der Tongrube genießen

Mystisches Idyll mitten im Pott. Die ehemalige Tongrube der Ziegelei Leßmöllmann bei Castrop-Rauxel ist heute ein Naturschutzgebiet, das jedem Städter die Schönheit der Einsamkeit vorführt. Viel Grün, sanfte Pflanzen, ein Weiher und quakende Frösche verleihen der Grube ihre Magie. 

Über den Regenbogen laufen

Klingt nach 'ner MyLittlePony-Fantasie, wird aber am Ende des TU Dortmund Parkplatzes an der Emil-Figge-Straße Wahrheit – hier wird nachts eine Fußgängerbrücke über die A40 in Regenbogenfarben beleuchtet. Ein kurzer Spaziergang, an den man sich noch lange erinnern kann.

Den verwunderlichsten Radweg abradeln

Von Bönen über Lünen nach Kamen führt der Seseke-Weg. Entlang der Strecke finden sich gar mannigfaltige Stationen, die zum Stirnrunzeln und Kopfkratzen anregen. Da wären etwa die Bach-Laternen, die lieber ein Fließgewässer als den Radweg beleuchten, weiße Miniaturhäuser, eine halbe Brücke, ein großes JETZT oder die Pixelröhre, in der sich die Welt in Rastern spiegelt.

Die Wilde Insel erkunden

Zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher erhebt sich auf Höhe der Gelsenkirchener Schleuse ein schmaler Damm, liebevoll als Wilde Insel bezeichnet. Hier findet sich ein kleiner Berg, auf dem sich ein ungewöhnliches Denkmal inspizieren lässt: Ein singender Fels. Genannt „Monument for a Forgotten Future“, ist dieser eine Nachbildung einer Steinformation aus dem südkalifornischen Joshua-Tree-Nationalpark. Im Inneren spielt (während des Sommers) eine Symphonie in Endlosschleife. Magisch! 

Auf der Regenbogenbrücke | Foto: Lukas Vering

Die Halde Brockenscheidt bis zum Spurwerkturm erklimmen

Ein Besuch im beschaulichen Städtchen Waltrop dürfte für so manchen Ruhrpöttler ein Novum sein – die Halde mit Turm am Gelände der ehemaligen Zeche Waltrop ist es aber wert. Der Spurwerkturm ist eine pyramidenartige Konstruktion und dient nicht nur als schmuckes Fotomotiv, sondern auch als Aussichtsplattform. Man sieht zum Beispiel das Zechengelände, in dem heutzutage neues Leben in Form einer großen Manufactum-Verkaufsstelle rumort.

Im Kanal mit großen Schiffen schwimmen

Datteln ist ja weltbekannt als einer der größten Kanalknotenpunkte überhaupt (yeah!). Echte Dattelner kennen ihren Kanal natürlich auch als erste Wahl für erfrischendes Schwimmvergnügen. Beim Vorbeiziehen von Pott und Pönte sollte man natürlich schön in Nähe der Spundwand dümpeln.

Die Alte Fahrt befahren

In Olfen hat man einst Brücken über Flüsse gebaut, auf denen andere Flüsse flossen. Klingt so, als könnte man heute darauf Radfahren, Rasten und Natur genießen? Volltreffer! Außerdem ist die Dreibogenbrücke ein fotogener Hingucker aus jedem Blickwinkel. 

Mit der H-Bahn fliegen

Für die einen ist es lahmer Unialltag, für die anderen ist es Achterbahnfahren über grüner Wildnis und grauem Campus – einmal muss man mit der schwebenden Studibahn geflogen sein. Aber Vorsicht: Am Wochenende wird nicht geflogen.

Auch gut per Boot zu erkunden - der Dattelner Kanal | Foto: Lukas Vering

Gustavs Park entdecken

Hinter der Zeche Carl wartet ein klitzekleiner Landschaftspark inklusive grün wucherndem Parkgelände, in das sich einige interessante Kunstwerke geschlichen haben. Gustav ist quasi der kleine Indie-Bruder mit Punkfrisur der Zeche Zollverein – und dafür muss man ihn lieben.

