Über Stock und Stein: Wandern auf dem Baldeneysteig

| Foto: Thea Jungnickel

Seit September lädt der Baldeneysteig in Essen zum Wandern ein. Der 26,7 kmlange Weg führt entlang des Baldeneysees und über die Höhen nördlich undsüdlich der Ruhr. Lina Niermann hat die südliche Teilstrecke zwischen Kupfer-dreh und Werden erwandert und erzählt, warum sich die Anstrengung lohnt.

Die Sonne strahlt vom tiefblauen Himmel und erwärmt den Boden. Der erdige Geruch von Herbstlaub liegt in der Luft. Ein perfekter Tag zum Wandern. Als Einstieg des Rundwegs bietet sich die S-Bahn-Haltestelle Essen-Kupferdreh an. Von dort aus sind es nur wenige Meter bis zur Ruhr. Das südliche Ufer des Baldeneysees im Rücken geht es zunächst steil bergauf über die Dilldorfer Höhe. Birken und Buchen säumen den Weg. Die Strecke verläuft entlang des ehemaligen Zechengeländes Kaiserin Augusta, kreuzt die Hammer Straße und führt dann auf schluchtenartigen Waldwegen wieder abwärts.

Kein Spaziergang

Spätestens jetzt ist klar, das hier wird kein Spaziergang. Nicht umsonst stuft das Projektbüro der Grünen Hauptstadt den Schwierigkeitsgrad des Baldeneysteigs als „mittel bis hoch“ ein und attestiert ihm eine Familientauglichkeit „nur in einigen Abschnitten“. Festes Schuhwerk ist Pflicht, da es vielfach über schmale, unbefestigte Wege geht, die je nach Jahreszeit matschig oder glatt sein können. Gleichzeitig ist diese Ursprünglichkeit aber auch die große Stärke der Route: nur wenige Straßen, dafür moosiger Wald, satte Wiesen und leuchtende Felder. Ein Stück Natur mitten in Essen.

| Foto: Thea Jungnickel

Neben der vielfältigen Flora gibt es entlang der gewählten Teilstrecke auch diverse Vertreter der Fauna zu entdecken. An den Bauernhöfen grasen Pferde, schnatternde Gänse eilen über das Grün und aus dem Felldickicht einiger Alpakas schauen interessierte Knopfaugen herüber. Beim Wildgatter Heissiwald dürfen außerdem Mufflons, Rehe und Wildschweine gefüttert werden.

Trubel am See und schöne Aussichten

Nahe der Hespertalbahn stehen Bienenstöcke am Wegesrand. Am Lux-Kotten wird täglich frisch geschleuderter Honig verkauft. Kurz vor dem Baldeneysee verzweigt sich der Steig. Hier hat man die Wahl zwischen einer bergigen Etappe und einem leichteren Uferweg. Da fällt die Entscheidung nicht schwer. Auf dem See schippern entspannt die weißen Segelboote. Enten und Schwäne gründeln träge am Uferrand. Auf dem asphaltierten Weg daneben ist dagegen deutlich mehr los. Fahrradfahrer, Inline-Skater und Familien mit Kinderwagen, sie alle wollen noch die letzten Sonnenstrahlen des Jahres abbekommen. Auch beim Bikertreff Haus Scheppen tobt das Leben. Der Duft frisch frittierter Pommes weht über die Straße.

Über eine Anhöhe gelangt man zur Bauernsiedlung Alt-Fischlaken. Von dort hat man einen fantastischen Blick über den See und die umliegenden Höhen. Auf der anderen Seite ragt die Villa Hügel ehrfurchtsgebietend aus dem Baumbestand hervor.

Es lohnt sich, eine kleine Pause beim Haus am See einzulegen. Im gemütlich eingerichteten Fachwerkhaus gibt es günstige, gut bürgerliche Gerichte und hausgemachten Kuchen (aber Achtung, das Restaurant hat in den Wintermonaten nur freitags bis sonntags sowie an Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet). Nach der Überquerung des Stauwehrs und einigen gewundenen Pfaden ist das Tagesziel Essen-Werden erreicht.


Weitere Infos zum Baldeneysteig: essengreen.capital

Eine Wanderkarte gibt es u. a. in der Touristik-Zentrale am Hauptbahnhof. GPX-Dateien zum Download sollen bald folgen.

Fotostrecke:

Baldeneysteig