Trekking mit Tier: Unterwegs mit Alpakas

Daniel Hischke bietet Spaziergänge mit seinen Alpakas an. | Foto: Daniel Hischke

Daniel Hischke unternimmt mit seiner Alpaka-Herde regelmäßig Wanderungen in Castrop-Rauxel. Die Karawane erregt immer Aufmerksamkeit und die Ausflüge sind äußerst beliebt.

In den Anden sind sie zu Hause, doch an der Ruhr scheinen sich die Vierbeiner mit der lockigen Frisur ebenfalls pudelwohl zu fühlen. Friedlich grasen sie auf ihrer Wiese am Ortseingang von Castrop-Rauxel, behalten ihre Umgebung dabei jedoch immer im Blick. Kaum gibt es etwas zu sehen, schnellen die langen Hälse nach oben, die behaarten Ohren stellen sich auf und die Nasenflügel wittern, ob Gefahr droht. „Alpakas sind Fluchttiere. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr neugierig und geben erst Ruhe, wenn sie der Sache auf den Grund gegangen sind“, berichtet Daniel Hischke. Er hat sich intensiv mit der südamerikanischen Kamelart beschäftigt. „Sie waren bereits vor etwa 6000 Jahren im Reich der Inka eine Säule der Zivilisation, ihre Wolle galt als Zeichen des Wohlstandes. Es sind außerdem beeindruckende Wesen mit der perfekten Mischung aus Possierlichkeit und Handfestigkeit.“

Daniel Hischke mit Jackomo. | Foto: Dominique Schroller

Aus Hühnern wurden Alpakas

Seit zwei Jahren hält der 41-Jährige seine eigene Herde und bietet Trekking-Touren durch die Umgebung an. An Halfter und Strick führen sie gestresste Großstädter durch Wald und Feld, zuweilen sogar auf neue Wege. „Diese Spaziergänge sind eine wunderbare Art, sich faszinierenden Tieren zu nähern und zu entschleunigen. Alle Besucher, die bisher hier waren, sind ein Stück glücklicher wieder gegangen“, betont Daniel Hischke. Auf der Suche nach einem Ausgleich zum Alltag hat er diese Erfahrung anfangs auch selbst gemacht. „Als Mediengestalter verbringe ich die meiste Zeit am Schreibtisch. Nach und nach ist der Wunsch gewachsen, nebenbei noch etwas mit den Händen und in der Natur zu machen.“ Die Hühnerhaltung erwies sich als guter Einstieg, doch bald schon kreisten die Gedanken um Größeres als Federvieh: Ziegen, Rinder, Pferde. „Irgendwo habe ich dann gelesen, dass Alpakas in Deutschland als Nutztiere anerkannt sind. Meine Freundin hat mir daraufhin eine solche Trekking-Tour zu Weihnachten geschenkt und da war es um mich geschehen. Denn wer einem Alpaka zu lange in die Augen schaut, läuft Gefahr sich zu verlieben und genau das ist mir passiert.“

Ein Jahr lang beschäftigte sich der Castroper mit den Vorbereitungen für sein Projekt, kümmerte sich um Stallgestaltung, Einzäunung, Genehmigungen und machte sich auf die Suche nach geeigneten Weideflächen. Das gestaltete sich schwieriger als vermutet, denn bei den meisten Landwirten erntete er für seine Pläne lediglich ein verständnisloses Lächeln. Die Verantwortlichen bei der Stadt fanden die Idee schon deutlich sympathischer. „Sie haben mir ihre Ausgleichsflächen für große Bauvorhaben angeboten. Alpakas sind ideale Grünpfleger und die Touren erhöhen Naherholung und Attraktivität.“ Daniel Hischke pachtete 1,3 Hektar und im Januar 2015 zogen die ersten fünf Hengste ein. „Beim Züchter habe ich bewusst nach Tieren geschaut, die neben ihrer Neugier auch eine gewisse Gelassenheit mitbringen.“ Dennoch bekommen seine Tour-Teilnehmer zunächst eine kurze Einweisung. Sie lernen, sich ihrem Alpaka langsam zu nähern und ihm immer eine Ausweichmöglichkeit zu lassen.

Jederzeit kuscheln

„Achtsamkeit ist ein ganz gutes Stichwort, sowohl dem Tier als auch sich selbst gegenüber. Dann sind meine Alpakas auch sehr kooperativ.“ Mit ein wenig Menschenkenntnis versucht der Castroper, möglichst passende Paarungen zwischen Zwei- und Vierbeinern zu bilden. Herdenchef Jackomo passt unterwegs auch schon mal auf ein kleines Mädchen auf, Sensibelchen Gismo braucht jemanden mit Gefühl und der unerschrockene King geht auch mit einem eher schüchternen Begleiter ohne zu zögern vorneweg. „Er war mit mir sogar schon bei Wetten dass und hat Thomas Gottschalk kennengelernt“, berichtet Daniel Hischke. Sein Liebling ist jedoch Metternich, der Stattlichste seiner inzwischen elf Hengste. „Er hat nicht nur ein wunderbar weißes Vlies, er ist auch die Ruhe selbst. Mit ihm kann ich jederzeit kuscheln.“

Mit dem Alpaka unterwegs zu sein, entschleunigt und entspannt. | Foto: Daniel Hischke

Wie sehr die Alpakas sein Leben verändert haben, hat den 41-Jährigen selbst überrascht. Er sitzt nur noch vier Tage in der Woche am Schreibtisch, hat 20 Kilo abgenommen und ist mit seiner Welt rundum zufrieden. „Ich komme locker ohne zwei Wochen Mallorca aus, denn ich habe ein Leben, von dem ich keinen Urlaub brauche.“ Obwohl seine Freizeit sehr begrenzt ist, hat er seine Liebe zu den Alpakas noch keine Sekunde bereut. „Sie geben mir so viel Energie, dass ich viel besser mit Stress umgehen kann und auch insgesamt ausgeglichener bin.“ Ein Stück von dieser Erfahrung möchte er auch den Teilnehmern seiner Touren mitgeben. „Viele leben in der Stadt und suchen nach Wegen, aus ihrem Alltag auszubrechen.“ Unterwegs in den Naturschutzgebieten Langeloh und Wagenbruch merken sie oft gar nicht, dass sie zweieinhalb Stunden laufen. „Das liegt vor allem an den Tieren – weil sie so sind, wie sie sind“, betont Daniel Hischke mit Blick auf die friedlich grasende Herde.

Auf Monate ausgebucht

Seine Wanderungen sind auf Monate ausgebucht. „Es ist ein bisschen so, als habe die Welt nur auf Alpaka-Ausflüge in Castrop-Rauxel gewartet.“ Die Begegnungen mit den unterschiedlichen Menschen betrachtet er als Bereicherung. Ihnen möchte er über die Tiere wieder einen engeren Bezug zur Natur vermitteln. „Gerade bei Kindern geht das häufig verloren.“ Sie sollen unterwegs ihre Umgebung mit anderen Augen sehen. Für die Zukunft plant Daniel Hischke seine Herde vielleicht noch um ein paar Damen oder sogar einige Lamas zu Erweitern. Bisher sind das aber nur Gedankenspiele. Vorerst grasen nur King und seine Kameraden auf den Wiesen am Ortseingang. Dominique Schroller

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