Die Finefrau Nebenbank besuchen

Der Steinbruch am Kalwes gilt als Naturdenkmal. Wir sparen uns fachliches Gerede über Gestein und freuen uns darüber, dass ein Flöz den drolligen Namen Finefrau Nebenbank abgegriffen hat und hier Meeresfossilien zu finden sind. Öffentlich zugänglich ist der Bruch nicht, es werden aber immer wieder Führungen angeboten.

Einmal über einen leuchtenden Friedhof wandeln

Einmal im Jahr (11.9.-27.9.2015) erscheint Unna im Rahmen der Stadtlichter im bunt-leuchtenden Gewand – dazu zählt auch der Westfriedhof. Zwischen Grabstein und Lichtkugel, zwischen faszinierend und unheimlich prickelt hier eine ganz besondere Atmosphäre.

Crange ohne Kirmes entdecken

Crange is Kirmes – das ist eine allgemeingültige Losung im Pott geworden. Aber schon gewusst, dass die Siedlung davon ab auch interessante Fachwerkhäuser, Kanalschleuse, Berghalde, Betonbunkerchen und eine Wasserschloss-Ruine zu bieten hat? Und auch der weitläufig leergefegte Kirmesplatz so ganz ohne Glanz und Gloria hat was. 

Im Garten der Erinnerung verweilen

Ein paar Schritte vom fast schon steril-modernen Duisburger Innenhafen entfernt findet sich der erstaunliche Garten der Erinnerung, in dem strahlend weiß angepinselte Überreste abgerissener Gebäude wie Monumente einer vergessenen Welt verweilen. Treppenhäuser, ein Aufzugschacht, Hallenkonstruktionen und Betongerippe, durchsetzt von Bäumen, Gräsern und Büschen. Beeindruckend!

Garten der Erinnerung | Foto: Lukas Vering
Gustavs Park | Foto: C. Odzuck
Garten der Erinnerung | Foto: Lukas Vering

Sich von der Camera Obscura verzaubern lassen

In der Kuppel des alten Wasserturms am Schloss Broich (klingt jetzt schon magisch, wa?) findet man einen ganz besonderen Raum. Hier fällt Licht durch ein Loch in der Kuppel, welches auf einen runden Tisch trifft – und die Welt außerhalb des Turmes zeigt. Der Raum ist die größte begehbare Lochkamera der Welt und sorgt für Staunen, bis die Augäpfel jucken.  

An den azurblauen Harpener Teichen vorbeispazieren

Auch als Werner Teiche bekannt sind diese Stillgewässer mit ihrem milchig-azurblauen Gewässer. So schön das (vor allem auf Fotos) anzusehen ist, so derbe stinkt es hier auch gerne mal nach Schwefel aka faulen Eiern – die Farbe stammt nämlich vom mineralreichen, warmen Grubenwasser der ehemaligen Zeche Robert Müser, das in die Teiche geleitet wird. Dennoch: Ein besonderes Fleckchen Natur mit spezieller Flora und Fauna und einer mal anderen Erinnerung an die Industriegeschichte.  

Über die Hombrucher Alpen kraxeln

Liebhaber kennen die Halde Gotthelf als Hombrucher Alpen, der Rest übersieht diese kleine Halde mit Doppelspitze im Dortmunder Südwesten gerne mal. Dabei bietet sie Blick auf Zechensiedlungen, den Florian, Industriedenkmäler und viel Grün.  

Ein Konzert im Duisburger "Das Café" sehen

Diese Kneipe mit skuril-zerrocktem Innenraum, ausgefallenem Interieur und unwiderstehlich authentischem Flair ist absoluter Duisburger Kult. Künstler Eckart Graefen hinterließ hier bleibende Eindrücke seines Schaffens, heute locken immer wieder Konzerte mit lokalen Barden und charmanten Liedermachern. So sieht modern-pöttische Kneipenkultur aus.

Das pöttische Irland finden

Ein Stück der Emerald Isle hat es auch in den Pott geschafft – der Erin Park bei Castrop-Rauxel rankt sich um die ehemalige Zeche und Kokerei Erin, gegründet vom Iren William Thomas Mulvany. Im Park erinnern daran grüne Hügelformen, viel Naturstein und ein Förderturm. Unweit entfernt findet sich zudem der von einem Keltischen Baumkreis umzingelte Hammerkopfturm. Ein Guiness als Wegbier?

Westruper Heide
Fotos: Lukas Vering

Den Alltag in der Westruper Heide vergessen

Fast surreal und wie aus einem Videospiel oder Fantasyroman geschnitten wirkt die Landschaft der Westruper Heide nahe Haltern. Hier blüht im August und September das lila Heidekraut, Sonnenuntergänge tauchen die Hügel in zartes Gold und Spaziergänge sorgen für kleine Pausen von der Realität. Zum Seufzen schön.

Sich im Maislabyrinth verirren

Mal so richtig nett die Orientierung verlieren – das sorgt für spannende Denkaufgaben und frische Luft im Hirn. Möglich im Terhardt Maislabyrinth bei Haltern am See – das bietet auch Spuknächte an, aber Horror- und Gore-Fans seien gewarnt: Kinderfreundlich!

Durch die Burgruine auf Hohensyburg geistern

Eigentlich sehr bekannt, aber dennoch oft aus dem Kanon der großen Sehenswürdigkeiten ausgelassen ist die malerische Ruine der Hohensyburg. Getoppt wird diese eigentlich nur von dem grandiosen Ausblick über Hengsteysee, Ruhrtal und Dortmund. Ebenfalls imposant: Das riesige Kaiser-Wilhelm-Denkmal gleich ums Eck. 

Das Berger-Denkmal entdecken

Um dieses Denkmal mitten im Ruhrtal zwischen Witten und Wetter zu entdecken, braucht es eine Wanderung über Stock und Stein durch das Naherholungsgebiet Hohenstein. Besonders im Herbst ist dies eine schöne Strecke durch die Natur, bei der man auf den achteckigen Haarmannstempel, ein Wildgehege, einen Staudamm und schließlich auf das imposante Denkmal mit feinster Aussicht auf das Ruhrtal trifft. 

Hohensyburg | Foto: Lukas Vering
Deusenberg | Foto: Lukas Vering

Auf Wilde Tuchfühlung gehen

Der Naturwildpark Granat bei Haltern ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Meetingpoint für kuschelige Treffen mit Wildtieren. Während Wölfe, Luchse, Kängurus, Wildschweine oder Nandus in großen Gehegen umherstreifen, laufen einige Wildtiere, wie Rehe, Böcke und Kaninchen frei umher und geben sich zutraulich.

Auf den Dortmunder Deusenberg steigen

Aus Dreck, Müll und Trümmern ist ein grüner Hügel und Ruheort abseits des Stadtlärmes gewachsen. Außerdem findet sich hier ein Mountainbiketrack und ein schöner Ausblick auf die Dortmunder Innenstadt, die umliegende Industrie und die Zechen Fürst Hardenberg und Minister Stein.

Die Pattberghalde berühmt machen

Die Halde Pattenberg in Moers gehört nicht zu den allseitsbeliebten Gipfelpunkten des Potts – aber warum eigentlich? Es gibt ein schmuckes, großes Gipfelkreuz mit uriger Holzbank nebendran, wundersamen Ausblick auf Industrie und Natur, viel Grün und einige Überraschungen aus der Bergbauzeit. Zeit, jede Menge Bilder zu knipsen und sie überall zu posten – bis auch diese Halde zum Ruhrpottkanon gehört.

Die Liste zum Ausdrucken

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Die alternative Ruhrpott-Bucket List - Volume 2

Es gibt immer noch so viel in den heimlichen Ecken des Ruhrpotts zu entdecken... da reicht eine Bucket List nicht aus! Hier deswegen unsere zweite Liste mit unerwarteten Dingen, die man im Ruhrgebiet unbedingt gesehen und/oder erlebt haben muss, bevor es zu spät ist.  >>Zur ersten Liste<< [mehr...]


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